Magazin für die pädagogische Praxis

Fachbeiträge

goldene Luftballons in Form der Zahl 30 vor goldenem Hintergrund, am unteren Rand des Bildes ein Blumenstrauß

Erinnerungen für die Zukunft

Statements und Glückwünsche

Pionier der pädagogischen Film-, Video-, Radio- und Computerarbeit

30 Jahre jfc – meinen ganz persönlichen Dank und herzlichen Glückwunsch an alle Aktiven des jfc Medienzentrums! Als ich vor fast genau so vielen Jahren bei der BKJ, dem Dachverband der kulturellen Kinder- und Jugendbildung, anfing, gewann das Thema Medienbildung gerade an Bedeutung und das jfc Medienzentrum – es hieß noch Jugendfilmclub Köln – war eines der Pioniere im Feld der Förderung von Film-, und Video-, Radio- und Computerarbeit. Schon damals war das jfc eine Einrichtung, die die Förderung von Medienkompetenz als jugend-, bildungs- und kulturpolitische Schlüsselaufgabe anmahnte und Qualitätsstandards setzte: für medienpädagogische Aktivitäten im Sozialraum und in Kooperation mit Bildungs- und Kultureinrichtungen vor Ort, für zielgruppenspezifische Angebote z. B. mit MigrantInnen, für Innovationen im Bereich der Projektarbeit mit neuen Medien und in der Qualifizierung von MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendarbeit. Durch gemeinsame Veröffentlichungen und Veranstaltungen von jfc und BKJ, zum Beispiel „Zum kreativen Umgang mit dem Computer“ bereits Ende der 80er Jahre, profitierte die kulturelle Medienbildung auch auf Bundesebene von dem Ideenreichtum und dem Erfahrungsschatz der MitarbeiterInnen des jfc Medienzentrums..

In einer Lebensrealität junger Menschen, die heute deutlich stärker als in den Anfängen des jfc von einer reich konturierten medialen Umgebung – vom Videospiel über Mobiltelefon, Radio, Fernseher und Kamera bis hin zu Computern – gekennzeichnet ist, gewinnt der souveräne Umgang mit audiovisuellen Kommunikations- und Kulturtechniken an Bedeutung.

Ich wünsche mir auch in Zukunft ein leistungsfähiges jfc Medienzentrum, welches die Förderung von Medienkompetenz – im kreativen und im rezeptiven Bereich – mit einem umfassenden Bildungskonzept verknüpft. Den Anspruch und die Kompetenz des jfc, Medienbildung an für mich wichtigen gesellschaftspolitischen Zielen der Selbstbestimmung, der gesellschaftlichen Partizipation und Mündigkeit auszurichten, habe ich immer besonders geschätzt und hoffe, dass die kulturelle Kinder- und Jugendbildung davon auch weiterhin profitieren kann.

Hildegard Bockhorst, Geschäftsführerin der BKJ – Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, Remscheid

Weiterentwicklung trotz Postadolezenz

30-Jährige sind in der Postadoleszenz, wie unser verstorbener Freund und Kollege, der Medienpädagoge Dieter Baacke sagen würde. Für uns in der Akademie Remscheid ist das jfc Medienzentrum immer noch der „Jugendfilmclub Köln“ – bis in die erhaltene Abkürzung hinein. Der Jugendfilmclub Köln – und eben heute das jfc Medienzentrum war von Anfang an ein wichtiger Partner der Akademie Remscheid und des Kinder- und Jugendfilmzentrums in Deutschland. In den 80-er Jahren haben wir gemeinsame Jahrestagungen unter dem Rahmenthema „Medienpädagogische Modelle“ veranstaltet, in denen die aktive Filmarbeit des jfc mit Kindern und Jugendlichen beispielhaft vorgestellt wurde. Damals, als pädagogische Räume überwiegend noch als Medienschutzzonen behandelt wurden, war das alles neu, und die jfc-Kollegen ernteten stets große Bewunderung – mit einer gehörigen Portion Skepsis gemischt.

Seitdem hat sich unglaublich viel verändert. Heute gilt unbestritten, dass Medienkompetenz eine Schlüsselrolle in der Entwicklung und Bildung von Kindern und Jugendlichen einnimmt. So ist zu begrüßen, dass eine postadoleszente Einrichtung wie das jfc Medienzentrum nicht aufgehört hat, sich selbst stetig weiterzuentwickeln. Mit seinem hoch qualifizierten Angebot trägt es dazu bei, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich in unserer durch Medien geprägten Welt souveräner behaupten können. Mehr geht eigentlich nicht. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch – und auf viele weitere Jahre einer produktiven Zusammenarbeit.

Prof. Dr. Max Fuchs, Direktor der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung e.V., Vorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung und des Deutschen Kulturrates

Triviales nicht verdammt

Als der Jugendfilmclub 1976 seine Arbeit aufnahm, gab es Printmedien, Kino, Radio, Schallplatten, Super-8- Heimkino und drei Fernsehprogramme. Ich studierte damals Deutsch für das Lehramt in Bonn und hatte immerhin schon einen Hauptseminarschein zum Thema Wie funktioniert die Werbung? erworben. Ansonsten wurde Triviales, also das, was die Menschen tatsächlich beschäftigte, im Studium weitgehend ignoriert. Man kannte es nur, wenn man selber heimlich mal einen Blick zum Beispiel in Sexpostillen wie Praline oder Neue Revue warf. Das Fernsehen war öffentlich-rechtlich weichgespült, und alles andere Triviale hätte man suchen und bezahlen müssen. Deshalb hat man heute den Eindruck, die Medienkultur sei damals noch in Ordnung gewesen. Zwar wurden die Bilder in den Illustrierten immer freizügiger, aber das passte durchaus zum Zeitgeist, der noch sehr von der 68-Generation geprägt war. Dass Medien als Massenbeeinflussung Gegenstand der schulischen und außerschulischen Bildung sein sollten, war damals nicht gerade eine Standartforderung der Pädagogik oder der Politik. Gratulation daher für den Jugendfilmclub, der mit Überzeugung und guten Ideen eine sympathische und effektive Medienpädagogik verfolgte, die das Triviale nicht verdammte, sondern die Jugendlichen ernst nahm und einen kompetenten, konstruktiven Umgang mit Medien anstrebte. Dies ist angesichts der heutigen Medienflut notwendiger denn je.

Joachim von Gottberg, Geschäftsführer der freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen

Impulsgeber für die zielgruppenorientierte Filmarbeit

Seit nunmehr 30 Jahren steht das jfc für qualifizierte medienpädagogische Arbeit für und mit Kindern und Jugendlichen, wobei die Vermittlung von Kompetenzen zum selbstbestimmten, kreativen Umgang mit Medien nach meiner Einschätzung immer im Vordergrund stand. Am Anfang vor allem für die Mitgliedseinrichtungen in Kölner Raum, ist das jfc, als anerkannter Träger der freien Jugendbildung, inzwischen zu einer festen Größe mit landesweiter Bedeutung geworden.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als das jfc den bundesweit größten 16mm Abspielring für seine Mitgliedseinrichtungen organisierte. Schon in dieser Zeit war der Filmclub Ideen- und Impulsgeber für die zielgruppenorientierte Filmarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Heute, knapp 20 Jahre später wissen die meisten schon gar nicht mehr, dass es so was mal gegeben hat und schieben lässig eine DVD in den Recorder.

Der Filmclub stellte sich den Herausforderungen der sich veränderten Medienlandschaft. Er ist heute wichtiger Dienstleister für die Kinder- und Jugendarbeit. Das Spektrum der Arbeit umfasst Fortbildungen, Beratung und praktische Hilfen, fachliche und technische Serviceleistungen sowie die Konzeption, Durchführung und Auswertung von Modellprojekten.

Ich wünsche Euch für die Zukunft den langen Atem und die Unterstützung die notwendig ist, um auch weiterhin auf neue Herausforderungen kreativ reagieren zu können.

Günther Kinstler, Leiter des Internationalen Kinderfilmfestivals Lucas in Frankfurt war von 1986 – 1988 pädagogischer Mitarbeiter im jfc

Langjährige, freundschaftliche Zusammenarbeit

Erstmals in Kontakt mit dem zu der Zeit noch Jugendfilmclub Köln e.V. genannten Verein kam ich, als ich in Oberhausen das Jugendfilmfestival Filmothek der Jugend leitete und die Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW e.V. erstmals eine hauptamtliche Bildungsreferentenstelle besetzen konnte. In den Vorjahren hatte ich die aktive Videoarbeit in meiner Stadt organisiert. In Hamburg, Freiburg, Essen, Köln und vielen anderen Städten der Bundesrepublik waren solche Initiativen der aktiven Medienarbeit entstanden und organisierten vor allem Video- und Film-, später auch Radioprojekte.

Als zunächst loser Zusammenschluss dieser Initiativen in NRW war die LAG LM gegründet worden, in der sich Einzelpersonen und Medieninitiativen zusammenschlossen, um den lokalen Einrichtungen und Initiativen auch überörtlich Gehör zu verschaffen. Richtig Fahrt erhielt dieser Zusammenschluss aber erst, als es mit Unterstützung des Jugendfilmclub Köln, der sich nahezu zeitgleich mit der LAG LM gegründet hatte, gelang, eine erste hauptamtliche Bildungsreferentin bei der LAG LM zu beschäftigen. Natürlich lag es dann auch nahe, die Geschäftsstelle der LAG in Köln zu haben. Viele gemeinsame für die Medienarbeit des Landes äußerst erfolgreiche Jahre war die LAG LM dann Untermieterin des JfC Köln e.V. am Hansaring. Dass sich aus dieser Nähe unzählige gemeinsame Anknüpfungspunkte und Medienprojekte ergeben haben und auch weiter ergeben, liegt auf der Hand. Für diese langjährige, freundschaftliche Zusammenarbeit und die dabei erfahrene Unterstützung danke ich gerade aus Anlass des Jubiläums des jfc besonders herzlich.

Das heutige jfc Medienzentrum ist eine der wichtigsten und Medieninitiativen des Landes und nicht damit zuletzt auch der LAG LM. Gemeinsam werden wir noch eine Vielzahl von Medienprojekten mit und für die jungen und älteren Bürgerinnen und Bürger unseres Landes gemeinsam und Hand in Hand realisieren. Alles Gute

Hans-Dietrich Kluge-Jindra, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW e.V.

Valuable partner in transnational projects

Mira Media wants to congratualate jfc on ist 30 years anniversary jfc has been a valuable partner to Mira Media for many years. We cooperated with jfc in quite a few successful media education projects such as the Face-to-Face project, CREAM and at present the Roots & Routes projects. Jfc played an important role in all of these transnational projects because of its professionalism and its specific expertise. Jfc developed innovative methods and skills to encourage and empower youngsters to participate fully in the society by using the possibilities of the new media environment. The project Wahlkanal is a good example of this approach. While the CREAM project and jfc’s participation in Generation M was much more directed in interesting youngsters also professionally in the media industry. Mira Media and other partners in Europe learned a great deal from jfc and adapted quite a few of its methods and projects to their countries. Jfc as a media education organization is a model for other countries in Europe, as it anticipates adequately to the needs of the changing intercultural (media) environment and the interests of the younger generation. Mira Media wishes jfc a lot of success in developing their plans for the next 70 years and hopes to continue to be a trusted partner in the coming exiting period.

Ed Klute, Mira Media, Utrecht

Was war denn so los vor 30 Jahren?

Einige herausragende Punkte des Jahres 1976 – neben der Gründung des Jugendfilmclubs Köln (so hieß das jfc Medienzentrum ja damals) nach Wikipedia:

  • Erstausstrahlung der Biene Maja – heute ein Klassiker des Kinderprogramms, mit dem viele heute Erwachsene in ihrer Kindheit und Jugend in Berührung gekommen sind. Die Biene Maja existiert, zumindest in meiner Vorstellungswelt, schon ewig.
  • Steve Jobs und Steve Wozniak gründen die Firma APPLE, Symbol für die Entstehung einer neuen Welt, bis heute mit immer wieder neuen Impulsen für die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen (und Erwachsenen); für uns als Pädagogen eine Herausforderung.
    Aber 1976 war auch die erste Großdemo gegen das Atomkraftwerk Brockdorf (ich damals als Student dabei). Die Anti-AKW-Bewegung beeinflusste die Videobewegung, Stichwort „Gegenöffentlichkeit“. Ziel war, gegen eine zementierte Energiepolitik der Bundesregierung eine Gegenöffentlichkeit zu mobilisieren.
  • Helmut Schmidt wurde 1976 zum Bundeskanzler gewählt und beendete eine Reformeuphorie, ausgelöst durch Willy Brandt. Dies bekräftigte für viele die Notwendigkeit von Gegenöffentlichkeit.
  • Dies war das Szenario, in dem Pädagoginnen und Pädagogen die neuen Medien als Mittel entdeckten, pädagogisch mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und auch Jugendliche anzusprechen, die durch traditionelle pädagogische Angebote nicht mehr erreichbar waren.
  • Dabei war neben der Vorstellung einer Gegenöffentlichkeit präsent, gleichfalls aber auch der Wunsch des Selberproduzierens präsent und die Sprache und die Macht der Bilder sollte schon von Kindern und Jugendlichen entschlüsselt werden können.
  • Auch die Entwicklung in der damaligen DDR hinterließ ihre Spuren:
  • Wolf Biermann wurde während seiner Tournee im Westen ausgebürgert und der ‚Palast der Republik’ wurde eröffnet – wir konnten in den letzten Monaten und Jahren die Diskussion über die Zukunft des Palastes bis hin zu seinem derzeitigen Abriss verfolgen.
  • Stand 1976 in den Anfängen – wie der ursprüngliche Name Jugendfilmclub ausdrückt – der Film im Zentrum der Aktivitäten, gewannen Multimedia und Internet, die Beschäftigung mit den so genannten neuen Medien mehr und mehr Raum.
  • Die pädagogische Perspektive, Medienarbeit und Medienpädagogik traten in den Vordergrund. Doch Film wurde nicht durch Multimedia ersetzt. Filmarbeit, ob mit Video oder mit Kinofilm, hat seinen Platz in der pädagogischen Arbeit mit Medien behalten. Insofern ist das jfc Medienzentrum in seiner Geschichte ein Spiegel der Geschichte der medienpädagogischen Arbeit in Deutschland.

Das jfc Medienzentrum hat in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der GMK wichtige medienpädagogische Modellprojekte entwickelt und den medienpädagogischen Diskurs vorangetrieben. Besonders gut in Erinnerung sind natürlich die Webmobile für Nordrhein-Westfalen und das Nachfolge-Projekt m.

Ich wünsche dem jfc Medienzentrum viel Erfolg für die weitere Arbeit und hoffe, dass es – wie bereits in den letzten 30 Jahren –in den kommenden Jahrzehnten wieder neue Ansätze aus Pädagogik und Medienpraxis in pädagogisches Handeln umsetzt und Kinder und Jugendliche befähigt, Medien kritisch und aktiv für die Gestaltung ihres Lebens in unserer Gesellschaft zu nutzen.

Jürgen Lauffer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), Bielefeld.

Von surrenden Projektoren……

Meine erste persönliche Begegnung mit dem jfc fand Anfang der 80`er Jahre im Rahmen einer 16mm-Filmvortführung in einem Kölner Jugendzentrum statt. Kein Problem für mich, die schon im Kindesalter mit zahlreichen 8 mm Filmvorführungen meines Vaters konfrontiert war. Also, auf zum Jugendfilmclub am Hansaring, wo mich sympathische, etwas übermüdete ZDL`er (Zivildienstleistende) erwarteten und mir riesige Filmrollen in nicht allzu handlichen Koffern in die Hand drückten. Im Jugendzentrum galt es dann unser Büro mit der eingebauten Glasscheibe in einen Filmvorführraum zu verwandeln. Und den schweren Projektor leise fluchend hoch zu wuchten. Die erste Filmvorführung gelang, auch der Rollenwechsel konnte in einem annehmbaren Tempo durchgeführt werden. Zu meinem Erstaunen fiel – wie dann später häufiger geschehen – weder die Projektionslampe aus, noch gab es Filmschnipsel oder ähnliche technische Pannen. Ich atmete auf – die Premiere war überstanden. Das Rückspulen der Filmrollen war doch jetzt nur noch ein Kinderspiel. Voller Überschwang ließ ich den Projektor surren und die Rollen – in die falsche Richtung zurückspulen…

Diese erste Begegnung mit der Filmtechnik hat mich nicht davon abgehalten die Filmarbeit als festen Bestandteil in meine jetzt 25-jährige pädagogische Arbeit einzubauen und die Kontakte zum jfc als kompetenten Ratgeber in Sachen Medien auszubauen. Es folgten in den 90`er Jahren die Teilnahme am jährlichen Kinder- und Jugendfilmtag im Bürgerhaus Stollwerck. Diese bundesweite Veranstaltung der nichtkommerziellen Filmarbeit sprach Pädagogen und breites Publikum gleichermaßen an, in allen Räumen surrten sehenswerte Kinder-. Und Jugendfilme durch die Projektoren, Regisseure und Filmemacher waren zum Gespräch geladen und am Abend gab es immer passend zum Film ein inszeniertes Spektakel. Auch das Kölner Kinderfilmfest mit seiner nun 16-jährigen Tradition soll nicht unerwähnt bleiben. Hier hat das jfc Medienzentrum Pionierarbeit geleistet und dem Kinderfilm ein Forum geschaffen. Mittlerweile ist die digitale Technik und ihre Möglichkeiten Schwerpunkt in der pädagogischen Arbeit geworden, dennoch – die 16 mm Technik mit den surrenden Projektoren hat ihren ganz eigenen Charme.

Zum 30- jährigen Bestehen möchte ich dem jfc Medienzentrum und seinen MitarbeiterInnen herzlich gratulieren und für die erfolgreiche, innovative Zusammenarbeit der letzten Jahrzehnte danken. Das jfc Medienzentrum ist einmalig in Köln und deshalb so unverzichtbar!

Ulrike Mertens, Pädagogische Mitarbeiterin im Bürgerhaus Stollwerck in Köln, Mitglied des Arbeitskreises Kinderfilmfest im jfc

Engagierte Medienpädagogik

1983 bekam ich beim Landesfilmdienst Hessen eine Stelle als Bildungsreferent mit der Aufgabe für Jugendliche und MultiplikatorInnen der Jugendarbeit medienpädagogische Konzepte zu entwickeln. Nachdem ich die Stelle angetreten hatte, stellte ich recht schnell fest, dass damals die Medienpädagogik vor allem bewahrpädagogisch oder kritisch-reflexiv orientiert war und insgesamt der Eigenwert handlungsorientierter Medienarbeit keine hohe Wertschätzung fand. Die Nutzung von Medien wurde vor allem unter dem Gesichtspunkt der Gefährdung diskutiert. Bei meiner Suche nach Projekten, die in dem Umgang mit Medien auch Entwicklungspotentiale für Jugendliche sahen, wurde ich seinerzeit beim jfc fündig. Dort fand ich ein Konzept vor, das meinen Erwartungen an die Medienpädagogik sehr nahe kam. Ich lud die „Macher“ nach Frankfurt ein und profitierte in erheblicher Weise von den Erfahrungen des jfc. Meine medienpädagogischen Wurzeln sind daher mit dem jfc verknüpft. Es freut mich außerordentlich, dass auch andere Medienpädagogen und unzählige Jugendliche mit Unterstützung des jfc lernen konnten Medien produktiv anzueignen. Dem jfc ist es über die vielen Jahre gelungen, immer wieder die Trends und die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu spüren und mit innovativer und engagierter Medienpädagogik zu beantworten. Dazu möchte ich dem JVC meine persönlichen Glückwünsche aussprechen.

Prof. Franz Josef Röll, Dekan an der FH Darmstadt, Fachbereich Sozialpädagogik

Medienkompetenz II als neue Herausforderung

Als sich nach der Zulassung von privatem Fernsehen in Deutschland nach und nach ein Veranstalter nach dem anderen eine Lizenz holte; als zu Anfang der 90er Jahre die Lage, das Angebot für die Zuschauer zunehmend unübersichtlich wurde, hatte Medienkompetenz, die gewissermaßen begrifflich in den Adelsstand erhobene Medienpädagogik, Konjunktur. Unübersichtlichkeit, von Naturfreunden auch gerne Überflutung genannt, begründet stets den Ruf nach denen, die uns die Ordnung zeigen können. Und es ist dann ja auch eine Menge passiert, lokal das meiste, regional noch Exemplarisches, national freilich herzlich wenig. Dafür hat sich sogar die EU-Kommission des Themas angenommen, mit beachtlicher Dynamik und Ergebnissen zum Herzeigen. Das Projekt Klicksafe ist ein Beispiel dafür.

Doch nun, an der Schwelle ins Digitale, stellen sich alle Fragen noch einmal neu. Nun geht es um die digital literacy, um das Verstehen und Anwenden eines Alphabets mit gerade mal zwei Zeichen, der 1 und der 0.

Manches aus der analogen Zeit wird man mit in diese neue Zeit hinübernehmen können, etwa die Devise „Think globally, act locally“. Es ist ja noch immer dasselbe Ziel, es ist derselbe Mensch, der am Ende der Verwertungskette alles wieder analog macht. Der wissen soll, was die Medien mit ihm und was er mit ihnen macht, machen kann. Aber es ist ein anderer Weg, mit anderen Akteuren, mit andern Chancen und anderen Risiken, der nun vor uns liegt. Das Projekt Medienkompetenz II liegt vor uns. Es ist so spannend wie die erste Phase, vielleicht sogar noch ein bisschen wichtiger, weil die Digitalisierung sich alles nehmen wird.

Es ist gut zu wissen, dass erfahrene, phantasievolle Institutionen, die auf dreißig Jahre Arbeit zurückblicken wie das jfc Medienzentrum, sich für diese neue Herausforderung bereithalten.

Prof. Dr. Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien (LfM); Düsseldorf

Spannende Medienangebote jenseits des Mainstreams

In unserer Welt, die immer mehr von Medien bestimmt wird, ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche frühzeitig an einen kompetenten, kritischen und kreativen Umgang mit Medien herangeführt werden. Das hat auch die Stadt Köln erkannt und fördert deshalb seit 30 Jahren das jfc Medienzentrum e.V., das sich neben der Förderung der Medienarbeit in den Kölner Mitgliedseinrichtungen aus dem Sozial-, Kultur und Medienbereich auch zu einer über Köln hinaus wichtigen Fachstelle für die Kinder- und Jugendmedienarbeit entwickelt hat. Neben den kontinuierlichen Beratungs- und Serviceangeboten hat sich das jfc Medienzentrum mit zahlreichen Projekten einen Namen gemacht: So zum Beispiel mit dem ersten Jugendvideomagazin LURENS, das bereits Ende der 70er Jahren zusammen mit Kölner Jugendeinrichtungen entstand, mit dem Projekt FILMSEHEN Anfang der 90er, als in Kölner Jugendeinrichtungen verschiedene Modelle der Filmarbeit erprobt wurden und mit dem aktuellen Online-Magazin SPINXX rund um die Medienkritik von Kindern und Jugendlichen.

Neben der aktiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es heute aber auch wichtig, anregende und spannende Medienangebote jenseits des Mainstreams zu machen. In den 70er und 80er Jahren initiierte und stärkte das jfc die Filmarbeit durch einen Abspielring in zahlreichen Kinder und Jugendeinrichtungen (mit bis zu 60 Spielstellen). Neben zahlreichen engagierten Filmreihen ist das alljährliche Highlight das Kölner Kinderfilmfest CINEPÄNZ, das im November zum 17. Mal stattfindet und sich zu einer festen Größe in der Kölner Filmlandschaft etabliert hat.

Als Oberbürgermeister der Stadt Köln gratuliere ich dem jfc Medienzentrum zum 30jährigen Bestehen auf das Herzlichste und wünsche weiterhin viel Erfolg in der Kinder- und Jugendmedienarbeit.

Fritz Schramma, Oberbürgermeister der Stadt Köln

Medienarbeit ist für uns Sozialarbeit

Medienarbeit ist für uns Sozialarbeit, bei der audiovisuelle Medien zum Einsatz kommen. … (Kinder und Jugendliche) sollen lernen, Medien produktiv zu gebrauchen. Das heißt für uns, dass sie Medien für die solidarische, kritische und aktive Auseinandersetzung mit ihrer individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Situation nutzen.“ Diese Zielsetzung wird am Beispiel von Lurens (einem Videomagazin, das das jfc von 1979 an sechs Jahre lang betreute) folgendermaßen konkretisiert: „Im Rahmen sozialpädagogischer Prozesse können Medien so einen Beitrag leisten zur Schaffung von sozialen Situationen (z.B. Kontaktaufnahme zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen bei Lurens), zur Information und Aufklärung (z.B. Erkennen gemeinsamer Interessen über die Einzelbeiträge von Lurens), zur Verhaltensentwicklung (z.B. bewusst Position beziehen gegen Faschismus bei einem antifaschistischen Filmseminar) und schließlich zur Umsetzung erlernten Verhaltens (z.B. mit Hilfe von Video Interessen und Meinungen deutlich machen).“ Aus: merz | medien + erziehung, 24. Jg., 4/1980, S. 243

Diese Selbstdarstellung in merz war eines der Resultate meines ersten Kontaktes mit dem Jugendfilmclub Köln (heute: jfc Medienzentrum Köln). Am Beginn meiner Tätigkeit am JFF (damals noch Institut Jugend Film Fernsehen) stand der Aufbau einer Dokumentation medienpädagogischer Aktivitäten in der Bundesrepublik, die in eine feste Rubrik in der bei uns angesiedelten Zeitschrift merz mündete. Für die Konzeption besuchte ich die „großen“ medienpädagogischen Einrichtungen. Das jfc gehörte dazu und stand für eine eindeutig an kritischer Pädagogik und Partizipation ausgerichtete medienpädagogische Arbeit. Aus den Gesprächen im jfc resultierten zentrale Anregungen für die Kriterien, die unsere Dokumentation leiteten. Dieser erste Besuch endete – wie weitere auch – in einem Zug durch die Gemeinde, bei dem kühne Perspektiven für die Medienpädagogik gesponnen und mit zunehmender Menge an Kölsch immer heißer diskutiert wurden.

Die kühnen Perspektiven könnten wir alle bisher noch nicht in Gänze realisieren – aber wir arbeiten dran. Das jfc gibt es seit nunmehr 30 Jahren und es steht immer noch für eine fundierte und kritische medienpädagogische Arbeit. Das ist ein Grund zum Gratulieren für mich und ein Grund zum Stolzsein für euch!

Prof. Dr. Helga Theunert, wissenschaftliche Direktorin des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, München

Den Zuschauer mitdenken

Erste Bekanntschaft mit dem Jugendfilmclub machte ich vor genau 20 Jahren. Ich war einer der ersten Zivildienstleistenden hier. Das war nicht unbedingt besonders spannend. Aber die Zeit am Hansaring, vis-à-vis von Saturn, ermöglichte mir neben der Aufstockung meiner Plattensammlung eine Erfahrung, die ich während meines film- und fernsehwissenschaftlichen Studiums nicht machen konnte: Kino und Fernsehen, das ist mehr als Glamour, Sinnlichkeit, Filminterpretation. Was (junge) Menschen mit den Filmen machen, wie sie sie ihrer Biographie einverleiben ist oft nicht weniger interessant als die Filme selber. Die Frage nach der Medienwirkung wurde im jfc konkret und kreativ erörtert, weit über die übliche Gewalt-Debatte hinaus. Und sie ist heute für mich, ohne dass ich bei meiner Arbeit darüber nachdenke, immer noch von Belang. Wenn ich als Journalist Artikel schreibe über Genres und Filme, über Schauspieler und Regisseure, dann denke ich nicht nur die Leser, dann denke ich auch die möglichen Zuschauer mit. Noch direkter profitiere ich von den Projekten des jfc, seit ich eine Tochter habe, die am liebsten auch so viele Filme schauen würde wie ihr Vater. Ich bin überrascht, wie viel Kluges und Praktikables dem Jugendfilmclub bei seinen Projekten zum Thema Medienkompetenz immer wieder einfällt und wie sich die Mitarbeiter den veränderten medialen Gegebenheiten und Aufgaben stellen. So mache ich mir heute weniger Sorgen um die Zukunft dieser über die Grenzen Kölns hinaus so wichtigen Einrichtung als noch vor 20 Jahren

Rainer Tittelbach, freier Fernsehkritiker war 1986/87 Zivildienstleistender im jfc.