Magazin für die pädagogische Praxis

Fachbeiträge

Halb aufgeklappter Laptop mit bunt reflektierendem Bildschirm

Von Sehnsüchten, Glück und Medienresilienz

Anleitung für eine gute digitale Gesellschaft

Wie werden wir glücklich in der digitalen Welt? Zunächst gilt es, die Kräfte zu verstehen, die das Netz so attraktiv für uns machen. Das Internet bedient viele Bedürfnisse, beispielsweise das nach Bindung und Kontakt. Nur wenn wir verstehen, welche Veränderungen sich mit der Digitalisierung vollziehen und welche unserer Sehnsüchte damit bedient werden, können wir den Wandel mitsteuern. Mit den neuen digitalen Möglichkeiten wächst auch unsere Verantwortung. Eine gute Zukunft braucht eine resiliente Gesellschaft. Aber deren Interessen und die der Digitalwirtschaft klaffen weit auseinander.

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die positive Nachricht lautet: Eine gute digitale Gesellschaft ist möglich. Die negative Nachricht lautet: Sie fällt nicht vom Himmel. Eine gute digitale Gesellschaft wird nicht mit der digitalen Technik mitgeliefert. Sie entsteht nicht automatisch. Unter einer guten digitalen Gesellschaft verstehe ich eine resiliente, zur Veränderung fähige, kritisch-kompetente, konstruktive und partizipative, emanzipierte und mündige digitale Gesellschaft. Für das Gelingen einer solchen Gesellschaft müssen wir … Technik und Kulturtechnik zusammendenken. Konzerne, Forschung und Wirtschaft liefern uns die Technik und die digitale Infrastruktur. Für die Kulturtechnik jedoch sind wir selbst verantwortlich. Wir bedeutet in diesem Kontext dreierlei: Wir alle als individuelle Mediennutzer:innen, wir in unseren Bildungs-, Arbeits-, Kollegen- und Familienkontexten und wir als Einrichtungen, Führungskräfte, Organisationen und politische Institutionen, die Einfluss auf die Rahmenbedingungen der Gesellschaft haben, innerhalb derer Digitalität stattfindet.

Verstehen, was uns ins Netz zieht

Wir leben in einer Gesellschaft, die zunehmend von digitalen Prozessen, digitaler Kommunikation und digitalen Meinungsbildungsräumen geprägt ist. Diesen digitalen Interaktionsraum müssen wir aktiv gestalten und formen, nach unseren Regeln, mit unseren Grenzen, nach unseren Sehnsüchten. In welcher digitalen Gesellschaft wollen wir leben? Wie können wir das Potenzial digitaler Mechanismen verantwortlich nutzen und dabei die Gefährdungen, die entstehen können, ruhig im Blick halten? Welche positive Vision haben wir von einer digitalen Gesellschaft? Welche Rahmenbedingungen brauchen wir dafür? 

Ich habe dafür den Begriff der Medienresilienz geprägt. Medienresilienz bedeutet, auf individueller und gesellschaftlicher Ebene sowie auf Ebene der Institutionen und Organisationen einen positiven und konstruktiven Umgang mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung zu finden. Medienresilienz bedeutet, die Technik anzunehmen, aber ihr nicht alle Entscheidungen zu überlassen.

Um den digitalen Wandel gestalten zu können, müssen wir ihn zunächst einmal verstehen. Digitale Medien haben in erstaunlich kurzer Zeit eine globale Verbreitung gefunden. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen weltweit hat Zugang zu mobilen digitalen Geräten, Millionen sind Nutzer:innen sozialer Medien. Dies ist beeindruckend – und die interessante Frage lautet aus meiner Sicht: Woraus speist sich dieser Erfolg? Welche Kräfte sind da am Werk? Was macht soziale Medien so anziehend? Und wo rühren das Unglück und die Frustration her, die für uns manchmal damit verbunden sind? Eine technische Erfindung wird nur dann zum Erfolg, wenn auch der entsprechende Nährboden in der Gesellschaft vorhanden ist. Nur wenn eine neue Sache die Antwort auf eine bereits bestehende Frage ist, kann sie zum Erfolg werden. Schauen wir dort genau hin, werden wir inmitten all des Neuen überraschenderweise sehr viel Altvertrautes finden. Welches sind also die Kräfte und Bedürfnisse, die den digitalen Wandel antreiben? Aus meiner interdisziplinären Perspektive habe ich darauf fünf Antworten. 

Die Reoralisierung unserer Kultur

Mitte des 15. Jahrhunderts trat der Buchdruck mit beweglichen Lettern einen für damalige Verhältnisse rasanten Siegeszug an. Die bis dahin mühsam per Hand kopierten Schriften waren eine exklusive Sache. Auch die Fertigkeiten, sie zu lesen und sie zu schreiben waren selten und nur wenigen vorbehalten. Mit dem Buchdruck änderte sich das. Der Buchdruck ermöglichte, Wissen in großen Auflagen zu vervielfältigen und zu verbreiten. Martin Luther übersetzte in einem Kraftakt die Bibel ins Neuhochdeutsche. So wurde die Heilige Schrift nicht nur für mehr Menschen erschwinglich, sondern auch verstehbar. Nach und nach war Wissen keine exklusive Sache mehr. 

Die schriftliche Tradition von Wissen setzte sich durch. Wichtig ist aber, sich zu erinnern, dass in den vielen Jahrhunderten zuvor Wissen mündlich tradiert wurde. Kulturelles Wissen wurde in Form von Sagen, Mythen und Märchen von Generation zu Generation weitergegeben. Volksmärchen sind noch heute weit verbreitete und bekannte Zeugnisse mündlicher Tradition und Textentstehung. Erst später wurden die Märchen zu dokumentarischen Zwecken von den Brüdern Grimm gesammelt und schriftlich festgehalten. Die Bibel ist (wie auch der Koran) ebenfalls Zeugnis einer eigentlich mündlichen Tradierung von Wissen. Erzählkränze wurden miteinander verwoben und erst später schriftlich festgehalten, säuberlich getrennt nach Erzählungen innerhalb und außerhalb des schriftlichen Kanons. 

Mit der Digitalisierung nun vermischen sich diese beiden, historisch eigentlich getrennten, Traditionsformen. Das Internet ermöglicht wie in der mündlichen Tradition, dass sich jeder am Entstehungsprozess beteiligt. Das Internet ist das Buch, an dem wir alle mitschreiben. Jeder, der bei einem Wikipedia-Artikel etwas ergänzt, korrigiert oder löscht, ist Teil eines kollektiven Schreib- und Filterprozesses. Nachrichten, die über Twitter, Facebook, WhatsApp und Signal geschrieben und verschickt werden, sind Text, aber eigentlich sind sie Gespräche. Sie sind verschriftlichte Gespräche, bei denen die Rollen von Autor:in und Leser:in nicht getrennt sind. In einem Gespräch ist jeder zugleich Sender:in und Empfänger:in, auch wenn es schriftlich ist. Meine Formel dafür lautet: Das Internet ist ein Schriftmedium, das nach den Regeln der Mündlichkeit funktioniert. Das hat auf unsere digitale Gesellschaft ganz konkrete und praktische Auswirkungen. Die Urheberrechts- und Autorenfragen stellen sich bekanntermaßen im Internet neu. Im Arbeitsumfeld kollidieren Erwartungen an Reaktionszeiten der Schreibenden, je nachdem, ob sie E-Mails in „Schrift“ oder in „Gespräch“ denken.

Eine der Auswirkungen ist gesellschaftspolitisch derzeit besonders brisant: Fake News und Verschwörungstheorien (die nicht zufällig auch Verschwörungserzählungen genannt werden) verbreiten sich im Netz wie mündliche Gerüchte und Stammtischgerede. Aber da Menschen diese im Netz in Schriftform lesen, messen sie den Aussagen Glaubwürdigkeit bei, als hätten sie es in einer Zeitung gelesen. In einer digitalen Welt gibt es aber keinen Unterschied mehr zwischen „Das habe ich gehört“ und „Das habe ich gelesen“. Eine im Internet schriftlich hundertfach geteilte Unwahrheit bleibt eine Unwahrheit – egal wie oft sie schriftlich reproduziert wird. Hier braucht es Souveränität und Medienkompetenz, um Informationen zu hinterfragen und einzuordnen. Dies ist von gesellschaftspolitisch besonderer Brisanz, weil unsere politischen Meinungsbildungsräume inzwischen zunehmend digitale Meinungsbildungsräume sind. Digitale Bildung ist also auch politische Bildung. 

Das Bedürfnis nach Bindung und Kontakt

Es sind urmenschliche Sehnsüchte, die uns ins Netz ziehen. Wir sind soziale Wesen, wir wollen nicht allein sein. Wir sind darauf angewiesen „bei den anderen“ zu sein. Dieses Bedürfnis nach Bindung, Bezug und Kontaktaufnahme liegt dem Sog zugrunde, der von sozialen Medien ausgeht.

 In der Anfangszeit der Plattform Twitter wurde diesem neuen Medium vorgeworfen, dass es doch nur Belanglosigkeiten seien, die dort verbreitet würden, keine Qualitätsinformationen. Das ist ein Missverständnis: In sozialen Medien geht es nicht in erster Linie um Information, sondern um Bindung, um Gespräch und Kontakt. Es ist eine Möglichkeit, im unübersichtlichen Lebensraum der globalisierten und digitalisierten Welt mit den anderen verbunden zu bleiben und sich einander zu versichern. Es gelingt sozialen Medien gut, eine Grundschwingung von Kommunikation und Verbindung zwischen Menschen aufrechtzuerhalten. 

Person mit Handy in der Hand, über dem Likes und Herzchen schweben
Sehnsucht nach Verbundenheit – ein Geheimnis des Erfolgs der Sozialen Medien.

Der Erfolg sozialer Medien zeigt, dass wir ein besonderes Bedürfnis nach Kontakt haben. Er bedeutet: Uns fehlt etwas. Er zeigt, dass die Menschen sich in unserer Gesellschaft in besonderem Maße entfremdet und entkoppelt fühlen. Soziale Medien geben uns den Eindruck, dieses Gefühl der Entfremdung heilen zu können, Verbindung herstellen zu können. Manchmal gelingt es, manchmal bleibt es eine Illusion. 

Das hat auf unsere digitale Gesellschaft einen direkten Einfluss, weil es uns erpressbar macht. Wer Bindung sucht, ohne sich zugleich auch gut entziehen zu können, dem kann mit Ausgrenzung gedroht werden, der ist manipulierbar. Da die meisten Plattformen privatwirtschaftliche Unternehmen sind, die Geld mit der Verweildauer ihrer Nutzer:innen verdienen, triggern sie gezielt diese sozialen Suchimpulse und die Angst vor Ausgrenzung: „Während du weg warst, hast du dies und das verpasst“ heißt es dann, und: „Deine Freunde vermissen dich“.

Die Bindungstheorie spricht von einer sicheren Bindung, wenn Menschen sich an Bezugspersonen binden können, von ihnen aber auch zeitweise getrennt sein können, ohne zu verzweifeln. Analog dazu definiere  ich Medienresilienz mit der Fähigkeit, sich auf den digitalen Raum einlassen, sich ihm aber auch souverän und selbst-bestimmt wieder entziehen zu können. Souveräne Mediennutzung bedeutet, selbstbestimmt zwischen „rein“ und „raus“, zwischen „on“ und „off“ hin- und herschalten zu können. 

Hier klaffen die Interessen der Digitalwirtschaft, deren Währung die Verweildauer ist, und das Interesse einer resilienten digitalen Gesellschaft auseinander: Mit einem souveränen Mediennutzer, der sich selbstbestimmt dem Netz wieder entziehen kann, lässt sich weniger Geld verdienen. 

Das bedeutet: Alles, was wir tun, um junge Menschen zu selbstbestimmten, glücklichen und sicher gebundenen Menschen zu machen, zahlt auf individuelle und gesellschaftliche Medienresilienz ein. Wir brauchen eine sichere Bindung, um uns dem für die wirtschaftliche Logik produzierten Sog der digitalen Medien entziehen zu können, wenn wir es wollen und entscheiden.  

Wandel der Rollen von Sender:in und Empfänger:in

Der Wunsch nach Beteiligung, Teilhabe und Gestaltungsmöglichkeit ist ein weiterer wichtiger Faktor im digitalen Raum. Wer schreibt und wer liest? Wer produziert und wer konsumiert? Diese festgefügte Welt hat sich seit Verbreitung der digitalen Medien immer weiter verschoben. Nun kann jede:r mit einem Mausklick öffentlich sichtbar werden, sprechen, schreiben und die Welt erklären. Statt wohlgeordneter Medienwelt herrscht eine ungeahnte Vielstimmigkeit, in der Klugheit und Unsinn, Wissenschaft und Verschwörungstheorie, Whistleblower:in und Kosmetikblogger:in ungebremst und ungefiltert aufeinandertreffen.

Der Begriff „Prosument“ setzt sich zusammen aus den Worten „Produzent“ und „Konsument“. Er beschreibt diese Rollenvermischung. Statt nur zu konsumieren, mischen sich Nutzer:innen in die Produktion ein, sei es durch Einspeisung selbstproduzierter Solarenergie in den Energiekreislauf oder durch das Konfigurieren eines Autos. Mit einem 3-D-Drucker ist es heute auch als Konsument:in möglich, kleine Bauteile zu drucken und auszutauschen, ohne das ganze Gerät neu kaufen zu müssen. Wissen ist Macht, und gerade diese Machtverhältnisse haben sich durch den digitalen Wandel verschoben. Wie schon Luthers deutsche Bibelübersetzung so manchen Pfarrer in Verlegenheit gebracht haben wird, so ist auch im Netz das Wissen hinterfragbarer geworden. Geschäftsmodelle, die ausschließlich auf einem   exklusiven Wissensvorsprung vor den Verbraucher:innen gründen, sind immer schwerer aufrechtzuerhalten. Alles ist anfechtbar geworden.

Auch dies hat konkrete Auswirkungen auf unsere digitale Gesellschaft: Mehr Freiheit bedeutet immer auch mehr Verantwortung. Wir alle müssen mitwirken und verantwortlich handeln. Auf der Rolle als rein passive:r Medienkonsument:in können wir uns im Netz nicht mehr ausruhen. Verantwortlichkeit, Mündigkeit, Medienkompetenz und Quellenkritik sind in einer digitalen Gesellschaft um ein Vielfaches wichtiger geworden als in vordigitalen Zeiten. Während früher die Wut von so manchem vor dem Fernseher auf dem Sofa folgenlos verpuffte, kann heute jede:r der eigenen Wut ungebremst mit Hasskommentaren Luft machen und selbst aktiv in das gesellschaftliche Diskursgeschehen eingreifen. Etwas produzieren kann eben auch destruktiv wirken, wenn man sich dieser Rolle nicht verantwortlich annimmt. 

Narratives & Prozesshaftes

 In der digitalen Welt gibt es immer mehr Werke und Produkte, die nie „fertig“ sind, sondern sich in einem ständigen Veränderungs- und Verbesserungsprozess befinden. Die Open-Source-Kultur in der Software lebt von dem Grundgedanken, dass ein Codewerk erst in der Feinabstimmung durch die Rückkopplung mit den Nutzer:innen nach und nach vollendet wird. Open Source Software ist im „permanent beta“-Zustand, ist nie fertig, wird immer weiter verbessert und angepasst. Damit entsprechen sie in der Entstehung den Volksmärchen, die auch keine einzelnen Autor:innen haben, sondern in einem kollektiven Prozess gemeinsamer Weiterbearbeitung entstehen. Auch ein Wikipedia-Artikel ist nie „fertig“, er findet seine Form immer neu, je nach Wissensstand der Autor:innen und je nachdem, was draußen in der Welt passiert. Genau diese Veränderbarkeit und Prozesshaftigkeit ist der Grund, weshalb sich eine partizipative Online-Enzyklopädie wie Wikipedia überhaupt gegen die Meisterinnen der statischen Druckkultur wie die Brockhaus Enzyklopädie und die Encyclopaedia Britannica durchsetzen konnte. Statische Formate und Produkte sind in einer Welt, die sich immer schneller verändert, im Nachteil. Der Veränderungsdruck unserer Welt ist also ein Grund dafür, dass sich flexible, narrative und anpassungsfähige digitale Formate durchsetzen. 

Wunsch nach Teilen, Mitteilen, Austausch

„This is for everyone“, sagte Tim Berners-Lee, als er 1989 am CERN das Hypertextprotokoll World Wide Web entwickelte. Den Code des World Wide Web machte er öffentlich und weltweit frei verfügbar, anstatt ihn an einzelne Interessenten zu verkaufen. Wäre das damals anders entschieden worden, hätten wir heute nicht das www wie wir es kennen, in dem sich jede:r weltweit mit jedem verbinden kann. Wir hätten einzelne Wissenssilos. Wissenschaftsbetrieb, Wirtschaft, Militär, Regierungen und Zivilgesellschaft hätten je ihre eigenen Netzwerke betrieben, mit nur wenigen Querverbindungen. Mit seinem Hergeben und Freigeben verkörperte Berners-Lee einen tiefen Impuls, der in der ursprünglichen digitalen Kultur verankert ist: Den Wunsch danach, zu teilen und Wissen auszutauschen. Auch Couchsurfing und andere zivilgesellschaftliche Projekte wie Mundraub.org oder Wikipedia verfolgen denselben Grundgedanken. 

Demgegenüber stehen wirtschaftliche Interessen von Plattformen, die privatwirtschaftlich und nicht gemeinwohl-orientiert sind, wie Airbnb, Google, Facebook, YouTube, Instagram. Sie sind zwar kostenlos und laden zum Teilen von Inhalten ein, nutzen aber den Wunsch zu teilen, sich auszutauschen und mitzuteilen zum Generieren von wirtschaftlichen Gewinnen durch Werbeeinnahmen und Datenverwertung. So wird der eigentlich soziale Impuls umgelenkt und monetarisiert. Der Sog ins Digitale wird gezielt verstärkt, um es den Nutzer:innen zu erschweren, medienresilient zu agieren – sich also der Plattform souverän wieder zu entziehen. 

Medienresilienz in Bildung und Gesellschaft

Was folgt nun aus diesen Erkenntnissen? Wie lassen sie sich nutzen, um Rahmenbedingungen für einen gesellschaftlich verträglichen digitalen Wandel zu schaffen? An unserem Umgang mit dem digitalen Wandel können wir unsere Zukunftsfähigkeit und unsere Fertigkeiten schulen, den Veränderungen und Brüchen in einer globalisierten, sich immer schneller verändernden Welt konstruktiv zu begegnen. Für eine gute Zukunft brauchen wir eine resiliente digitale Gesellschaft. 

fünf Jugendliche die fröhlich in die Kamera schauen und ein Herz bilden
Alles, was wir tun, um junge Menschen selbstbestimmt, glücklich und sicher gebunden zu machen, zahlt auf individuelle und gesellschaftliche Medienresilienz ein.

Wichtig ist es dafür, sich der menschlichen Bedürfnisse gewahr zu sein, die uns ins Netz ziehen. Diese gilt es anzuerkennen und ernst zu nehmen – und gute Antworten darauf zu finden. Wir alle suchen nach Glück – und Glück liegt in Bindung, Verbundenheit mit dem sozialen und gesellschaftlichen Umraum und in dem Gefühl von Kohärenz und Stimmigkeit in der Welt.

Die Frage nach dem Glück bedeutet heute auch: Wie können wir Bindung in einer digitalen Welt ermöglichen?

Wie können wir uns einlassen und souverän und selbstbestimmt wieder entziehen? Wie können wir jungen Menschen helfen, das zu tun? 

Ein guter gesellschaftlicher Nährboden, soziale Kohäsion und Gemeinsinn werden uns helfen, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Herausforderungen zu meistern. Sich die Digitalisierung zu eigen zu machen ist ein wichtiger Schritt dazu. Große und kleine, öffentliche, private und kirchliche Bildungseinrichtungen, Kommunen, Einrichtungen der Wohlfahrt und zivilgesellschaftliche Gruppen können hier für die Gesellschaft einen wertvollen Beitrag leisten.

Gestalten

Was können wir also tun? Hier eine Zusammenfassung der Gestaltungsräume, die sich in meinen Augen ergeben: 

  • Den sozialen Suchimpuls anerkennen 
  • Sehnsucht nach Bindung und nach Zugehörigkeit zu einer Geschichte/Narration gesellschaftspolitisch ernst nehmen 
  • Gute Bindungen fördern, sowohl individuell wie gesellschaftlich 
  • Das Bildungssystem auch als Bindungssystem verstehen  
  • Kohärenz und Einbettung ermöglichen  
  • Die Menschen als Gestalter:innen und nicht als Konsument:innen verstehen 
  • Junge Menschen ermächtigen, sich als Gestalter:innen statt als Konsument:innen zu verstehen 
  • Selbstwirksamkeit, Teilhabe und Verantwortung fördern 
  • Den konstruktiven Umgang mit Veränderungen üben 
  • Gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken 
  • Schüler:innen zu mündigen und aufgeklärten Gestalter:innen der digitalen Gesellschaft machen 
  • Immer wieder den Spagat zwischen Intimität und Globalisierung üben 
  • Den Mut haben, die Welt in ihrer Komplexität zu sehen 
  • Zivilgesellschaften stärken 
  • Den öffentlichen Raum als Sozialraum stärken, auch den zivilgesellschaftlichen digitalen öffentlichen Raum 
  • Rituale der Vergemeinschaftung und der Gemeinschaftlichkeit pflegen 
  • Mündigkeit und Medienresilienz stärken 
  • Kontroverse gesellschaftliche Diskurse aushalten und produktiv führen 
  • Thema Digitalisierung nicht ausschließlich als technisches oder wirtschaftliches Thema betrachten, sondern auch die Menschen und die Kulturtechnik in den Blick nehmen 
  • Digitalisierungsprozesse soziokulturell flankieren 
  • Medienresilienz an Bildungseinrichtungen und Schulen etablieren 
  • Erkenntnisse über Institutionen hinweg austauschen und teilen