Barrierefreiheit umfasst weit mehr als den klassischen Rollstuhl. Barrieren gibt es in verschiedensten Formen: Sie sind räumlich, finanzielle, psychisch oder woran die meisten zuerst denken werden mobile Barrieren. Aber die wohl größte Hürde sind die Barrieren in den Köpfen. Michelle und Buket haben sich explizit mit Barrierefreiheit an Hochschulen beschäftigt, denn ganze 11% der Studierenden sind von Beeinträchtigungen betroffenen. Um tiefere Einblicke zu bekommen haben sie sich mit zwei Betroffenen über ihre persönlichen Erfahrungen ausgetauscht.
Der Beitrag ist von der jungen Radioredaktion Kreativfunk, ein Projekt des jfc Medienzentrum.
Transkript
Barrieren in Häusern und Köpfen – Barrierefreiheit an der Hochschule Düsseldorf
Moderatorin 1 (Michelle): „Ich kann es nicht leiden, anders behandelt zu werden – und doch werde ich es immer wieder.“ Das sagt Louisa Bund, eine freie Autorin für den Zeit Campus. Sie ist Studentin und sitzt im Rollstuhl. Laut einer Erhebung des Deutschen Studierendenwerks von 2021 haben 11 Prozent aller Studierenden studienrelevante Beeinträchtigungen. Wir, Michelle und Buket vom Kreativfunk, wollen der Situation an der Hochschule Düsseldorf auf den Grund gehen.
Was bedeutet Barrierefreiheit?
Moderatorin 2 (Buket): Barrierefreiheit ist wichtig, um Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen die gleichen Chancen zu ermöglichen. Es gibt räumliche Barrieren wie Treppen oder schwere Zugänge, aber auch Barrieren für Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen. Hinzu kommen finanzielle Hürden sowie unsichtbare Einschränkungen wie ADHS oder psychische Belastungen.
Strukturen und soziale Isolation
Michelle: In der Theorie haben Studierende Anrecht auf Assistenzkräfte und Nachteilsausgleiche. Doch für viele geht es um mehr als nur Gebäude. Sie fühlen sich oft einsam. Louisa Bund berichtet, dass kaum jemand ein Gespräch mit mir anfing oder in Gruppenarbeiten mit mir kooperieren wollte. Es gibt also auch Barrieren in den Köpfen.
Interview mit Ipek: Alltag im Rollstuhl
Buket: Wir haben mit Ipek gesprochen. Sie studiert Business Administration im dritten Semester.
Ipek: Meine Kommilitonen reden kaum mit mir. Ich fühle mich manchmal alleine. Ein großes Problem sind auch die Schalter an den Eingangstüren, die oft nicht funktionieren – besonders in der Bibliothek. In Vorlesungen sprechen manche Dozenten zudem viel zu schnell oder undeutlich, sodass man nicht mitschreiben kann.
Interview mit Ami: Das Enthinderungsreferat
Michelle: Ami studiert Soziale Arbeit und ist Teil des Enthinderungsreferats an der HSD.
Ami: Da ich eine sichtbare Behinderung habe, werde ich oft eher ernst genommen als Menschen mit unsichtbaren Behinderungen wie ADHS. Wir haben an der Hochschule eine Protestaktion gemacht und Treppen sowie Aufzüge abgesperrt, um zu zeigen: Es gibt keinen Plan B. Wir haben herausgefunden, dass 80 Prozent der Aufzugdefekte durch Vandalismus entstehen.
Fazit und Ausblick
Michelle: Dozierende und Studierende müssen sensibilisiert werden. In Referaten sollten direkt Betroffene sitzen, da sie wissen, was benötigt wird. Gebäudezugänge und Nachteilsausgleiche allein reichen nicht aus – es geht darum, der sozialen Entfremdung entgegenzuwirken und Studierende mit sichtbaren und unsichtbaren Behinderungen kontinuierlich einzubeziehen.