Magazin für die pädagogische Praxis

Fachbeiträge

Klima Demonstration bei der viele menschen mit bunten Schildern auf der Straße sind. Im Vordergrund steht ein Mann, und eine Frau mit Megafon. Foto: Jörg Farys

Finger in die Wunde

Fridays for Future: Eine Generation im Aufbruch

Der miserable Zustand der Umwelt hat junge Leute schon seit Jahren bewegt, doch erst seit 2019 sind der Klima- und Umweltschutz zu Top-Themen geworden. Das Engagement unter den Jugendlichen ist groß und mit Fridays for Future entstand eine frische Protestbewegung, die die Debatte um die Klimakrise ins Scheinwerferlicht rückte und den schlechten Ruf einer unpolitischen Jugend widerlegte. Die FFF-Gründerin Greta Thunberg, aber auch Aktivistinnen wie Luisa Neubauer oder Vanessa Nakate sind als Gesichter der erfolgreichen Bewegung zu Vorbildern avanciert und inspirieren vor allem auch junge Frauen.

Die große Grünfläche vor dem Bundestag ist beinahe menschenleer, und dennoch ist das Gras kaum zu sehen. Dort, wo sonst viele Touristen auf Einlass warten oder sich erschöpft auf die Wiese setzen, liegt Papier. Es bildet einen gigantischen Rahmen um eine Botschaft, die nur aus der Luft zu erkennen ist: #FightEveryCrisis. Aktivistinnen und Aktivisten haben die rund 15.000 Plakate nach Berlin geschickt, damit sie dort am 24. April 2020 Teil des globalen Klimastreiks werden, der wegen der Corona-Pandemie überwiegend im Netz und an ausgewählten analogen Orten stattfinden musste. „Climate Justice” fordern die einen Transparente, einen „Klimarettungsschirm” andere. Auf Social-Media-Plattformen posten User ihre eigenen Botschaften: „Impf mich gegen Dürre” fordert ein Baum. „Save us” betteln gemalte Schneemänner, die von einer jungen Frau in die Kamera gehalten werden.

An diesem Tag wurden allein auf Twitter 40.000 Tweets mit den Hashtags #NetzstreikFürsKlima und #FightEveryCrisis veröffentlicht. 87.000 Menschen trugen sich allein in Deutschland in digitale Streikkarten ein. In den ersten 30 Minuten sammelte der YouTube-Livestream von Fridays For Future vor dem Bundestag 19.000 Views. „Schulstreikwoche 88”, tweetete Greta Thunberg, und: „Wir hatten einen globalen Klimastreik geplant, an dem Millionen teilnehmen. Aber in einer Notsituation muss man sich anpassen und sein Verhalten ändern. Die Klimakrise geschieht noch immer und wir müssen jede Krise bekämpfen.”

Während ab März 2020 die selbsternannten „Hygiene-Demos” auf offener Straße stattfanden, bei denen Menschen, geleitet von Verschwörungsfantasien, gegen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus demonstrierten, blieb FFF rational, rücksichtsvoll und zuhause. Der Netzstreik fürs Klima wird an diesem Tag zur bis dahin größten Demonstration im Internet.

Die Hoffnung der Unschuldigen

Der Aktivismus der Protestierenden und ihre Angst um die Zukunft sind weiterhin akut. Hoffnungslos indes sind die Jugendlichen nicht. Auch eine Studie des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) unterstreicht dieses Bild. Das ipb hatte im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes im März 2019 Protestierende auf Fridays for Future-Demonstrationen in Berlin und Bremen befragt.1 Nur rund 25 Prozent von ihnen gaben an, sie seien hoffnungslos, wenn sie an den Klimawandel denken. Alle anderen Wahlmöglichkeiten – wütend, besorgt, beunruhigt, ängstlich und frustriert – erhielten mehr Zustimmung. Die Demonstrierenden ziehen durch die analogen wie digitalen Straßen, weil sie an ihre Wirkmächtigkeit glauben: Jeder und jede zweite der jungen Leute ab 14 Jahren glaubt, mit Engagement die Politik in Deutschland beeinflussen zu können. Über 90 Prozent aller Teilnehmenden – auch die Erwachsenen – wollen mit ihrer Demonstration die Politik unter Druck setzen, damit sie etwas ändert. Besonders die Jugendlichen möchten schnelle, konkrete und deutliche Schritte sehen, um die Klimakrise zu überwinden. Denn wem nützt braves Lernen, wenn die eigene Zukunft absehbar mit einer Vielzahl von existentiellen Einschränkungen verbunden ist, wenn man zwangsläufig und weitgehend unverschuldet betroffen ist und Zeugin oder Zeuge eines rasanten destruktiven Weltklimawandels wird.

Laut der ipb-Studie ist knapp die Hälfte höchstens 19 Jahre alt, 70 Prozent waren jünger als 25 Jahre – und das, obwohl Menschen unter 14 Jahren aus Datenschutzgründen nicht befragt wurden. Der Wert liegt sehr viel höher als bei anderen großen Protestformen der letzten Jahre. Bei Pegida macht diese Altersgruppe nur rund 15 Prozent aus, und selbst bei den G20-Demonstrationen waren es nur knapp über 10 Prozent. Das zeigt, dass der Kampf gegen die Klimakatastrophe besonders für junge Menschen ein politisches und gesellschaftliches Kernanliegen ist.

Proteste während Corona

Von ihren Protesten lassen sich die Jugendlichen auch nicht durch eine Pandemie ablenken. Schon vor dem Netzstreik organisieren sie Webinare, in denen sich Menschen vernetzen können, Wissen erlangen, sich austauschen während einer Zeit der weitreichenden Isolation, die beinahe alle Energie verzehren müsste. Doch FFF zeigt sich weiterhin kreativ und kämpferisch. Anfang Juni 2020 treten sie trotz der Pandemie dafür ein, dass das von der Bundesregierung diskutierte Konjunkturprogramm möglichst umweltfreundlich gestaltet wird, dass es keine Abwrackprämie enthält, dass es dem Klima ebenso wie den Menschen hilft. Dennoch bleibt bei den Demonstrationen im Internet die mediale Aufmerksamkeit im Vergleich zu der bisherigen Eventberichterstattung bei analogen FFF-Demonstrationen mäßig. Dem Protest fehlt der Körper als Instrument der Meinungsbekundung. Singend durch die Straßen zu ziehen und sie damit zumindest für einen Moment zu blockieren, hat einen dramatischeren und stärkeren Effekt, als auf Social-Media-Plattformen Hashtag-Ecken zu erschaffen und sie zu bespielen.

Stream statt Straße – Fridays for Future ließ sich auch in der Corona-Pandemie nicht unterkriegen und verlegte schon im April 2020 den Protest ins Netz mit Livestreams und Plakataktion. (Screenshot https://www.klima-streik.org/)

Ortsgruppen und übergeordnete Organe von FFF müssen zusammen mit der Basisbewegung Antworten darauf finden, wie sie ihre Proteste künftig gestalten wollen. Eine Gefährdung der Bevölkerung, insbesondere der Risikogruppen, das haben viele der Demonstrierenden bereits früh deutlich gemacht, ist für sie keine Option. Sie müssen – zumindest während der Zeit der akuten Bedrohung durch Covid-19 – andere Protestformen finden, neue Wege, die sozialen Medien und das Internet zu bespielen, damit sie nicht nur die erreichen, die bereits sensibilisiert und Teil der Bewegung sind, sondern auch jene, die sich bisher nicht mit dem Thema Klimawandel auseinandergesetzt haben. Doch Aufmerksamkeit ist nicht das einzige Problem, mit dem sich FFF befassen muss. Zum einen lässt die Faszination und Wirkung von Schulstreiks auf Dauer nach, besonders, wenn die Schule in weiten Teilen digital stattfindet. Ebenso wird sich das hohe Mobilisierungspotential für punktuelle globale Klimastreiks nicht ständig aufrechterhalten lassen. Auch am Netzstreik nahmen weit weniger Menschen teil als die 1,4 Millionen, die im September 2019 allein in Deutschland zum globalen Klimastreik gekommen waren.

Hate Speech

Zum anderen hetzen Individuen und Organisationen aus der rechten Szene gegen Greta Thunberg und andere Aktivistinnen und Aktivisten. In einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2019 des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft2zu Erfahrungen mit Hate Speech bei Menschen unterschiedlichen Alters gaben 73 Prozent aller Befragten zwischen 18 und 24 Jahren an, bereits mit Hasskommentaren konfrontiert gewesen zu sein. Ganze 17 Prozent in dieser Altersgruppe waren sogar persönlich betroffen – mit schwerwiegenden Auswirkungen: Besonders junge Menschen sind länger und intensiver online und reagieren dadurch noch stärker auf Hate Speech: Die Hälfte berichtet von emotionalem Stress, beinahe ein Drittel von Depressionen. Und auch die Mitlesenden sind negativ betroffen. Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, als Reaktion auf Hate Speech seltener politische Meinungen zu äußern, etwas weniger als 50 % beteiligte sich seltener an Diskussionen im Netz. Das gefährdet online wie offline die pluralistische Gesellschaft unserer Demokratie und bedeutet für Betroffene von Hate Speech, zu denen besonders häufig Menschen mit (Im)Migrationsgeschichte und politisch aktive Menschen zählen, noch weniger Rückhalt zu erfahren.

Auch die Unterstützerinnen und Unterstützer von FFF sind Hate Speech ausgesetzt. Um diesem Hass entgegenzutreten und Fake News und Verschwörungsfantasien einordnen und entkräften zu können, braucht es ein hohes Maß an Medienkompetenz und Übung in der Gegenrede – der Counter Speech – nicht nur bei den Aktivisten und ihrer Peergroup, sondern auch bei Außenstehenden. Auf diese Weise können auch die Älteren das weitere Engagement der „Klimajugend” unterstützen – im Ernstnehmen und der Reflexion der Anliegen, in emanzipatorischer und diversitätsorientierter Partizipation, im Zugeständnis und der Stärkung von Autonomie und im Schutz vor rechter Hetze und Bedrohungen.

Idol Greta Thunberg

Besonders von Angriffen betroffen ist die FFF-Gründerin Greta Thunberg, die trotz des allgemeinen Graswurzelcharakters der Bewegung vielen Protestierenden als Idol vorangeht. Die damals 15-Jährige initiierte am 20. August 2018 den ersten „Skolstrejk för klimatet“. Sie rief den Hashtag #fridaysforfuture ins Leben und damit nicht nur Jugendliche auf, ihre Mitstreitenden für die Zukunft des Planeten zu werden. Millionen von Schülerinnen und Schülern, aber auch Erwachsene schlossen sich ihr weltweit an. Es ergaben sich Schulterschlüsse mit Netzwerken und neuen Gruppen wie den Scientists, den Parents, den Writers oder Artists for Future. Auch wenn Fridays For Future in Deutschland keine offizielle Partnerschaft mit Protestgruppen wie Ende Gelände oder Hambi bleibt einging, so unterstützten sich die Gruppen doch gegenseitig. Auch gibt es Beziehungen zu der radikaleren Extinction Rebellion, die mit zivilem Ungehorsam wie der Besetzung öffentlicher Plätze etwas mehr Sand in das gesellschaftliche Getriebe streuen als die gemäßigten FFF.

Thunberg hat Mobilisierungspotential: Zwar schrumpft der Einfluss, den sie auf das Engagement der Aktivisten hat laut internationalen Erhebungen 2020. Doch noch 2019 ergab die ipb-Studie, dass rund 45 Prozent der Schüler auch wegen Thunberg an den FFF-Demonstrationen in Berlin und Bremen teilgenommen hatten – obwohl Thunberg keinen dieser Proteste besucht hatte. Besonders viel Einfluss hatte Thunberg auf die Mädchen und Frauen: Mehr als die Hälfte von ihnen folgte Thunberg, wohingegen weniger als ein Drittel der Jungen und Männer angaben, in ihrer Demonstrationsentscheidung von der FFF-Gründerin beeinflusst worden zu sein.

„Wer bin ich?”, „Wer und wie will ich sein?”, „Was halten meine Freunde, meine Familie, mein Umfeld von mir?” – diese Fragen haben vor allem auf junge Menschen einen großen Einfluss. Im Erwachsenwerden lösen wir uns von unserer kindlichen Identität und nicht selten auch von elterlichen oder gesellschaftskonformen Normen und Lebensweisen. Die kritische Auseinandersetzung mit der Erwachsenenwelt und dem Weltgeschehen ist ein zentraler Bestandteil dieses Prozesses, indem wir versuchen unsere Rolle in der Gesellschaft zu finden – und sie gegebenenfalls sogar neu zu kreieren. Greta Thunberg hat das getan und wurde so zum Idol, an dem sich Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, orientieren können, an dem sie Halt finden, und das sie bei ihrer Persönlichkeitsfindung inspiriert.

Dabei lässt sie sich nicht dem leistungs- und aufstiegsorientierten Idoltyp zuordnen, den Sportstars wie Jérôme Boateng oder Malaika Mihambo häufig verkörpern. Thunberg ist nicht generationenübergreifend geschätzt, weil sie schnell rennt. Auch ist Thunberg kein tragisches Idol wie die Sängerin Amy Winehouse, der schwedische DJ Avicii oder Goethes Werther. Thunberg erlangte ihren Status als Vorbild nicht durch das Zerbrechen am Klimawandel, sondern durch ihre stoische, kämpferische Haltung dagegen. Ihren ersten Schulstreik vollzog sie alleine, und trotz der Größe der Bewegung ist sie nicht allgemein gesellschaftlich akzeptiert. Thunberg wird angefeindet von rechten Trollen, aber auch von den Rechten und Marktliberalen in Publizistik, Wirtschaft und sogar Politik. Denn sie stellt sich gegen den luxuriösen Lebensstandard, den viele als ein Grundrecht begreifen. Sie hinterfragt und bekämpft die gesellschaftlich akzeptierten Lebensweisen und deren Auswirkungen, greift Eliten an und macht den Menschen schmerzlich bewusst, dass sie es sind, die die Zukunft des Planeten verbauen. Ihr Finger in der Wunde macht Thunberg zum rebellischen Idol. Dabei ist sie eine faszinierende Mischung aus Unangepasstheit und Erfolg, die durch die Tragik des voranschreitenden Klimawandels und Thunbergs stetem Kampf noch glaubhafter wirkt – auch durch die Darstellung in den Medien.

Wie divers ist der Medienliebling FFF?

Thunberg, auch heute noch von manchen Medien anheimelnd und verniedlichend nur beim Vornamen genannt, bekam auch deswegen so viel mediale Aufmerksamkeit, weil sie als Protagonistin diente, anhand derer die Presse intensiver und persönlicher über Klimawandel und Maßnahmen dagegen berichten konnte als in den Jahren zuvor. FFF lieferte den Medien eine frische, fröhliche Protestbewegung, die frech die Schule bestreikte, sich dem Katastrophenszenario Klimawandel ohne Gewaltprotest entgegenstellte. Thunberg war ihr heroisches Idol: kindlich, doch (selbst)bestimmt. Auch mediale Attacken, überwiegend von konservativen Medien, gegen Thunberg passen in diese Erzählung und erhöhen den medialen Wert der jungen Frau: keine Heldin ohne Gegner und Gegnerinnen.

Quelle: www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/2019_ipb_FridaysForFuture.pdf

Auch die FFF-Aktivistin Luisa Neubauer, von der Presse in den Stand einer „deutschen Greta” erhoben, bekommt viel mediale Aufmerksamkeit. Doch ihre Darstellung hat weniger Erfolg bei der Bevölkerung. Während Thunberg zum Vorbild wurde, sitzt Neubauer zwar in Talkshows und schreibt seit September 2019 eine Kolumne für den Stern, den Vorbildcharakter und die Ikonisierung Thunbergs erreicht sie jedoch nicht – und ist auch in den eigenen Reihen umstritten. Anfang 2020 wurde bekannt, dass Neubauer weniger Redebeiträge auf Veranstaltungen wahrnehmen soll. Die Sprecher von FFF wollen verstärkt die Diversität des Protestes zeigen – und die ist bei FFF nicht immer gesichert.

Unterschiedliche Studien und Analysen zeichnen ein homogenes Bild vom Protest: Zwar ist das Alter der Demonstrierenden laut ipd-Studie heterogener als im europäischen Vergleich, und der Anteil von Mädchen und Frauen liegt mit mehr als 50 Prozent weit über dem Wert anderer großer Proteste wie Stuttgart 21 (40 Prozent) oder Pegida (weniger als 20 Prozent). Doch manche Gruppen sind stark überrepräsentiert. Fast die die Hälfte der demonstrierenden Schülerinnen und Schüler gibt an, mindestens ein Elternteil mit Hochschulabschluss zu haben. Bei Erwachsenen ab 20 Jahren liegt der Anteil sogar bei fast 60 Prozent. Diese Werte sind doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Unter den Schülern gaben sogar 90 Prozent an, zur oberen oder unteren Mittelschicht zu gehören. Über 97 Prozent aller Demonstrierenden wurden in Deutschland geboren. FFF ist bisher nicht nur eine Bewegung der Jugend, sondern auch eine Bewegung des deutschen, überwiegend weißen Bildungsbürgertums – aber mit Politisierungspotential.

Die Jugend als Vorbild

FFF hat viele junge Menschen das erste Mal in ihrem Leben dazu gebracht, ihre grundlegenden demokratischen Rechte zu nutzen und auf die Straße zu gehen. Besonders für Minderjährige ist das eine der wenigen Möglichkeiten, sich in politische Prozesse aktiv einzubringen. FFF kann so auch Vorbild sein und zum Wachstum anderer großer junger Proteste beitragen. Dass die Abwrackprämie für Diesel nicht im Konjunkturpaket der Bundesregierung enthalten ist, könnte auch teilweise FFF zugeschrieben werden. Und auch das Verhalten der Bevölkerung hat sich verändert: Immer mehr Menschen verzichten auf Flugreisen, kaufen regional, achten auf den ökologischen Fußabdruck von Nahrung und Kleidung, fahren mit dem Rad. Extreme Dürreperioden werden nicht mehr nur mit dem Bild aufgesprungener Erdböden assoziiert, sondern mit den Gesichtern von Klimaaktivisten wie der Uganderin Vanessa Nakate. Gleichzeitig prägen Anführerinnen wie Thunberg, Nakate und auch Neubauer das Bild eines neuen Protestes, bei dem Frauen das Megafon in der Hand halten. Ihr Auftreten kann für viele einen starken empowernden Faktor innehaben.

Vor allem aber bringt FFF Sorgen und Ängste zum Ausdruck, die eine weltweite akute und offensichtliche Berechtigung haben. Sie beschweren sich über Ältere, auch Alternative, die nicht zum Wohl der Jüngeren handeln oder aber mit ihrem Engagement bisher nicht genug ge- und bewirkt haben und die sich nun schmerzhaft ihren eigenen Verhaltensweisen stellen müssen. Sie legen den Finger in eine akute Wunde, zu deren Heilung es mit ein paar Pflastern nicht getan ist. Das klingt nach Generationenaufbruch – einem längst überfälligen angesichts des immer deutlicher spürbaren Klimawandels. Dieser Aufbruch beschreibt eine kollektive Stimmung einer gleichgestimmten Menge, die dabei ist, sich zu einer weltweiten sozialen Bewegung zu formieren.


Anmerkungen
  1. 1. Vgl. Sommer, M.; Rucht, D.; Haunss, S.; Zajak, S. (2019) Fridays for Future. Profil, Entstehung und Perspektiven der Protestbewegung in Deutschland. Ipb Working Paper www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/2019_ipb_FridaysForFuture.pdf
  2. 2. Vgl.: Geschke, D.; Klaßen, A.; Quent, M.; Richter, Ch. (2019): #Hass im Netz: Der schleichende Angriff auf unsere Demokratie. Studie online unter: www.idz-jena.de/fileadmin/user_upload/_Hass_im_Netz_-_Der_schleichende_Angriff.pdf