Filme sind ein Fenster zur Welt, erweitern Erfahrungsräume und liefern Denkanstöße. Häufig sind sie jedoch auch nur mediales Fast Food, als Pausenfüller überall und jederzeit verfügbar. Im Overkill medialer Angebote will die Filmbildung Orientierung schaffen und Kenntnisse für den kreativen, kritischen und vor allem genussvollen Umgang mit dem Medium vermitteln. Mittlerweile gibt es ein breites Spektrum an Methoden, durch die Kinder und Jugendliche erkennen können, wie Filme gemacht werden, wie sie funktionieren und uns selbst ein Stück weit wie auch unsere Sicht auf die Welt verändern.
Film ist vielfältig. Neben den Spielfilmen gibt es Dokumentarfilme, Unterrichtsfilme, Kurzfilme – wiederum als Spielfilm oder Dokumentarfilm –, Experimentalfilme, Essayfilme, Werbefilme, Nachrichtenfilme. Filme können manipulativ sein oder dem Zuschauer Freiräume für eigenes Sehen und Denken ermöglichen. Es gibt spannende Filme und langweilige. Es gibt Meilensteine der Filmgeschichte, die jeder gesehen haben sollte, der beim Thema Kino oder Medien mitreden will. Es gibt unbedeutende Filme, die einfach nur das mediale Grundrauschen der Welt mittragen.
Im Dunstkreis der kommunalen Kinos finden sich viele Cineasten, die die Ansicht vertreten, dass ein Film keiner wie auch immer gearteten pädagogischen Nacharbeit bedarf. Ein Film spreche für sich, eine Interpretation, gar eine Erklärung, sei ein Eingriff in das filmische Werk. Ja, aber! Wer „gelernter“ Cineast ist, der wird diese Auffassung im Hinblick auf seine Person sicherlich teilen. Spätestens aber, wenn dieser Cineast auf einen Kinogänger trifft, der noch nie den Namen Hitchcock gehört hat, stößt er an seine Grenzen.
Betrachtet man die Filmgeschichte, die vielen vorhandenen Werke der letzten 120 Jahre als ein kulturelles Erbe, so kann es nicht schaden, Kindern und Jugendlichen – und nicht zuletzt auch Erwachsenen – ein paar Handreichungen zu geben, wie sie mit dem Riesenberg des Materials umgehen können. Dies betrifft nicht nur die schier unendliche Anzahl der Filmtitel der Vergangenheit. Auch im gigantischen täglichen Angebot der Gegenwart bedarf es einer Kompetenz, für sich auszuwählen und zu entscheiden, welche der vielen jährlich produzierten Filme man sehen möchte.
Sinnlichkeit und Verstehen
Was sicherlich hilft: Filme sehen. Je mehr desto besser. Das wäre dann der Weg zum erfahrenen Cineasten, der Filme eigenständig bewerten und einordnen kann. Aber für Menschen, für die Kino und Film eher Unterhaltung ist, Information bietet, ein Gemeinschaftserlebnis mit Freunden oder schlicht die Ablenkung von den Zumutungen des Alltags ist, für all diese wäre vielleicht eine Abkürzung nicht schlecht auf dem Weg zur Medienkompetenz, um neben der Schriftsprache auch die visuelle Sprache zu beherrschen. Die Fähigkeit, visuelle Codes zu entschlüsseln, geht inzwischen einher mit der Fähigkeit zu lesen und zu schreiben.
In der verwirrenden Vielfalt des Mediengeschehens, in der Fülle der Angebote sollen Kinder und Jugendliche also befähigt werden, auszuwählen. Sie sollen gute Filme von schlechten unterscheiden können, zumindest sollen sie ihren Filmgeschmack so weit ausbilden, dass sie ein eigenes Wertesystem für „gute“ oder „schlechte“ Filme entwickeln. Doch hier scheiden sich die Geister: Für den einen ist ein guter Film eine vorlagengetreue Literaturverfilmung, für den anderen Unterhaltung mit möglichst actiongeladenem Krawall. Aber allein an ein solches, eigenes Wertesystem muss man ja schon herankommen. Und dazu benötigt es Erfahrung mit Film. Die will die Medienpädagogik vermitteln.
Zeigt man Kindern einen Film, der sie bewegt, kommen hinterher Fragen, vor allem, wenn Darsteller dabei sind. „Habt ihr euch im Film wirklich geküsst?“, „Hat das weh getan, als du dich verletzt hast?“. Kinder haben das Wissen nicht, dass alles im Kino gemacht, künstlich hergestellt ist. Aber auch ältere Kinder oder Jugendliche versinken in der emotionalen Botschaft eines gut gemachten Films. Die Liebesszene im Film kann Vorbild sein für das sehnsüchtige Begehren vierzehnjähriger Mädchen oder Jungen. Kino hat Vorbildfunktion für junge Leute und gibt ihnen Lebenshinweise. Auch deshalb sollte es einen Blick über den Tellerrand geben, der klarmacht, dass ein solches Eintauchen in die Welt dieses Films zwar durchaus gewünscht und erlaubt ist, dass es aber auch notwendig ist, zu wissen, wie dieses Eintauchen, diese emotionale Überflutung, erzeugt wird.
Es sind wohl im Wesentlichen zwei Ziele, die mit filmpädagogischer Arbeit verfolgt werden. Zum einen beschäftigen sich die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer mit dem Film selbst und erkennen, wie Kinofilme ihre Wirkungen erzeugen. Kindern und Jugendlichen wird eine Handhabe gegeben, sich in der Menge der Filme zu orientieren. Zum anderen kann mit der Vorführung eines Filmes ein ausgewähltes Thema angegangen werden.
Je nach Zielsetzung wird die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen also ganz unterschiedlich ablaufen. Will man den Film selbst zum Thema machen, wird man sich mit seiner „Gemachtheit“ beschäftigen, mit seinen vielen Aspekten, die den Film erst zum Funktionieren bringen. Das klappt dann auch am besten mit „guten“ Filmen, die einen Anspruch verfolgen. Will man den Film nutzen, um sich mit einem Thema zu befassen, sollte die Aufarbeitung mit einem Fachreferenten erfolgen. Dieser hat die Kenntnisse zum Thema, die er vermitteln will. Der Film dient dann dazu, das Thema im Publikum emotional zu verankern.
Gespräche kurz und knackig
Betrachten wir in der Folge die pädagogische Arbeit, die sich mit den filmischen Intentionen befasst. Da es wenig feste Rezepte gibt, wie man die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen erfolgreich durchführt, macht es Sinn, mit Intuition und mit Einfühlungsvermögen an den Film und vor allem an die Arbeit mit den Zuschauern heranzugehen.
Die wohl wichtigste Methode der Filmpädagogik ist nach wie vor das Gespräch nach dem Film. Nicht, dass es dafür eines Medienpädagogen bedürfte: Kinder und Jugendliche werden sich nach einem Film auch ohne Anleitung über den Film austauschen. Hilfestellung kann jedoch nicht schaden, wenn das Gespräch den Film in der Filmgeschichte verorten will. Wie aber führt man ein solches Gespräch? Das ist eine Frage, die am besten aus dem Bauch heraus beantwortet werden kann.
Überlegungen für das Filmgespräch:
- Um welche Art Film handelt es sich, kommt er den Sehgewohnheiten der jungen Zuschauer entgegen oder ist es ein Film, der ihnen eher fremd ist?
- Welches Publikum hat der Film: Sind es eher kleine Kinder, die leicht zu beeindrucken sind, oder ältere, die schon Kinoerfahrung haben? Handelt es sich um eine bestehende Gruppe oder sind die Zuschauer zufällig zusammengewürfelt?
- Und natürlich auch: Was ist mir als Medienpädagoge an dem gezeigten Film selbst wichtig?
- Und im Gespräch dann: Wie entwickelt sich die Situation, folgen die Zuschauer meinem Gespräch, gibt es Störer, besteht Interesse?
Viele dieser Fragen werden sich häufig erst im laufenden Filmgespräch beantworten lassen. Gut ist, als Gesprächsleiter in Vorleistung zu treten: „Mir hat gefallen, als…“, „Ich weiß von den Dreharbeiten Folgendes…“. Die Zuschauer erleben so einen persönlicheren Einstieg. „Wie hat euch denn der Film gefallen?“ ist eine etwas zu platte Frage, der im besten Falle mit einem kurzen „gut“ beantwortet wird.
Vor Vierzehnjährigen im Schulklassenverband stellte ich den Klassiker Casablanca (1942) vor. Notwendig erschien mir, vor dem Film eine möglichst kurze Einführung in die ja recht komplizierte politische Situation während des Zweiten Weltkriegs. Wer in diesem Alter hat schon von der Vichy-Regierung gehört? Nach dem Film eröffnete ich als Gesprächsleiter das Gespräch mit meinen Lieblingszitaten aus dem Film: „Gestern ist so lange her, dass ich mich nicht erinnern kann.“, „Heute Abend? Ich plane nie so weit im Voraus.“. Schnell ergab sich die Frage, was das für ein Mensch ist, der so denkt, und bald waren die Kids bei der Überlegung: „Der Rick hat in seinem Leben kräftig was aufs Maul bekommen…“
Im Laufe der Jahre habe ich mir selbst einige Regeln erarbeitet: Die Kinder oder Jugendlichen müssen ernst genommen werden; die Tatsache, dass ich vorne stehe, macht mich nicht wichtiger als die Zuschauer. Die Tatsache, dass ich mehr weiß, darf den Kindern nicht die Lust nehmen, selbst auf Antworten zu kommen. Und wenn vor allem männliche Jugendliche demonstrativ keine Lust auf das Gespräch haben, dient es meinem emotionalen Haushalt, auf die türkischstämmigen Mädchen aus dem Klassenverband zu achten, die es schaffen, jede Unruhe um sie herum auszublenden und genau zuzuhören. Und wenn das Gespräch nicht läuft oder zu Ende ist, ist es zu Ende. Ein quälendes „Hat denn nicht noch jemand eine Frage?“ gehört zu den No-Gos des Filmgesprächs. Ich spreche mit den Kids lieber kurz und knackig. Kino und Zwang gehört für mich nicht zusammen.
Beim Film Ich stand auf Schindlers Liste (2010) war ein KZ-Überlebender zu Gast, der von seinen Erlebnissen berichtete, die zuvor auch Thema eines über ihn gedrehten Filmes war. Nachdem er von seiner Zeit im Konzentrationslager erzählt hatte und eine sehr nachdenkliche Stimmung im Saal herrschte, fragt ihn eine türkischstämmige Schülerin, ob er nach diesen Erlebnissen noch jemals hätte wieder so etwas wie Glück empfinden können. Ich saß neben dem Zeitzeugen, einem Mann um die Achtzig, und konnte spüren, wie getroffen er von dieser Frage war. Er brauchte über eine Minute, um zu antworten. Und diese Minute war die stillste Minute, die ich je in einem Kinosaal erlebt habe. Niemand traute sich auch nur sich zu bewegen. Niemand sprach. Allen Anwesenden war klar, dass dies einer der wenigen Gänsehautmomente ihres Lebens war. Die Antwort des Zeitzeugen lautet: „Nein.“ Ich habe noch heute eine große Hochachtung vor der Frage der Schülerin und dem Mut meines Gastes zu dieser Antwort.
Es ist natürlich einfach, wenn ein Gast im Kino ist. Der eingeladene Regisseur spricht über seine Intentionen, der Darsteller erzählt von den Dreharbeiten, der fachkundige Referent zum Inhalt des Films. Da springt die natürliche Neugierde der Kinder und Jugendlichen von alleine an. Gerade der emotionale Impact eines Filmes wird gerne mithilfe der beteiligten Protagonisten verifiziert oder relativiert. Wie ist diese oder jene Szene entstanden? Was machst du im wirklichen Leben? Wie bist du auf die Idee zum Film gekommen? Solche Fragen erlauben den Zuschauern, ihre Emotionen nachwirken zu lassen, helfen ihnen aber auch beim Einsortieren der Gefühle. Im Idealfall gehen die Kids bereichert nach Hause.

Methodisch variantenreich
Welche Formen und Methoden der Filmarbeit gibt es noch? Eine einfache, ohne Aufwand handhabbare Methode ist das sogenannte Blitzlicht, bei dem möglichst viele Zuschauer nur ganz kurz einen Eindruck oder eine Meinung zum Film äußern. Das Gesagte soll möglichst prägnant sein und über ein einfaches „Ich fand den Film gut“ hinausgehen. Meinungen werden nicht ausschweifend begründet. Natürlich kann das „Blitzlicht“ nicht in die Tiefe gehen, auch bleiben kontroverse Auffassungen einfach im Raum stehen. Aber um ein Gefühl für die Bandbreite der unterschiedlichen Möglichkeiten, den gesehenen Film zu erleben, zu bekommen, ist das Blitzlicht sicherlich geeignet.
Das Partnergespräch eignet sich eher für Zuschauergruppen, die sich bereits kennen, also zum Beispiel für einen Schulklassenverband oder eine Gruppe aus einem Jugendclub. Nach dem Film tauschen sich die Zuschauer in Zweiergruppen über den gesehenen Film aus. Der Vorteil ist, dass alle Zuschauer dabei beteiligt sind − auch die Schüchternen und diejenigen, die befürchten, für ihre Meinung oder Äußerung ausgelacht zu werden. Nachteilig ist jedoch, dass nur bei sehr kleinen Zuschauergruppen die geäußerten Meinungen und Sehweisen des Films den Weg in die große Runde finden können.
Hilfreich ist es daher, die Teilnehmer um schriftliche Notizen zum Film zu bitten, um ihre Eindrücke aus dem Film wiederzugeben. Diese Bitte kann an die genannten Zweierteams gerichtet werden, aber auch an jeden Einzelnen der Zuschauer. Das schriftliche Festhalten führt zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dem gesehenen Film. Zudem ist eine schriftliche Notiz nicht so einfach revidierbar, wenn sie später den Weg in die große Runde finden soll. Allerdings ist zu erwarten, dass vor allem Schüler, die ihre Eindrücke schriftlich festhalten sollen, eher wie in der Schule bei schriftlichen Aufgaben agieren: Sie halten fest, wovon sie glauben, dass es der Gesprächsleiter hören möchte. Die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen eigenen Meinung und der schriftlich festgehaltenen Notiz bringt den Zuschauer allerdings sicherlich zum Nachdenken. Wer sich nicht traut, seine tatsächliche Meinung auch öffentlich zu äußern, weiß dann schon, auf welchen Abwegen er sich befindet.
Zum Dokumentarfilm Nacht und Nebel(1955) über die Vernichtungslager hatten wir wieder einen KZ-Überlebenden eingeladen. Etliche offensichtlich ziemlich rechts eingestellte Jugendliche waren spürbar verstört über die Tatsache, dass die präsentierten Fakten und Erlebnisse so offensichtlich ihrem Weltbild widersprachen. Sie wirkten einerseits aufgebracht, trauten sich aber auch nicht, Widerspruch anzumelden. Es blieb zu hoffen, dass sie in ihrer Weltsicht zumindest ein Stück weit erschüttert waren.
Passend zur Aufgabe, Eindrücke zu notieren, kann man den Zuschauern auch Beobachtungsaufgaben geben, die sich auf bestimmte Aspekte des gezeigten Films beziehen. So kann eine Gruppe auf die Kameraführung achten, eine andere Gruppe darauf, wie oft ein Schauspieler auftaucht und welche Funktion er im Film hat. Weitere Beobachtungsaufgaben können sich auf die Lichtgestaltung beziehen oder auf den Einsatz der Musik. Diese Methode eignet sich sehr gut, um die Zuschauer mit der Machart des Films vertraut zu machen. Viele Fragen, die ansonsten im Gespräch an den Gesprächsleiter oder den Gesprächsgast gerichtet werden, können sich die Zuschauer dann schon selbst beantworten. Ein Nachteil allerdings ist, dass eine Beobachtungsaufgabe im Konflikt steht zum emotionalen Überwältigungspotential, den ein Film haben kann. Im besseren Fall vergessen die Zuschauer über den filmischen Eindrücken seine Beobachtungsaufgabe, im schlechteren Fall behindert das Bemühen, die Aufgabe zu erfüllen, sihr Filmerlebnis.
Wenn dann die Beobachtungsergebnisse in der großen Runde zusammengetragen werden, entsteht sehr schnell ein Muster von Erkenntnissen über die Art, wie der gezeigte Film seine Wirkung erzielt. Wechseln sich die Zuschauer dann bei verschiedenen Filmvorführungen ab, übernehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer neue Aufgaben − so ist das fast schon wie ein kleines Filmstudium.
Aus Sicht von Pädagogen macht auch die folgende Methode Sinn, die Cineasten natürlich erschauern lässt: Die Vorführung des Films wird kurz vor dem Höhepunkt unterbrochen. Alle offenen Fragen des Films stehen im Raum. Die Zuschauer machen sich dann Gedanken darüber, wie der Film zu Ende gehen könnte. Je nach Alter der Zuschauer wird die Geschichte zu Ende erzählt, oder Kinder malen das Ende, führen es als kleines Schauspiel vor oder inszenieren es selber in einer Video-Szene. So wird jedem Zuschauer klar, dass Film gemacht ist, dass jemand, ein Drehbuchautor oder ein Regisseur, eine Entscheidung über das Ende des Films getroffen hat. Anders ausgedrückt: Das Räderwerk des Films liegt offen vor den Kindern und sie selbst können entscheiden, wo und wie sie darin eingreifen. Und wer eine Geschichte von einem vorgegebenen Punkt ausgehend weitererzählt und daran Freude hat, möchte vielleicht demnächst auch eine ganze Geschichte selbst erzählen.
Um den Eindruck zu vertiefen, den ein Film hinterlässt, ist es vor allem bei jüngeren Kindern eine gute Idee, nach dem Film zu spielen. Natürlich sollen die Spielaktionen etwas mit dem Thema des Films zu tun haben. Hier sind vielfältige Ideen gefragt. Kommt zum Beispiel im Film ein Rollstuhlfahrer vor, können die Kids üben, sich im Rollstuhl zu bewegen. Ein Agentenfilm lädt zu kniffeligen Rätsellösungen ein, ein Science-Fiction-Film zum Nachbau der dort zu sehenden Roboter im Kleinformat.
Film durchschaubar machen
Ist die Zuschauergruppe nicht zufällig zusammengewürfelt, sondern kommt ein Klassenverband ins Kino, ergeben sich viele weitere Möglichkeiten. Vor allem die Möglichkeit, den Filmbesuch im Unterricht nachzubereiten, eröffnet viele neue Perspektiven. Notwendig ist jedoch, dass der Film – nun als DVD – auch in der Schule zur Verfügung steht. So lassen sich Kapitel oder Sinnzusammenhänge des Films erarbeiten. Eine Kapiteleinteilung lässt erkennen, wo welche „Plot-Twists“ angesiedelt sind, an welchen Stellen der Film auch hätte anders weitergehen können und wo es Entscheidungen der Drehbuchautoren gibt, in welche Richtung der Film laufen soll. Weitere Zusammenhänge können herausgearbeitet werden: Welche Filmfigur vertritt welche Gedanken, welche Funktion hat der „Side-Kick“ des Films, wie sind die Darsteller emotional besetzt.
Eher wie eine Filmanalyse kommt die Methode daher, den Film in seine Komponenten zu zerlegen und den Schülern Beobachtungsaufgaben zu geben. Dabei ist es in der Regel am sinnvollsten, sich auf eine oder zwei Szenen des Films zu beschränken, damit der Aufgabenumfang handhabbar bleibt. Aufgaben können sein: Schnitte zählen, Dialoganteile zeitlich stoppen, Lichtführung beschreiben, Kamerabewegungen festhalten, Musik- und Geräuscheinsatz dokumentieren. Dafür muss die gewählte Szene von der DVD wieder und wieder abgespielt werden. Hierbei arbeiten die Schüler am Räderwerk des Films. Wer sich zum Beispiel Gedanken über den Musikeinsatz macht, erkennt, wie der Zuschauer emotional manipuliert wird. Und er wird schnell einmal auszuprobieren wollen, wie der Film wirkt, wenn er eine andere Musik zum Film abspielt. Diese Form der Filmanalyse ist für den Autor das Herzstück der medienpädagogischen Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen. Es wäre zu wünschen, dass solche Arbeit viel mehr an Schulen oder auch im Rahmen der Jugendarbeit geleistet wird.
Nach der Vorführung des Films Valerian – Stadt der tausend Planeten gab es ein Gespräch u.a. mit einem begeisterten Zwölfjährigen, dem vor allem die Actionszenen des Films angetan hatten. Meine etwas undankbare Aufgabe bestand darin, die Rolle der CGI (Computer Generated Images) zu erläutern und dem Eindruck entgegenzutreten, die Schauspieler hätten ihre Stunts tatsächlich gespielt. Gleichzeitig waren wir aber auch rasch bei dem Thema, das die CGI Voraussetzung für den comichaften Look des Films waren
Der Vergleich zwischen Literaturvorlage und Film eignet sich besonders für den Deutsch- oder Fremdsprachenunterricht. Schnell wird erkennbar, dass die Buchvorlage immer umfangreicher und detaillierter sein kann als der Film mit seiner zeitlichen Beschränkung. Im Film werden ganze Handlungsstränge der Vorlage weggelassen, handelnde Figuren tauchen im Film nicht auf, Szenen des Buches schaffen es nur verkürzt und pointiert in den Film.
Eine weitere ausgesprochen intensive Methode, sich mit einem Film zu befassen, ist das Verfassen einer Filmkritik. Die jungen Kritikerinnen und Kritiker müssen sich nicht nur mit der Handlung und der Aussage des Films beschäftigen, sondern auch analysieren, ob es dem Film gelingt, sein Anliegen an das Publikum zu bringen. Und nicht zuletzt fließen in eine Filmkritik auch immer die Erfahrungen und Prägungen des Autors mit ein. Dies macht das Schreiben einer Kritik zu einer nahezu idealen Form der Beschäftigung mit Kino – und nicht zuletzt auch der Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit. Das jfc Medienzentrum in Köln ist Vorreiter bei der Arbeit mit Kindern, die Filmkritiken schreiben und auf dem Portal www.spinxx.de veröffentlichen.
… und Action
Kommen wir nun nach der eher analytischen Filmbildung zur Königsdisziplin der Beschäftigung mit dem Kino: die produktionsorientierte-kreative Filmbildung. Beim Filme-selbstmachen lernen die Kinder und Jugendlichen im Verlauf der Filmproduktion alle Aspekte und Gewerke kennen, die für das Funktionieren eines Films notwendig sind. Zunächst wird die Idee entwickelt, die in Form eines Treatments zu Papier gebracht wird, um daraus ein Drehbuch zu entwerfen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Filmprojekts müssen eine möglichst genaue Vorstellung von ihrem Film, seiner Geschichte, Botschaften und der Ästhetik haben. Dies bedingt, dass sie sich intensiv mit der Machart von Filmen auseinandersetzen – ein Crash-Kurs also in Filmvermittlung.
Das Storyboard hat bei der Beschäftigung mit Film – sowohl beim aktiven Filmemachen als auch bei der rezeptiven Filmarbeit – eine große Bedeutung. Bei der rezeptiven Filmarbeit arbeiten die Teilnehmer eine Filmszene nach, um deren Funktionsweise zu analysieren. Beim Filmemachen zeichnen die Kinder ihre Vorstellung vom Film und sollten dann hinterfragt werden, ob die gezeichnete Szene so im Film funktionieren wird oder ob es Änderungen geben muss. Und dann geht es an die Dreharbeit; sicherlich der Teil, der am meisten Spaß macht. Hier kommen dann noch jede Menge Ideen nachträglich, und es bedarf dann schon einer etwas „strengeren“ Führung durch den „Regisseur“, um am geplanten Konzept festzuhalten. Bemerkenswert ist, dass der Schnitt – zumindest bei Produktionen mit Kindern – dann meistens durch den Kursleiter zu Ende gemacht wird, Kinder bringen für die langwierigen Schnitt- und Tonarbeiten nicht die Geduld auf. Erst wenn sie dann zur Uraufführung ihres Films auf der Bühne stehen, können sie sich richtig mit dem selbstgemachten Film identifizieren.
Neben den hier vorgestellten gibt es noch eine Fülle weiterer Methoden, die allerdings von mir noch nicht erprobt worden sind. Hier verweise ich auf die Serviceangebote in diesem Heft, in der die entsprechenden Materialien und Links für die Filmbildung aufgeführt sind. Als Beispiel sei das Online-Portal „Kinofenster“ der Bundeszentrale für politische Bildung und von Vision Kino genannt sowie der Praxisleitfaden „Schule und Kino“ der Vision Kino. Aber wichtiger als alle theoretische Vorbereitung sind wohl die Begeisterung für gutes Kino sowie Liebe und Respekt für die Kids, die sich mit dem Kino beschäftigen wollen und sollen, und ein Gespür dafür, dass jedes Kind etwas Besonderes ist, so wie jeder gute Kinofilm auch.