Wie funktioniert eigentlich ein erfolgreiches Medienprojekt? Was kommt bei den Teilnehmenden besonders gut an? Welche Kenntnisse erwerben sie? Gibt es grundlegende übertragbare Elemente? Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur befragte Preisträgerinnen und Preisträger des Dieter Baacke Preises nach ihren Methoden, Ratschlägen sowie nach Problemfeldern.
Herausragende Medienprojekte zeichnet die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) seit 1999 mit dem Dieter Baacke Preis aus. Seit 2000 wird der Preis gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vergeben. Prämiert werden Projekte, die in der Bildungs- Sozial und Kulturarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien entstanden sind und die eine pädagogisch orientierte Medienkompetenz fördern. Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) ist Fachverband und Multiplikatorin für Theorie und Praxis der Medienpädagogik. Sie setzt sich bundesweit und international für eine pädagogisch, kommunikativ und sozial orientierte Förderung der Medienkompetenz und Medienbildung ein.
Das jährlich erscheinende Handbuch zum Dieter Baacke Preis dokumentiert die ausgezeichneten Projekte und liefert weitere praxisnahe Anregungen aus der Wissenschaft und aus vielfältigen medienpädagogischen Arbeitsgebieten. Für das Handbuch Methoden und Konzepte medienpädagogischer Projekte wurden Preisträger aus zwei Jahren über Elemente ihrer erfolgreichen Arbeit befragt. Die zusammenfassende Auswertung der Interviews bietet vor allem Einsteigern praxisnahe, adaptierbare Empfehlungen zur Inspiration und Umsetzung medienpädagogischer Projekte.
We proudly present
Die meisten Kinder und Jugendlichen sind stolz auf ihre Produkte und freuen sich darauf, sie vorzustellen. Daher empfehlen einige Projektleiter ausdrücklich, über den rein pädagogischen Prozess und die gruppeninterne Ebene hinauszugehen und Medienarbeit von vornherein öffentlichkeitswirksam anzulegen. Von der Präsentation vor Eltern oder Mitschülern über die Veröffentlichung im Internet, Bürgerfunk oder Offenen Kanal bis hin zur Erstellung von Medienpaketen, die der Bildungsarbeit zur Verfügung gestellt werden – mediale Äußerungen von Kindern und Jugendlichen sollten so konzipiert sein, dass sie kleinere oder große Öffentlichkeiten erreichen.
Besonders in der Arbeit mit älteren Kindern oder Jugendlichen empfiehlt es sich, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit mit pädagogischer Arbeit zu kombinieren. Die jungen Radio-, Video- oder InternetjournalistInnen beteiligen sich mit ihren Produktionen und ihren Inhalten am öffentlichen Diskurs, sie werden wahr- und ernst genommen. Pädagogische Fachkräfte sollten daher den pädagogischen Prozess mit der Arbeit am Produkt selbst und der Außenwirkung verbinden.
Wichtig ist demnach nicht nur der Weg, sondern auch das Ziel medienpädagogischer Aktivität. Die Präsentation ist ein wesentliches Element, das den Äußerungen von Kindern und Jugendlichen öffentliche Aufmerksamkeit verschafft. Professionelle Medienpädagogik unterstützt Kinder und Jugendliche auf dem Weg, Schritt für Schritt und in Kenntnis der Stärken und Schwächen der Zielgruppe zum präsentablen Ergebnis zu gelangen.
Medienprojekte machen Spaß
Medienprojekte stellen oftmals hohe Ansprüche an alle Beteiligten. Immer wieder ist der Teamgeist gefordert. Technische und ästhetische Probleme sind zu lösen, unterschiedliche Anschauungen und Ideen sind auszuhandeln. Kinder und Jugendliche wachsen dabei nicht selten über sich hinaus, allerdings gilt es bisweilen mit Frustrationen zu kämpfen. Das Überwinden von Hürden, das gemeinsame Produzieren, das Zusammentragen und Präsentieren sind immer wieder wesentliche Elemente von gelungenen medienpädagogischen Projekten. Doch wir fragten nicht nur nach den Möglichkeiten, Probleme der Medienprojektarbeit zu lösen, und nicht nur nach den Gratifikationen im Hinblick auf Medienbildung, sondern auch nach den speziellen Vergnügungen der Medienarbeit.
Das mögen Kinder besonders:
- Medienpädagogik mit allen Sinnen, medienpraktische Experimente und Projekte, bei denen sie selbst viel ausprobieren können.
- Erfinden von Szenen, Fotostorys und Geschichten; besonders beliebt bei den Jüngsten: Tier- und Phantasiegeschichten mit Gespenstern, Hexen, Drachen etc.
- Jüngere Kinder mögen z.B. kurze Trickboxx-Produktionen (einfache Lege-Trickfilme mit selbstgebastelten Elementen), Geräusche-Safaris, Selbstporträts, Fotopuzzles.
- Selbsterfahrung, Agieren vor einer Kamera. Je nach Alter ist das Verkleiden und Spielen von Rollen oder das Auftreten als Reporter oder Interviewer beliebt.
- Medienarbeit, mit der sie relativ schnell ansprechende Ergebnisse erzielen (Fotobearbeitung, Collagen, Videoclip, Radiointerview, Geräuscherätsel).
Bei Kindern als auch bei Jugendlichen beliebt:
- Wahrnehmungsorientierte Medienarbeit, in der sie z.B. entweder ausprobieren, wie Foto, Film oder Mikrophon funktionieren (Fotografieren mit einer Lochkamera, Geräuschejagd) oder in denen sie erfahren können, wie sich mit Medien, speziell Computertechnik, die aufgezeichnete „Wirklichkeit“ verändern lässt (Bildbearbeitung, „Fakes“).
- Radio- und Video –Interviews und Reportagen. Die jungen JournalistInnen befragen nicht nur gern Altersgenossen, sondern auch Erwachsene, „Prominente“ und Fachleute.
- Medienpädagogische Exkursionen, also herauszugehen aus den gewohnten Zusammenhängen und etwas Neues zu erleben und medial zu verarbeiten.
- Einblick zu bekommen in Bereiche, die ihnen sonst verwehrt sind (der Blick hinter die Kulissen, das Erkunden schwer zugänglicher „fremder“ Lebenswelten etc.) und Personen zu befragen, zu denen sie im Alltag eher wenig Zugang haben (z.B. Polizeikommissarin, Schauspieler, Mitglieder einer Band, Menschen in anderen Ländern etc.).
- Erstellen von Produkten: Kalender, E-Cards, Fotostorys, Zeitschriften, Homepages, Filme, Ausstellungen.
- Wettbewerbe, die Kinder und Jugendliche anregen, ihre Produktionen qualitativ hochwertig zu gestalten und anderen vorzuführen. Der spielerische Wettkampf und die Chance auf besondere Anerkennung sind dabei Motor kulturellen oder politischen Handelns.
- Die Ergebnisse zu präsentieren (dieses Element findet sich in fast allen Interviews wieder).
- Medienprojekte, in denen sie via Internet (oder in lokalen Netzwerken) mit anderen spielen, kommunizieren, sich über ihre Produkte, ihre Ansichten und ihr Leben austauschen. Auch hier hat sich themengebundene Arbeit besonders bewährt.
- Internationale Medienprojekte, die junge TeilnehmerInnen aus verschiedenen Ländern zum Austausch anregen und Einblicke in „andere“ Kulturen, Sichtweisen und Lebenswelten ermöglichen (von Klassenpartnerschaften bis zu themengebundenen Aktionen).
- In ihren Äußerungen wahr und ernst genommen zu werden.
Jugendliche mögen außerdem besonders:
- Kreative Medienarbeit als Selbstausdruck (Foto- und Videoarbeiten, Internet- Blogs, Homepages etc.).
- Journalistische oder künstlerische Arbeit an Themen, die sie interessieren. Ob Internet, Radio, Foto oder Film: eine themengebundene Arbeit ist oft ratsam (nicht: „wir drehen einen Film“, sondern „wir drehen einen Film zum Thema: Leben mit Behinderung, Jung und Muslim in Deutschland, Krieg im Irak“ etc.).
- Produktionen, die ihre eigene Lebenswelt und Sichtweise, ihre eigene soziokulturelle Szene spiegeln oder Themen, die ihnen gerade besonders fremd sind, die sie neugierig machen.
- Existentielle und jugendspezifische Themen (z.B. Liebe, Sexualität, Beziehungen, Gewalt, Tod, Religion, Grenzerfahrungen, Alltagsflipps), Medienthemen (Serien, Chatten, Handy, Games, sowie Fakes/Nachahmungen/Satiren von bekannten Formaten), Umwelt, globale und lokale Politik, zu der persönliche Bezüge hergestellt werden können.
- Jugendkulturelle Anknüpfungspunkte wie unterschiedliche Musikszenen, Musikstile.
Qualifizierung und Bildung
Dieter Baacke hat vier Bereiche der Medienkompetenz definiert: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Wenngleich nicht jedes Projekt alle vier Bereiche abdecken kann und soll, so findet sich in den prämierten Projekten eine große Übereinstimmung mit den Zielen Baackes. Projektleiter und Wissenschaftler berichten zudem wiederholt, dass Kinder und Jugendliche in Medienprojekten neben technischen und kreativen auch kommunikative und soziale Fertigkeiten ausbauen. Hier folgt eine Reihe von Elementen, die aus mehreren Interviews herausgefiltert wurden und die sich ebenfalls als offene Liste verstehen.
Aneignung von Technik: Die jungen MedienmacherInnen lernen, Technik zum kreativen, kommunikativen Selbstausdruck zu nutzen und erfahren zugleich etwas über die Grenzen und Probleme, die durch Technik entstehen können und wie man sie lösen kann. Technikscheue Kinder überwinden ihre eventuell vorhandene Skepsis oder Furcht vor Technik. Sie erfahren, dass sie sich Technik für ihre Zwecke aneignen können und lernen neue Aspekte kennen.
Ästhetik und Wahrnehmung – Medien als Mittel des kulturellen/politischen Selbstausdrucks: Das gemeinsame Produzieren führt automatisch zum Kennen lernen anderer Ästhetiken, Wertorientierungen und Wahrnehmungsweisen. Die jungen ProduzentInnen erfahren fast en passant die subjektive, mediale und gesellschaftliche Prägung dieser Kategorien.
Ob Netzwerkaktion, Video, Radio, Fotografie oder Computerprojekte: Kinder und Jugendliche erfahren Medien als Teil von (Kinder-, Jugend-, Pop-)Kultur. Sie lernen Medien als Möglichkeit kulturellen und politischen Ausdrucks kennen. Sie produzieren zu oder informieren sich über Themen, die aus ihrer unmittelbaren Lebenswelt stammen oder die sie selbst mitbestimmt haben, die sie interessieren. So erfahren sie sich selbst als handelnde, kreativ gestaltende Subjekte, was unter anderem zur Steigerung des Selbstwertgefühls führt. Last not least lernen sie, ihre Ergebnisse in einer Öffentlichkeit zu präsentieren und zu diskutieren.
Pädagogische Prävention − Kritikfähigkeit und Jugendschutz: Die Kritikfähigkeit der Kinder und Jugendlichen wird gefördert. Sie nehmen andere (professionelle) Medienprodukte tiefgründiger wahr und lernen, kritisch, analytisch und diskussionsorientiert mit Medien umzugehen und das Medienangebot zu bewerten. Medienpädagogische Projektarbeit gibt den Kindern zudem Kategorien an die Hand, mit denen sie eigenen Medienkonsum und den anderer kritisch reflektieren können. Vor dem Hintergrund ihres eigenen Entwicklungsstandes lernen sie, Aspekte des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mediensystems zu reflektieren. Das ist Ergebnis sowohl kritisch-analytischer Medienarbeit wie auch kreativ-praktischer Medienarbeit.
Kinder und Jugendliche erfahren durch die eigene kreative oder kritische Medienpraxis etwas über rechtlichen Jugendschutz und wie man mit Problemen oder Gefahren des Medienkonsums umgehen kann.
Soziales Lernen im Medienprojekt: Kinder und Jugendliche lernen in Medienprojekten vielfältig sozial, z.B.: Ergebnisse, Themen und Auswahl zu diskutieren, gemeinsam mit anderen Lösungen zu finden, Arbeit einzuteilen, Verantwortung zu übernehmen, eigene Fähigkeiten einzuschätzen, neue Fertigkeiten gemeinsam mit anderen zu erwerben, Kompetenzen weiterzugeben, sich gegenseitig zu helfen, Hilfe einzufordern, sich für etwas einzusetzen, mit Sprache, Mimik und Gestik bewusst umzugehen, sprachliche Fertigkeiten auszubauen und je nach Disposition: Hemmungen zu überwinden oder sich zurückzunehmen. Produktive Medien arbeit trägt somit zur Persönlichkeitsbildung bei.
Das gemeinsame Produzieren in einer Gruppe führt insgesamt zu vielfältigen Kenntnissen in Teamwork und Arbeitsteilung. Das gemeinsame Produzieren kann mitunter zu intensiven Diskussionen über Wahrnehmung, Wirklichkeit und Sichtweisen führen.
Medien und Gender: In genderorientierten Angeboten für Jungen oder Mädchen lernen sie, sich sowohl produktiv wie kritisch mit Genres und Medienangeboten auseinander zu setzen, die sie vor dem Hintergrund ihres Geschlechts interessieren. Mädchen haben oftmals andere Themen, technische Interessen und Aneignungsweisen als Jungen. In speziellen Angeboten und Projektphasen für Jungen oder Mädchen kann dies speziell berücksichtigt werden.
Medienarbeit mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen: Kinder und Jugendliche, die im schulischen Rahmen eher Schwierigkeiten haben oder die in unterschiedlicher Weise benachteiligt sind, wachsen in Medienprojekten oft über sich hinaus. Dies wird seit vielen Jahren von unterschiedlichen Projektleitern immer wieder betont. Nicht nur in Foto- und Videoprojekten, auch in der Radioarbeit werden Kinder und Jugendliche, die beispielsweise sonst sprachliche Schwierigkeiten oder sprachliche Behinderungen haben, zu besonderen (auch sprachlichen) Leistungen angeregt.
Ein nicht zu unterschätzendes Ergebnis von gelungener Medienarbeit besteht darin, Kindern und Jugendlichen zu Selbstbestätigung, Selbstwertgefühl und Selbstausdruck zu verhelfen und sie Produkte erstellen zu lassen, zu denen sie – jenseits von Zensurendruck – als Person und Gruppe beigetragen haben. Darüber hinaus haben sich viele Medienprojekte als geeignet erwiesen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedlichen Alters oder sozialer, religiöser oder ethnischer Herkunft in kreative Interaktion zu bringen.
Schwierigkeiten begegnen
Auf die Frage nach den Schwierigkeiten innerhalb der Projektarbeit und den dazugehörigen Lösungsmöglichkeiten finden sich in den Interviews oftmals Antworten, die unmittelbar auf die Spezifika des einzelnen Projektes abgestimmt sind. Doch sind auch Schnittmengen und generalisierbare Empfehlungen auszumachen, die nicht vorenthalten werden sollen.
Orientierung an den Ressourcen der Kinder und Jugendlichen: Die jungen ProjektteilnehmerInnen bringen unterschiedliche Kenntnisse, Interessen und Lebenswelten mit. Jedes Kind hat Stärken und Schwächen, die bei der Projektarbeit zu berücksichtigen sind. Medienarbeit sollte sich Zeit und Raum nehmen, die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen der Kinder kennen zu lernen, um das Angebot darauf abzustimmen.
Am Ball bleiben: Je nach Zielgruppe und Umfang des Projektes können mitunter Probleme mit der Ausdauer entstehen. Diese Schwierigkeiten können vermieden und überwunden wer den, indem von vornherein Aufgaben und Verantwortlichkeiten für Teilbereiche verteilt werden. Dabei sind die Fähigkeiten und Kapazitäten der Teilnehmenden einzubeziehen, manche Kinder sind hochmotiviert, wollen und können viel schaffen, andere benötigen überschaubare Ziele.
Zudem kann es sinnvoll sein, Formate oder Grundstrukturen vorzugeben, z.B. ein „Sendegeländer“ oder den Rahmen für eine Fotostory, das Grundmuster einer Homepage. Und: Kinder und Jugendliche sollten mitentscheiden, woran sie wie lange arbeiten wollen.
Schnell umsetzbare Formate wie Clips, Spots oder Kurzinterviews sind nicht immer die passende Lösung für Gruppen, die Schwierigkeiten mit der Konzentration oder Motivation haben. Denn wiederholt zeigt sich, dass gerade Großprojekte (der Spielfilm, die Schülerzeitung, die Schulhomepage, das lange Radiofeature) ältere Kinder und vor allem auch Jugendliche zu Höchstleistungen anspornen. Diese erfordern jedoch einen anderen organisatorischen Rahmen und eine intensivere, kontinuierliche Begleitung durch professionelle Medienpädagogen, Journalisten oder Künstler. Kurzfristig umsetzbare Produktionen sind als Vorübungen oder als Projekte mit sehr jungen Zielgruppen oder in eng gestecktem zeitlichen Rahmen sinnvoll.
Vorsicht Technikfreaks und Überlehrer: Die pädagogischen Fachkräfte sollten sich nicht als Alleswisser ausgeben, sondern sich selbst als Lernende verstehen, die sich mitunter von den teils technikkompetenteren Kindern etwas zeigen lassen. Indem sie sich selbst lernbereit zeigen, regen sie schüchternere, unerfahrene Teilnehmer dazu an, Fragen zu stellen und die Medien gemeinsam zu erforschen.
Technische Kenntnisse sollten den Teilnehmenden immer Schritt für Schritt an der konkreten Aufgabe vermittelt werden (z.B.: „Jetzt laden wir Fotos runter, jetzt erstellen wir eine Foto-Datenbank, jetzt bearbeiten wir das Bild“ etc.).
Gruppen verkleinern: Wo immer möglich, ist es sinnvoll, die Gruppengröße möglichst klein zu halten, bzw. eine große Gruppe in mehrere kleine aufzuteilen. Viele der Projekte arbeiten mit Kleingruppengrößen zwischen 6 und 10 Kindern. Einige Projekte beziehen versierte Kinder und Jugendliche als „Multiplikatoren“ oder Fachleute für bestimmte Aufgaben nach dem peer-to-peer-Modell mit ein.
Kooperationsprojekte/Projekte rund um die Schule: Eine Offenheit des Angebots und die Freiwilligkeit der Teilnahme steigern die Lernfreundlichkeit der Atmosphäre. Im schulischen Rahmen sind Projektwochen ratsam, in denen eine offenere Zeitstruktur machbar ist. Auch für aufwändigere Medienprojekte im außerschulischen Bereich sind Projekte en bloc (z.B. mehrere Tage im Rahmen eines Ferienangebotes) besonders ratsam. Eine kontinuierliche medienpädagogische Projektarbeit im Rahmen von Ganztagsschulen ist sinnvoll.
Kooperationsprojekte verschiedener Einrichtungen sollten gemeinsam Ziele, Beteiligungsaspekte und einen Zeitplan festlegen.
Kinder- und Jugendredaktionen: Ob Radio, Internet oder Video – die Etablierung eines festen Redaktionsstamms bietet viele Vorteile: die jungen RedakteurInnen sorgen selbst für Kontinuität und qualitative Weiterentwicklung und können Kinder und Jugendliche, die mit einmalig an Aktionen und Projekten teilnehmen, beraten und begleiten.
Online vernetzt: Vernetzungsprojekte (Internet) gelingen dann gut, wenn zusätzlich ein guter Offline-Kontakt zwischen den beteiligten Personen und Einrichtungen hergestellt wird. Wo möglich, sollten reale Treffen mit virtueller Projektarbeit kombiniert werden.
Die Basis der Arbeit
Finanzierung: Die meisten der ausgezeichneten oder besonders hervorgehobenen Projekte finanzieren sich aus verschiedenen Töpfen: neben einer Grundfinanzierung (öffentliche Mittel, Stiftungen, Mitgliedsbeiträge) stehen Projektmittel verschiedener Träger und zunehmend das Sponsoring. Bei einigen Trägern fließt die Auswertung der Projekte − z.B. durch Vertrieb der Materialien oder Ausstellungsverleih − wieder in neue Projekte. Die Finanzdecke fast aller Projekte wird als sehr dünn beschrieben. Im Vergleich zu anderen kulturellen Bereichen ist das Sponsoring von Medienkompetenz-Projekten noch nicht weit entwickelt. Die Problematik fehlender und immer wieder neu zu beschaffender Mittel führt zwar einerseits mitunter zu Programm-Innovationen, andererseits aber auch zu mangelnder Kontinuität, Verlässlichkeit und Weiterentwicklung der Angebote. Die Projektleiter beklagen häufig, dass zu viel Zeit mit der Akquise neuer Projektmittel verbracht werden muss.
Personal: Gute Medienprojekte brauchen und haben qualifizierte, professionelle und engagierte Mitarbeiter. Professionelle und kontinuierliche Projektarbeit führt dazu, dass nicht ständig das Rad neu erfunden werden muss. Prozesse der Arbeitsorganisation und pädagogischen Anleitung werden verkürzt, erfolgreiche Methoden und Projekte können sinnvoll in neuen Zusammenhängen adaptiert werden. Leider ist personelle Kontinuität durch die schwankende, problematischer werdende Finanzierung selten gegeben. Wenn immer wieder neue Mitarbeiter eingearbeitet werden müssen, kostet das Zeit und Energie. Mitunter können jedoch ehrenamtlich tätige Mitarbeiter unterstützend einbezogen werden und fachkompetente Kinder und Jugendliche der Gruppe andere Teilnehmer z.B. technisch unterstützen. Unter professioneller medienpädagogischer Leitung sind auch peer-to-peer-Modelle sinnvoll. Kontinuität und Qualifizierung professioneller Mitarbeiter sind insgesamt die Basis für eine innovative, kreative und nachhaltig wirksame Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Der Bedarf ist immens.
Arbeitsweise: In vielen Einrichtungen gibt es mittlerweile mobile Angebote, die bedarfsorientiert beispielsweise in andere Einrichtungen der Jugendarbeit fahren, um dort in Kooperation mit den Teamern oder Leitern vor Ort Projekte durchzuführen.
Andere Projekte werden entweder in der eigenen Einrichtung angeboten, in kontinuierlicher Kooperation mit festen Partnern durchgeführt oder aber mit jeweils wechselnden Kooperationspartnern, evtl. mit immer neuen Program men umgesetzt.
Eine wiederkehrende Methode ist die aktive Medienarbeit in möglichst kleinen Teams mit Arbeitsteilung, klarer Aufgabenstellung und großer inhaltlicher wie praktischer Beteiligung der Kinder und Jugendlichen. Zudem sind aktive Methoden der Medienkritik in den ausgezeichneten Projekten zu finden. Einige der ausgezeichneten Einrichtungen kombinieren in ihrem Angebot Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften mit der aktiven Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen und der Beratung von Eltern.
Aktualisierte Fassung des Beitrages, erschienen in: Jürgen Lauffer, Renate Röllecke (Hrsg.): Dieter Baacke Preis Handbuch 1 „Methoden und Konzepte medienpädagogischer Projekte“, Bielefeld 2006, ISBN 3-929685-37-X
Hier einige Stimmen der PreisträgerInnen
„Zum einen ist der Dieter Baacke Preis für uns eine schöne Anerkennung unserer Arbeit, zum anderen sind Preise wichtiger für das lokale und bundesweite Umfeld der Einrichtung, d.h. die Qualität der Arbeit wird von außen medial begleitet dokumentiert, was finanzielle Förderungen, Kooperationen erleichtert und strategische Auseinandersetzungen vereinfacht bzw. minimiert.“ (Hallo Krieg, 1. Preis 2003)
„Die wachsende Bekanntheit des Projektes und weitergehendes Interesse an der eigenen Projektarbeit ist bemerkbar durch verstärkte Anfragen nach Informationen zu Spiel- und Medienprojekten, Fachartikeln und Kooperationen.
Zudem trägt eine Auszeichnung wie der Dieter Baacke Preis zu einer hohen Motivation bei, sich weiter engagiert damit auseinanderzusetzen, wie Medienarbeit in spielpädagogische Projekte einbezogen und zur Bildung der Kinder genutzt werden kann.“ (Storymailing, 1. Preis 2003)
„Sicher hat der Dieter Baacke Preis dazu beigetragen, dass unsere Arbeit in Stadt, Land, Bund und Fachöffentlichkeit positiv wahrgenommen wurde, und dass dieses Jahr (2005) schon das vierte derartige Städteprojekt stattfinden kann.“ (Was glaubst Du denn, 2. Preis 2003)