Der andauernde Streit um die Wehrpflicht, prägt vor allem junge Menschen in Deutschland in ihrem Alltag, zwischen Schulstreiks und lauter werdenden Protesten. Ab 2026 gilt für männliche Personen, die 18 werden, die verpflichtende Erfassung und Musterung, grundsätzlich bleibt der Wehrdienst vorerst aber freiwillig. Umso massiver wirbt die Bundeswehr nun um Nachwuchs. Ein Ort, an dem das besonders ins Auge sticht, ist die die Gamescom in Köln. Während die präsentierten Spielwelten vor Ort eigentlich für grenzenlose Faszination und Fantasie stehen, holen die gezeigten Ausrüstungen, Maschinen und Kampffahrzeuge Besuchende zurück in die Realität. Der Beitragt zeigt, welches Ziel die Bundeswehr auf der Gamescom verfolgt, welche Werte sie dort vermitteln will und warum ihr Auftritt gerade auf der Gamescom kritisch einzuordnen ist.
Der Beitrag ist von der jungen Radioredaktion Kreativfunk, ein Projekt des jfc Medienzentrum.
Transkript
Mission Nachwuchs – Die Bundeswehr auf der Gamescom
Reporterin (Sarah): „Level up your career“ – Sprüche wie aus der Gaming-Welt. Doch es sind die Slogans der Bundeswehr auf der Gamescom. Ich stand verwirrt vor diesem riesigen Stand. Warum ist die Bundeswehr hier, direkt neben dem Jugendforum? Schon auf dem Weg begegneten mir Teams in Uniform mit Roboter-Hunden. Am Stand selbst: Panzersimulationen, Hackstationen und eine Klimmzugstange für die Sportlichen.
Das Angebot am Messestand
Sprecher (Bundeswehr): Die Bundeswehr ist seit 2009 auf der Gamescom. Wir wollen da sein, wo die Menschen sind. Wir zeigen hier Möglichkeiten wie Live-Hacking, IT-Modellierung, elektronische Kampfführung oder Fallschirmjäger-Einsätze. Auch Panzersimulatoren und Hubschrauberflüge gehören dazu.
Strategische Nachwuchsgewinnung
Sarah: Angesichts der Diskussion um die Wehrpflicht ist der Druck zur Nachwuchsgewinnung groß. Die Bundeswehr nutzt Slogans der Gaming-Welt und spielerische Elemente, was die Realität des Dienstes verharmlost. Es gibt kostenlose Getränke, während man auf der restlichen Messe dafür zahlen oder Aufgaben lösen muss. Das ist klare Strategie, um ins Gespräch zu kommen.
Sprecher (Bundeswehr): Wir versorgen unser Team gut und bieten Besuchern Erfrischungen an, um in offene Gespräche zu gehen.
Realität vs. Simulation
Sarah: Ein Dienst bei der Bundeswehr ist nicht mit Call of Duty vergleichbar. Man sollte aufklären, was es bedeutet, an der Waffe zu dienen. Auf Nachfrage, wofür die Technik wirklich genutzt wird, hieß es:
Sprecher (Bundeswehr): Jede Dienststelle hat ihren regulären Auftrag. Unsere Hacker bereiten Cyber-Operationen vor, Spezialkräfte nutzen die Fahrzeuge und Piloten bilden internationales Personal aus.
Sarah: Das Wort „Töten“ wird vermieden. Die Technik wird für militärische Zwecke genutzt. Besonders faszinierend wirkt der Roboter „Spot“ von Boston Dynamics. Doch was wie ein süßer Hund aussieht, wird weltweit bereits für militärische Tests mit Waffen genutzt.
Rollenbilder und Zielgruppen
Sarah: Am Stand sieht man fast nur weiße Cis-Männer. Wo bleibt die Vielfalt der Gaming-Szene?
Sprecher (Bundeswehr): Wir achten auf ein gemischtes Bild. Wir haben zum Beispiel einen weiblichen „Spieß“ dabei – die „Mutter der Kompanie“. Sie kümmert sich um alles.
Sarah: „Mutter der Kompanie“ – dieses Rollenbild bedient klassische Klischees der sorgenden Hausfrau. Dass von 20 Mitarbeitern nur eine Frau da war, spiegelt die Realität wider: Der Soldatinnen-Anteil liegt nur bei 13 Prozent, während die Gaming-Community viel diverser ist.
Fazit
Sarah: Auf der Gamescom verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität. Dass die Bundeswehr genau hier versucht, junge Menschen für das Militär zu begeistern, ist uncool. Ich drücke den Zocker-Move und sage: Alt-F4.