Politik 2.0 – Spiegel · Sprachrohr · Sprungbrett

Politik – da winken viele junge Leute müde ab, denn sie assoziieren den Begriff oft mit Parteien- und Politikerhierarchien sowie endlosen Debatten und leeren Versprechungen. Fasst man den Politikbegriff weiter und definiert Politik als aktive Gestaltung des Zusammenlebens von Menschen; versteht man unter politischer Partizipation auch jugendkulturelle Protestformen, den bewussten Kauf von Fair Trade Produkten oder den Selbstausdruck durch einen gesellschaftskritischen Song, kommt man jugendlichen Interessenslagen schon viel näher.

Jugendliche sind eben nicht alle gelangweilte „Politikmuffel“, die Medien ausschließlich zur Selbstbetäubung gebrauchen, sondern sie nutzen oft phantasievoll die neuen kommunikativen und politischen Beteiligungsmöglichkeiten der Medien und sind bereit, sich zu engagieren, wenn ihre Lebensbereiche berührt werden.
Neben dem Fernsehen als „Schule der Nation“ und den Computergames ist es vor allem das Internet mit seinen sozialen Netzwerken, dem Jugendliche viel Zeit widmen. Junge Leute nutzen das Web 2.0 zur Vernetzung, zur Meinungsäußerung und gegenseitigen Aktivierung, sie bloggen, simsen, twittern. – Höchste Zeit also für die „medienpädagogische Szene“, den Blick zu weiten und neben den Gefahren und dem Kreativpotenzial der Medien auch wahrzunehmen, dass mobile, vernetzte Medien heute neue Möglichkeiten der politischen Auseinandersetzung und Beteiligung schaffen.
Das aktuelle Themenheft des medienpädagogischen Magazins MedienConcret, das gemeinsam vom jfc Medienzentrum Köln und dem KJF (Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland) herausgegeben wird, geht auf über 100 Seiten dem Verhältnis von Jugend, Medien und  Politik auf den Grund. Es spürt Medienangeboten, Themen und Kommunikationsformen nach, die junge Leute anziehen oder abschrecken. Zahlreiche Hintergrundartikel halten der Politik in den Medien den Spiegel vor. Was haben die Medien Jugendlichen zu bieten? Welche Inszenierungen, Symbole und Mythen herrschen vor im medialen Politgeschäft, im Kampf um die Aufmerksamkeit? Wie nutzen Politiker die Medien, um junge Leute zu erreichen – gerade auch in Wahlkampfzeiten? Und wie werden heute – 60 Jahre nach Gründung der BRD – Geschichtsbilder konstruiert?
Im Mittelpunkt vieler Beiträge stehen junge Leute, die das Web 2.0 wie auch andere Medien als Sprachrohr nutzen;  MC wirft einen Blick auf Youtube, recherchiert jugendpolitische Websites und Blogs, präsentiert  (medien-)politische Visionen von jungen Leuten und zeigt das breite Spektrum von Partizipationschancen mit Hilfe von Medien auf.
Wie gewohnt räumt MedienConcret der Praxis einen großen Raum ein. Die Chancen des Web 2.0 zur Mitbestimmung wie auch zur politischen Medienbildung bilden ein Sprungbrett, damit junge Leute die Bedeutung von politischen Ereignissen nicht nur erkennen, sondern auch am politischen Alltag partizipieren können. Erfolgreiche Methoden und Best Practise Projekte, in denen medienkritisches Denken, die politische Meinungsbildung sowie politisches Handeln gefördert wurde, werden vorgestellt. Ein umfangreicher Serviceteil bietet Unterstützung für die praktische Arbeit.