Magazin für die pädagogische Praxis

Fachbeiträge

Einblicke in die Filmproduktion: Rechts ein am Boden liegender Junge mit zerbrochener Brille, in der Mitte ein Mann der auf ihn herabschaut, links im Hintergrund ein Mädchen mit einer Videokamera und vorne links ebenfalls ein Junge, der die Videokamera auf die Szene richtet

Faken mit Lust und Laune

Manipulationen entlarven – Illusionen erzeugen

Die mediale Inszenierung der Wirklichkeit ist kein neues Phänomen. Seit den Anfängen der Fotografie und des Films wurde inszeniert, retuschiert und manipuliert. Das kann wunderschön und hochspannend sein wie im Unterhaltungsfilm, aber auch missbraucht werden für bestimmte Ideologien und skrupellose kommerzielle Interessen. Die Möglichkeiten und Risiken der Medienmanipulation erkennen Kinder und Jugendliche am besten, wenn sie sie selber einmal die „Bilder lügen lassen“

Wer die Bilder beherrscht, beherrscht die Köpfe“, sagte einmal Bill Gates, denn im digitalen Zeitalter sind die Möglichkeiten und Facetten der Medienmanipulation vielfältig und nahezu grenzenlos. Filme und Bilder zeigen die Welt nicht wie sie ist, sondern so wie die Fotografen und Filmemacher möchten, dass wir sie sehen. Ob nun Film, Fernsehen, Computergames, Zeitschriften oder Radio: Medien inszenieren die Wirklichkeit. Dabei wird die Wirklichkeit mehr oder weniger gezielt verfälscht, oder es wird zum Vergnügen der Zuschauer „getrickst“.

Wenn Bilder lügen

Film wird mit unzähligen Bruchstücken erzählt, die alle eine Absicht verfolgen und genau geplant werden. Schon mit der Auswahl des Motivs, der Einstellungsgröße bzw. des Bildausschnitts wird eine bestimmte Bildaussage verfolgt; der Blickwinkel der Kamera, die Perspektive, und die Kamerabewegung sind weitere filmische Gestaltungsmittel, die unsere Wahrnehmung lenken. Durch den Schnitt bleiben uns langweilige Gänge erspart, können Schauspieler, die im Film vom Hochhaus springen, ihren Arbeitstag schadlos überstehen. Was zwischen den Schnitten passiert, ergänzt der Rezipient in seinem Kopf. Erst die gekonnte „Manipulation“, der Umgang mit der Filmsprache, von der Einstellung über die Perspektive bis hin zu Lichtgestaltung, Maske, Requisite, Kostümen, Farbgebung, der Wahl des Filmmaterials und natürlich Ton und Schnitt ermöglicht es uns, voller Spannung in eine Geschichte einzutauchen.

Dennoch, auch wenn uns ein Filmemacher noch so raffiniert lenkt, der Mensch ist keine „Black Box“, aus der herauskommt, was in sie einwirkt. Filmrezeption gilt heute als aktive Leistung, denn ein Film oder Bild wird ganz unterschiedlich in den Köpfen der Betrachterinnen und Betrachter verarbeitet. Gerade das subjektive Erleben spielt bei der Rezeption von Kindern und Jugendlichen eine große Rolle. Hierzu Prof. Lothar Mikos: „Filme und Fernsehsendungen können also nur Angebote machen und mögliche Lesarten inszenieren, über die sie die Aktivitäten der Zuschauer vorstrukturieren. Eines können sie aber nicht: Sie können nicht die Bedeutung festlegen. Sie funktionieren als Agenten in der sozialen Zirkulation von Bedeutung und Vergnügen, denn sie können ihr Sinnpotenzial nur in den sozialen und kulturellen Beziehungen entfalten, in die sie integriert sind.“1 Die Sprache der bewegten Bilder zu verstehen und ausdrücken zu lernen, Filme „lesen“ zu lernen – trotz aller Unterschiede im Bezug auf die Rezeptions- und Aneignungsaktivitäten – ist in unserer Mediengesellschaft fundamental.

Die Aufmerksamkeit eines Zuschauers lässt sich durch filmische Inszenierungsstrategien lenken, aber zusätzlich kann in Film und Fotografie noch auf vielfältige Weise „getrickst“ werden. So ließ sich früher durch Matte Paintings oder Rückprojektionen die Illusion erzeugen, eine Person stände an einem ganz anderen Ort als sie tatsächlich stand. Heute werden die Protagonisten mittels „Bluescreen-Technik“ oder digitaler Bildbearbeitungsverfahren in andere Welten versetzt. Mit Hilfe von digitaler Technik lassen sich im Computer perfekte Illusionen erzeugen, ärgerliche Fehler und Unzulänglichkeiten ausbügeln, aber natürlich lässt sich auch mit unlauteren Motiven absichtlich lügen und manipulieren.

Dass Manipulation Methode und Tradition hat, zeigt seit 1998 eindrucksvoll die Wechselausstellung „Bilder, die lügen“ (Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bundeszentrale für politische Bildung)2. Anhand von über 300 Bildbeispielen aus den vergangenen 100 Jahren belegt die Ausstellung die drei Grundmuster der Bildmanipulation:

  • die Veränderung des Bildmaterials (Manipulation von bestehenden Bildern)
  • die Verfälschung von Text- und Kontextbezug (Manipulation der Bildinterpretation)
  • die Lüge mit Hilfe von realen Bildern (gestellte, inszenierte Bilder).

Gezeigt werden berühmte Bildfälschungen der Geschichte: So ließ Stalin beispielsweise seinen Kontrahenten Leo Trotzki mit dem Retuschepinsel von Fotos beseitigen, um ihn aus dem historischen Gedächtnis zu löschen. Eindrucksvoll auch Fotos aus dem Irakkrieg, bei deren Verwendung eines bestimmten Bildausschnittes eine jeweils andere Aussage herauskommt, die entsprechend durch die beiden Kriegsparteien aus dem Zusammenhang gerissen und instrumentalisiert wurde. Oder das manipulierte MIRROR-Titelbild von Lady Diana mit Dodi Al Fayed auf einer Bootstour 1997, das allein durch den Bildausschnitt und die Headline „HotLips“ eine Aussage bekommt, die es in einer weiten Einstellung überhaupt nicht hat. Arbeitsmaterial zu der Ausstellung, die im Herbst (AdR: im Jahr 2009) in München zu sehen sein wird, gibt es im Internet.3

Medienkritik in digitalen Zeiten

„Fakes“ in Bild, Ton und Schrift sind nur eine von vielen Tendenzen, die unsere Medienzeitalter prägen und stärker hinterfragt werden müssen: Einige weitere sind die zunehmende Mediatisierung aller Lebensbereiche, die grenzenlose Vermarktung oder die Entertainisierung der Politik und die Instrumentalisierung der Medien durch Politik und Wirtschaft. Für professionelle Medienkritik gibt es aber – laut einer im Auftrag der LFM NRW durch das Bredow-Institut durchgeführten Studie4 – immer weniger Raum in Zeitungen und Fernsehen. Dabei kommt der Medienkritik eine wichtige Funktion zu: als Impulsgeber, um einen notwendigen gesellschaftlichen Diskurs in Gang zu setzten, der Veränderungen zum Besseren im Auge behält.

Nicht nur im Journalismus, auch in der Pädagogik gebührt der Medienkritik größere Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt um manipulative Mechanismen erkennen zu können, ist es wichtig, die visuelle Lesefähigkeit von Kindern und Jugendlichen wie auch ihre Medienkritikfähigkeit zu fördern. Junge Leute sollten die (politischen) Botschaften, die Medien transportieren, deuten lernen, die Bild- und auch Tonquellen kritisch hinterfragt und die Interessenslagen dahinter erkennen können.

Ansätze pädagogischer Medienkritik finden sich in allen pädagogischen Bereichen. So wurde die Schulung der Medienkritikfähigkeit mittlerweile z.B. in die Konzepte schulischer Medienbildung integriert. Schüler sollen über „Wahrnehmungskompetenz“ verfügen und zwischen Realität und Fiktionalität unterscheiden, ästhetische Formen medialer Produkte deuten sowie Handlungsabläufe, Darstellungsformen und die Bedingungen von Medienproduktion und -Verbreitung verstehen, interpretieren und bewerten können.

Besonders im Bereich der Kinder und Jugendarbeit gibt es eine enorme Methodenvielfalt zur Förderung der Medienkritikfähigkeit, wobei sich sowohl rezeptions- als auch produktionsorientierte Praxisansätze finden lassen. Allerdings steht die Förderung der Medienkritikfähigkeit bei den meisten Projekten nicht an erster Stelle. Zahlreiche Projekte der aktiven Medienarbeit verfolgen u.a. aber auch das Ziel, die Fähigkeit zur Analyse, die kritische Bewertung und selbstbewusste Nutzung zu fördern. Medienkritik in der pädagogischen Praxis, das bedeutet heute Partizipation in der Medienlandschaft, aktive und selbstkritische Mediennutzung, die auch Fragen der Lebensorientierung nicht außen vor lässt, kreative Mediengestaltung sowie Spaß, Kommunikation und Aktion.

In der Praxis (vor allem mit Kindern und Jugendlichen) wird heute die rezeptive Medienarbeit häufig mit der produktiven Medienarbeit verbunden, nicht zuletzt um in der Verzahnung von kritischer Rezeption und aktivem Handeln den Lerneffekt und zugleich den „Fun-Faktor“ zu steigern. Die Schärfung des kritischen Blicks nach einer intensiven Reflexionsphase hat positive Auswirkungen auf das Produkt, dem sorgfältiges journalistisches Arbeiten, die Verwendung von Zitaten oder gegebenenfalls auch eine ironische Perspektive zugute kommen.

Wie sich die Grenzen zwischen kritischer Medienrezeption und kreativer Medienproduktion fruchtbar machen lassen, haben Medienprojekte gezeigt, bei denen sich Kinder und Jugendliche sowohl rezeptiv als auch produktiv mit dem Thema „Manipulation in den Medien“ auseinandersetzten und die verschiedenen Möglichkeiten, die Wirklichkeit zu „faken“ ausprobierten.5

Faken à la Spinxx

Der medienkritische Ansatz des Projektes Spinxx- Onlinemagazin für junge Medienkritik zielt genau dahin, wo der Schutz von Kindern gefördert werden kann: auf Medienkompetenz und die aktive Auseinandersetzung mit medialen Inhalten, gefördert durch kompetente Betreuung und eine attraktive Web 2.0 fähige Diskussionsplattform, die den Kindern vielfältige Kommunikationswege zur Verfügung stellt. Auf www.spinxx.de veröffentlichen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren ihre Medienkritiken wie auch Reportagen und Interviews rund ums Mediengeschehen. Die meisten Texte (wie auch Fotos, Audio- und Videofiles) entstehen in lokalen Redaktionsgruppen in vielen Städten in NRW und darüber hinaus. Zweimal im Jahr kommen die Spinxx Redakteure auf „Kritikergipfeln“ zusammen, um zu einem Thema untereinander und mit Experten zu diskutieren und in Workshops neue Anregungen zu bekommen.

Auf dem 5. Spinxx- Kritikergipfel „Fake it“ vom 15.-17.8. 2008 in Gelsenkirchen setzten sich rund 50 Spinxxer aus verschiedenen Redaktionsgruppen aktiv mit dem Thema „Manipulation mit oder durch die Medien“ auseinander. Dabei machten Sie eine Menge aufregender Erfahrungen: Einige erlebten (mittels Bluebox) Schwertkämpfe im alten Troja, sprangen (im Film) aus schwindelnder Höhe in die Tiefe, brachten als Alan Bates tote (Psycho-) Mutter das Blut der Zuschauer zum Gefrieren. Andere ließen Dieter Bohlen im Interview mal richtig dumm klingen lassen, konnten Westerhelden aus zwei verschiedenen Filmen miteinander duellieren oder Gegenstände durch den Raum fliegen lassen. Das machte den beteiligten Jungredakteuren und anderen interessierten Gästen so großen Spaß, so dass viele von ihnen am Abend die Weiterarbeit dem Freizeitprogramm vorzogen.

Neben fundierten Hintergrundinformationen mit interessanten Filmbeispielen zum Thema „Wie die Bilder trügen“ von der Medienwissenschaftlerin Aycha Riffi erhielten die Spinxxer die Möglichkeit, in acht verschiedenen Workshops selbst auszuprobieren, wie man die Wirklichkeit manipulieren, inszenieren, „faken“ kann. Am Ende des Wochenendes entstand als öffentliche Abschlussveranstaltung eine TV-Fake-Show mit zahlreichen Film- und Audiobeiträgen, die auch auf DVD für die pädagogische Praxis verfügbar ist. 6

  • Im Dokumentarfilm-Workshop ECHT FALSCH erfuhren die jungen Akteure, wie man zwei gegensätzliche Portraits über den gleichen Stadtteil produzieren kann.
  •  Im Horrorfilm-Workshop SCHAURIG SCHÖN spielten die Spinxx-Redakteure eine Szene aus dem Klassiker Psycho nach und zeigten dabei, wie mit Maske (und der Hilfe einer Maskenbildnerin des Gelsenkirchener Schauspielhauses) und Requisite unglaubliche Illusionen erzeugt werden können.
  • Im Workshop BLAUE TRÄUME wurden die Teilnehmer mittels einer Bluebox für ein Abenteuer in die Antike versetzt.
  • In BEINHART ging es um die Manipulation im Action-Film durch Kamera und Inszenierung.
  • Bei ZIEMLICH SCHNITTIG versahen die jungen Leute fertiges Filmmaterial mit neuem Ton oder Filmmaterial bzw. machten aus zwei Filmen einen neuen.
  • Die Teilnehmer von TRÜGERISCHE TÖNE erstellten eine Radioshow; sie fakten Nachrichten, manipulierten Promi-Interviews, Werbung, Umfragen etc.
  • In LEICHT VERRÜCKT wurde statt mit Papier und Knetmännchen einmal anders getrickst: Pixilation mit echten Menschen und realen Gegenständen.
  • Eine Gruppe probte unter dem Motto CLEVER MODERIERT die Präsentation der Ergebnisse und setzte sich dabei mit dem Thema „Medienmanipulation auseinander“.

Die jungen Medienkritiker und – Kritikerinnen lernten im eigenen Praxis-Workshop, durch Erzählungen bzw. Einblicke en passant in die Workshops ihrer „Kritiker“-Kollegen oder aber am Ende durch die Präsentation aller Beiträge viele verschiedene Möglichkeiten kennen, wie Medienmacher arbeiten, um die Emotion oder die Meinung der Rezipienten zu beeinflussen: Durch den Einsatz von Musik, Maske oder Kommentar, durch weglassen oder hinzufügen, mit Hilfe der Bluebox oder andere Formen der digitale Bildbearbeitung „fakten“ die Kinder und Jugendlichen bewusst und mit Lust und Laune. Ihre Erfahrungen und neuen Kenntnisse zur Entstehung von Medienprodukten werden künftig sicherlich in ihre Tätigkeit als Kinderkritiker in den verschiedenen Spinxx-Redaktionen einfließen. Besonders freuten sich die jungen Spinxxer Ende letzten Jahres, als ihre Bemühungen mit einem Dieter Baacke Preis geehrt wurden.

Faken macht Spaß und ist zudem noch lehrreich – deshalb ist Nachmachen, Variieren und Ausbauen wünschenswert. Das kleine Manipulationslexikon und die Links zu Arbeitsmaterialien im Internet seien dabei behilflich, damit Kinder und Jugendliche erkennen können, inwieweit die Bilder stimmen, die unser „Bild“ von der Welt prägen.

Fake-Know-How Ein kleines Manipulationslexikon!

In den Medien wird heutzutage viel „gefaked“ (to fake [engl.] = fälschen, imitieren): Auf Presse-Bildern werden die Schweißflecken von Kanzlerinnen-Blazer wegretuschiert, in so genannten Musik-Shows können Menschen ohne gute Stimme  mittels eines des Voice-Pitchers plötzlich wunderschön „singen“  und in Filmen wird der Hintergrund digital mit Hilfe einer Bluebox und eines PCs hergestellt – in den Medien ist bei Weitem nicht mehr alles greifbar, oft ist nicht das zu sehen, was auch real ist!

Aufhellen
Das Aufhellen ist eine Funktion in Bildbearbeitungsprogrammen wie etwa Photoshop. Teile eines Bildes können hierdurch aufgehellt oder verdunkelt werden, die Stimmung oder Aussage des Bildes werden dadurch verändert. Die Funktion „Aufhellen“ findet sich in Bildbearbeitungsprogrammen.

Bildbearbeitungsprogramme
Es gibt viele Programme zur Bearbeitung von Bildern und Fotos. Im Internet werden viele solcher Programme als Freeware angeboten (Paint.NET, Tintii Photo Filter, GIMP oder MagixFotodesigner), die man auf http://www.foto-freeware.de einsehen und herunterladen kann. Professionellere und komplexere Bildbearbeitungsprogramme wie Adobe Photoshop oder Corel PhotoImpact sind kostenpflichtig.

Bildrotation
Bildrotation beschreibt die Drehung eines Bildes um eine bestimmte Gradzahl. Dreht man beispielsweise ein von der Seite fotografiertes Bild einer Person, die auf dem Boden liegt, um 180°, so entsteht der Eindruck, die Person würde der Schwerkraft trotzen an der Decke kleben! Das Rotieren eines Bildes kann man mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms durchführen.

Bluebox
Zu einer Bluebox gehören eine Kamera, ein Bildschirm, ein Computer und ein grüner Raum bzw. eine grüne Wand. Vor diesem grünen Hintergrund werden Personen oder Gegenstände gefilmt. Da in der menschlichen Haut keine Grün-Töne vorkommen, kann mittels des PCs alles, was auf dem Bildschirm grün ist, durch ein anderes Bild / ein anderes Video ersetzt werden. So erscheint ein anderer Hintergrund und der Eindruck entsteht, die in der Bluebox gefilmte Person befinde sich auf einem Berg, am Strand, in einem Haus oder gar im All.

Entstörungsfilter
Der Entstörungsfilter wird oft in der Beauty-Branche genutzt, um Hautunreinheiten bei menschlichen Porträts weg zu retuschieren. So sehen Models später, trotz kleiner „Fehlerchen“, perfekt und makellos aus.

Gesichtsmanipulation
In vielen Magazinen wird die sogenannte Gesichtsmanipulation (auch „Morphing“) genutzt. Dabei wird am PC ein Gesicht soweit verändert, dass es älter oder jünger, dicker oder dünner, böser oder fröhlicher aussieht.

Inszenierung
Das Inszenieren oder auch „in Szene setzen“ von Personen und Gegenständen ändert oft die Wirkung eines (Foto- oder Video-) Bildes beim Rezipienten. Anstelle eines neutralen Hintergrunds wie etwa einer weißen Wand lassen bei einem Foto beispielsweise eine Kerkermauer als Hintergrund und Handschellen um die Hände eine eher düstere bis bedrückende Stimmung, eine Blumenwiese, ein fröhlicher Blick und helle Kleidung dagegen positive Gefühle entstehen. Zu den Mitteln einer Inszenierung gehören Mimik, Gestik, (bei Videoaufzeichnungen) Rhetorik, Umgebung, Hintergrund. Es werden also die äußeren Umstände verändert, um das Bild in einen anderen Zusammenhang zu setzen.

Kontextkombination
Die Aussage eines oder mehrerer Bilder wir gewandelt, werden mehrere unabhängige Bilder gemeinsam gezeigt. Dadurch wird ein gewisser Kontext hergestellt. Wird beispielsweise in einem Film zuerst lange eine frierende Person gezeigt, daraufhin ein Palmenstrand, hat dies auf den Rezipienten eine andere Wirkung als das Bild eines Gletschers nach der frierenden Person.

Maske
In der Maske können SchauspielerInnen in komplett andere Charaktere verwandelt werden. Mithilfe von Perücken, Schminke, Kontaktlinsen, Kunststoff- und Silikonpartikeln oder Modellierwachs können neue Frisuren, Glatzen, Bärte, Falten geschaffen werden, Frauen werden zu Männern, Junge zu Alten, Langhaarige zu Glatzköpfigen, Gesunde zu Kranken (Kunstblut, Narben)…!

Monochromumwandlung
Monochromumwandlung beschreibt das Umwandeln eines farbigen Bildes in schwarz-weiß. Damit kann der Bildcharakter verändert werden. Ein nagelneuer Film kann beispielsweise durch das Umwandeln in schwarz-weiß „auf alt“ getrimmt werden.

Over-Exposure
Over-Exposure bedeutet soviel wie „Überbelichtung“. Ist ein Foto überbelichtet, erscheint es sehr hell bis hin zu ganz weiß, damit können Kontraste stärker hervorgehoben werden und z.B. die Sichtbarkeit von Schriftzügen auf Papier gesteigert oder vermindert werden. Die Überbelichtungs-Funktion findet sich in vielen Bildbearbeitungsprogrammen.

Photoshop®
Mit dem Foto- und Bildbearbeitungsprogramm Photoshop von der Firma Adobe kann man Bilder verändern, sie beschriften, Farben ändern, drehen, spiegeln, Kontrast und Schärfe sowie verschiedenste Filter nutzen. So können Fotos und Bilder bis zur Unkenntlichkeit umgewandelt werden.

Retusche (franz. retouche = Nachbesserung)
Personen oder Gegenstände kann man mittels einer Retusche (auch unter „Fotomontage“ bekannt) aus Fotos verschwinden lassen oder auch hinzufügen. So kann man beispielsweise Angela Merkel in ein eigenes Urlaubsfoto hinein retuschieren – und schon lässt man es sich bei 30°C am Meer mit Frau Merkel gutgehen!

Spiegelung
Ist es bei einem Film (z.B. aufgrund der ästhetischen Reihenfolge der Bilder) wichtig, in welche Richtung eine Person guckt, in welche Richtung jemand läuft etc., so kann das Videobild gespiegelt werden. Diese Technik wird häufig bei Interviews genutzt, bei denen unterschiedliche Personen hintereinander gezeigt werden, die alle in die gleiche Richtung (links oder rechts neben die Kamera) gucken, um Abwechslung zu schaffen. Dabei ist es wichtig, eventuelle Schriftzüge im Hintergrund nicht mit zu spiegeln – bei Nutzung der Blue-Box ist dies natürlich einfacher.

Slowmotion
Um eine bestimmte Handlung hervorzuheben, ihnen Wichtigkeit beizumessen, wird in Filmen oft eine Slowmotion-Einstellung (auch „Zeitlupe“ genannt) genutzt. Sowohl Szene als auch die dazugehörige Tonspur werden verlangsamt abgespielt. Etwa das Erreichen des Ziels beim Marathon durch die Protagonistin eines Films wird durch die Slowmotion nach dem Motto „Endlich!“ verdeutlicht.

Schnitt
Durch den Schnitt eines Films können Effekte erzielt werden, die bei einem Film, bei dem die Kamera die ganze Zeit auf einer Stelle steht, nicht erzeugt werden kann: Verschiedene Einstellungen ermöglichen es, etwa einen Sprung von einem Hohen Gebäude zu inszenieren, ohne dass sich jemand real verletzt. So können die Einzelteile der Szene mit Standkamera gefilmt werden (der Sprung, der Flug und der Aufprall) und die verschiedenen Einstellungen zusammengeschnitten werden. Dabei ist nicht zu sehen, dass beim Sprung und beim Flug unten ein Sprungtuch bereit ist, der Aufprall eigentlich ein Aufprall von einem niedrigen Sprung ist.

Sprachmanipulation
Die Sprache kann in einem Film mittels eines Pitcher-Programms verändert werden. So kommen beispielsweise auch Stimmen wie die von „A-Hörnchen und B-Hörnchen“ zustanden, die so hoch und schnell sind, dass sie kaum ein Mensch auf natürlichem Wege zustande bringen könnte. Programme, die man zum Hoch- oder Runterpitchen von Stimmen nutzen kann, sind z.B. Transcribe (Seventh String Software – kostenlos), Ableton Live (Ableton AG – Demo-Version kostenfrei) oder Audacity (kostenlos).

Text- und Kontextbezug
Die Bildunterschrift kann den Sinn eines Bildes erheblich verändern. Der Text nimmt der betrachtenden Person einen Teil der Deutung und legt die Bildintention fest. Ändert man etwa die Textinformationen unter einem Bild, so kann das Bild anders gedeutet werden. Steht beispielsweise in einer Nachrichtensendung unter einer Live-Schaltung zum Bundesfinanzminister nicht „Peer Steinbrück – Bundesfinanzminister“, sondern etwa „Peer Steinbrück – Obdachloser aus Wanne-Eickel“, so kann auch das Gesagte inhaltlich anders gedeutet werden und die Berichterstattung nimmt humoristische Züge an!

Wahl des Bildausschnitts
Wählt man aus einem Bild einen bestimmten Ausschnitt heraus und stellt ihn frei, so kann im Extremfall die gesamte Bildaussage verändert werden. Ähnlich wie bei der Fotoretusche ist von der Wahl des Bildausschnitts abhängig, was genau auf dem Foto zu sehen ist, ob also alle Personen, die auch tatsächlich beim Ablichten anwesend waren, später zu sehen sind oder ob wichtige Ereignisse, Gegenstände und / oder Personen einfach nicht mehr zu sehen und somit unterschlagen sind.

Zeitraffer
Mittels Zeitraffer (Bilder werden schneller hintereinander gezeigt, als real) können bestimme Situationen und Einstellungen, die als nicht wichtig oder langdauernd erscheinen, übersprungen werden, ohne dass sie rausgeschnitten werden. Möchte der Regisseur eines Films beispielsweise anzeigen, dass die Protagonistin nicht nur Minuten, sondern Stunden im kalten Schnee stehen und auf ihr Taxi warten musste, der Vorgang an sich als Bild jedoch nicht wichtig ist, so kann der Zeitraffer angewandt werden, der den langen Zeitraum dokumentiert, nicht aber die spezifische Handlung an sich.

Zensur
Bei einer Zensur werden in Bild- oder Videomitschnitten bestimmte inhaltliche Aussagen oder Gesichter herausgeschnitten oder verändert. Damit werden entweder die Rechte bestimmter Personen bewahrt (man legt einen schwarzen „Balken“ über das Gesicht und macht es damit unkenntlich) oder Fäkalworte vor der Veröffentlichung geschützt (der bekannte „Piep“-Ton aus Daily Talkshows).

von Rabea Maas (Studentin der Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein Mönchengladbach)