In nahezu allen Bereichen ihrer Lebenswelt kommen Vorschulkinder mit digitalen Medien und Informatiksystemen in Berührung. So sollte die Kita an den Erfahrungen der Kinder ansetzen und sie dabei unterstützen ein – durchaus kritisches – Verständnis zu entwickeln von der digitalen Welt, in der sie ein Recht auf Zugang, Bildung, Partizipation und Schutz haben. Tablets haben sich in der Praxis als vielfältig einsetzbar erwiesen und durch einfaches Coding entwickeln bereits Kita-Kinder Grundlagen der Informatik.
Der digitale Bilderrahmen im Eingangsbereich des Kindergartens präsentiert Fotos vom gestrigen Waldtag. Über die Kita-App erhalten Eltern jederzeit Statusberichte darüber, was in der Kita gerade so läuft. Per Zusatztool können die HD-Kameras der Gruppenräume und des Außenbereichs angesteuert werden: Zu sehen und zu hören sind Kinder, die spielen, toben, essen, einige zeichnen Blumenbilder am Tablet, andere lernen Deutsch, ein Roboter hilft ihnen dabei und wieder andere erkunden ein kreatives Programmierspiel. Die Tagesauswertung der Lernergebnisse können in der Cloud eingesehen werden. Am Nachmittag übermittelt das GPS-Armband am Handgelenk des Kindes dem elterlichen Handy ein akustisches Signal, sobald sich das Kind über die vorher – per Geofencing – festgelegten Grenzen hinausbewegt. Sicherheitshalber ist der Kinderrucksack auch mit einem Peilsender ausgestattet. Die Bilderbuch-App liest am frühen Abend eine Geschichte vor, mit interaktivem Lernspaß versteht sich. Die vernetzte Lieblingspuppe fragt gerade nach, wie der Tag denn so verlaufen sei, als das Duschsymbol auf der Kinder-Smartwatch darauf hinweist: Es ist Zeit für die Körperhygiene. Kurz darauf wird die Zahnputz-App gestartet und hilft spielerisch dabei, Karius und Baktus den Garaus zu machen. Endlich im Bett, fällt das Kind in einen gesicherten Schlaf: Die Sensoren im Schlafanzug würden Alarm schlagen, sollte sich die Atemfrequenz des Kindes auffällig verändern. Auch der kuschelige Teddybär wacht über das Kind, denn das Kameraobjektiv in der Bärennase ist aktiviert.
Das geschilderte Szenario ist keine reine Zukunftsvision, sondern hier und da bereits Realität. Aus der Digitalisierung und der damit einhergehenden Datafizierung unseres Alltagslebens resultieren einschneidende Konsequenzen. Diese haben Auswirkungen auf unser Zusammenleben, auf die Art und Weise wie wir kommunizieren, lernen, spielen, arbeiten – in der Familie ebenso wie im Kindergarten.
Familien mit Kindern sind laut aktueller KIM-Studie 20181 sehr gut mit Medien ausgestattet: 38 % haben ein Tablet, in 9 von 10 Familien ist ein Smartphone vorhanden. Knapp ein Drittel der Familien besitzen einen Fernseher mit Internetzugang (Smart-TV). Ein Abo für Streamingdienste nutzt jeder fünfte Haushalt. Digitale Sprachassistenten sind bei 6 % vorhanden. Sprachassistentin Alexa wird gern von Familien mit Kindern genutzt, wohl deswegen, weil die dazugehörige Bluetooth-Box auch von jüngeren Kindern im Haushalt „angesprochen“ werden kann und Amazon spezielle Kinder-Skills bereithält wie Spiele oder Hörgeschichten.
Bereits viele 3- bis 6-Jährige bedienen selbstständig eine digitale, vernetzte Audio-Box. Manche dürfen per Sprachbefehl den smarten Fernseher einschalten oder knipsen gelegentlich einen Schnappschuss mit dem Smartphone der Eltern oder der Digitalkamera in der Kita. Einige Kinder wissen, wie sie die Tastensperre des Tablets lösen, falls nicht ein Fingerabdruckschutz sie davon abhält. Etwa ein Drittel der 2- und 3-Jährigen nutzt allein oder zusammen mit den Eltern Apps. Auch die Zahl der Kinder, die auf dem Tablet oder Smartphone spielen, nimmt stetig zu. 10 % der 3-Jährigen und 30 % der 6-Jährigen konsumieren, zumindest gelegentlich, Onlineinhalte wie z.B. YouTube-Videos.2
Sicherheitslecks in digitalen Spielwaren
„Connected Toys“, die die Möglichkeiten vernetzter Technik mit herkömmlichen Spielzeugen wie Autos, Puppen oder Bausteinen verknüpfen, finden sich in den Kinderzimmern von heute. Vernetzte Spielzeuge gleichen einem kleinen Computer und lassen sich über eine App oder per Sprachbefehle steuern. Darunter finden sich durchaus nützliche Geräte und Spiele, mit denen sich naturwissenschaftliche, künstlerische oder technische Erfahrungen sammeln lassen. Auch interaktive „Gespräche“ sind möglich und das Spielzeug reagiert entsprechend. Leider übertragen die Geräte oftmals mehr Daten als für die Nutzung nötig wäre. So werden nicht selten bei der Registrierung von digitalen Geräten und Apps persönliche Informationen über das Kind, seine Spielpraktiken oder das Onlineverhalten gesammelt. Diese Daten werden dann an Dritte weiterverkauft, analysiert und ausgewertet. Dies verletzt die Rechte von Kindern auf Privatsphäre. Noch ist gar nicht absehbar, in welcher Weise heute gesammelte Daten in Zukunft weiterverarbeitet oder analysiert werden können. Übrigens: Spielzeuge mit „Überwachungsfunktionen“ verstoßen gänzlich gegen die Privatsphäre der Kinder und sind in Deutschland nicht erlaubt.
Praxistipp zu vernetztem Spielzeug
Bevor intelligente Roboter oder internetverbundene Medien in Kinderhände gelangen, gilt es daher sich einige Gedanken zu machen: Sind die Lern- oder Spielinhalte altersgerecht? Welche Wünsche werden geweckt, welche Fantasien beflügelt? Welche Vorteile ergeben sich aus dem Umgang mit der interaktiven Spielware? Wie kindgerecht ist die Art der Kommunikation bzw. Interaktion? Welche Daten werden gesammelt und für wen sind diese einsehbar? Welche ethischen Standards werden (z.B. in den AGBs) zugrundegelegt? Lassen sich Sicherheitseinstellungen aktivieren? …
Medienpädagogische Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen sowie Elternarbeit in der Kita können einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten. Erwachsene sollten stets darüber nachzudenken was es heißt, wenn immer mehr Alltagsgegenstände, die mit Sensoren und Internetschnittstellen verknüpft sind, über das eigene Leben und das der Kinder mitbestimmen. Studieren Sie zunächst Empfehlungen und Bewertungen. Auf den folgenden Websites finden sich hilfreiche Tipps zum Umgang mit „intelligentem“ Spielzeug, zu vernetzten Alltagsgegenständen und zur Medienerziehung allgemein.
Digitale Medien im Bildungsort Kita
Es ist ein alter Hut, dass die Umsetzung früher Bildung entlang lebensweltlicher Bezüge und zukünftiger Herausforderungen von Kindern erfolgen muss. Wenn Kinder zum Spielzeugtag eine vernetzte Lieblingspuppe mit in die Kita bringen, im Rollenspiel mit einem Bauklotz am Ohr telefonieren oder mit einer imaginären Sprachassistentin sprechen, dann ist die digitalisierte Lebenswelt mitten in der Kita angekommen. Noch nicht angekommen ist vielerorts eine alltagsintegrierte Medienbildung. Diese sollte Kindern ermöglichen, in der Kita über Medienerfahrungen zu reden und Medien kreativ zu nutzen.
Obwohl, einer repräsentativen Umfrage3zufolge, inzwischen 75 % der Kita-Fachkräfte einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien in Kitas befürworten und obwohl Bildungs- und Erziehungspläne der Länder digitale Bildung als Auftrag der Kindertageseinrichtungen festschreiben, ist Medienpädagogik in vielen Einrichtungen noch nicht selbstverständlich. Ein Konzept zum Umgang mit Medien haben nur knapp 20 % der Kitas. Die technische Ausstattung in vielen Kitas kann ebenfalls noch als dürftig bezeichnet werden, fast die Hälfte der pädagogischen Fachkräfte zeigt sich diesbezüglich unzufrieden, wie die oben genannte Umfrage zeigt.
Kindern die Möglichkeit zu geben, die Welt zu entdecken, heißt aber auch, ihnen die Möglichkeit zu geben, diese mit, über und durch digitale Medien zu erkunden und wahrzunehmen. Das heißt nicht ein Mehr an Mediennutzung, sondern eine reflektierte, kritische Mediennutzung, die auch medienfreie Zeiten als wichtig erachtet, um alle Sinne auszubilden.
Medienpädagogik in der Kita soll nicht dazu führen, dass andere wichtige Erfahrungsbereiche ersetzt werden. Vielmehr sollen auch Medien im Themenspektrum und Methodenrepertoire frühkindlicher Bildung einen angemessenen und konzeptionell durchdachten Platz bekommen.4 Kinder erfassen ihre Welt ganzheitlich; was und wie sie lernen, hängt davon ab, welche Möglichkeiten und Anregungen ihr Umfeld bietet und welche Unterstützung sie von Personen im näheren Umfeld erfahren. Digitale Geräte können hilfreiche Werkzeuge sein und damit einen Zugang zur Teilhabe an Kultur und gesellschaftlichem Leben eröffnen.
Hardware, Software und medienpädagogische Methoden in die Kita zu holen, darf aber kein einseitiges Plädoyer dafür sein, die Kita zu einer hochtechnisierten Einrichtung zu machen. Die Mal-App muss und sollte dabei weder den Malblock verdrängen, noch soll das Toben im Garten und das Spiel mit anderen Kindern in den Hintergrund treten. Die pädagogische Fachkraft ist für die Gestaltung einer anregenden Lern- und Erfahrungsumwelt zuständig, als Dialogpartner und Impulsgeber, damit Kinder sich ganzheitlich entwickeln können.5 Diese ko-konstruktiven Prozesse leben insbesondere von unvorhergesehener Kreativität und von spontanen Ideen aller Beteiligten. Ein gutes (Medien-)Bildungskonzept hat das Kind – nicht die Medien – als Individuum im Blick und unterstützt es in seiner Entwicklung und Bildung.
Die digitale Welt verstehen lernen
Medienpädagogik in der Kita ist…
- wenn Kinder ihre Medienerlebnisse und ihre eigene Mediennutzung in Worte fassen und bearbeiten können,
- wenn sie angeregt werden, mit der Digitalkamera Beobachtungen festzuhalten und Prozesse zu dokumentieren,
- wenn sie unter pädagogischer Anleitung Themen bearbeiten und bei Bedarf Medien hinzuziehen können,
- wenn sie nachdenken und z.B. ihren Wunschroboter bauen und gestalten und seine Vorzüge und Nachteile besprechen,
- wenn sie mit dem Mikrofon Geräusche sammeln oder Interviews führen,
- wenn sie ausprobieren, verwerfen und wiederholen können,
- wenn sie einfallsreich, planerisch und auch kritisch mit digitalen Medien umgehen dürfen,
- wenn sie lernen können, dass Medien(inhalte) von Menschen gemacht werden,
- wenn sie selbstwirksam eigene Medienprodukte wie Bilderbücher oder Trickfilmchen erstellen und so die Welt mitgestalten können,
- wenn sie ihre Projektergebnisse anderen präsentieren können,
- wenn sie ihre Lernerfahrungen mit anderen teilen und reflektieren …
Weil die digitale Welt inzwischen von Algorithmen gesteuert wird, bedeutet das nicht, dass Medienerziehung ab heute nur aus informatischer Grundbildung besteht oder dass Kita-Kinder nun programmieren lernen sollen. Aber Kita-Kinder können sich mit logischen Abläufen, also mit Algorithmen beschäftigen. Diese stecken nämlich nicht nur in Computern sondern auch in Abläufen, die Kinder aus ihrem Alltag kennen: etwa beim Kuchen backen oder beim Zähneputzen. Denn Algorithmen sind nichts anderes als Spiel- oder Essenregeln, Bau- oder Bastelanleitungen oder Gebrauchsanweisungen oder Rezepte.
Die Schulung des logischen Denkens ist immer schon ein Teil der mathematischen Bildung im Elementarbereich. Diese kann spielerisch – und sogar ganz ohne Geräte – auf die digitale Welt übertragen werden: Was tut ein Computer, wenn wir auf der Tastatur einen Buchstaben drücken? Wie sortiert ein Roboter bunte Bausteine und was könnte er tun, wenn wir ihn anders programmieren? Mit Kindern ab 4 oder 5 Jahren lassen sich spielerisch solche Grundprinzipien des Programmierens wie Ordnungsprinzipien und Reihenfolgen bearbeiten. Kinder können so ein Verständnis dafür entwickeln, wie die digitale Welt konstruiert und durch Algorithmen gesteuert wird.
Praxistipp zur informatischen Grunderziehung
- Einstieg ins Coding https://rananmausundtablet.de/ideen-f%C3%BCr-die-praxis/medien-zum-thema-machen/coding-mit-kindern/
- Themenseite „Informatik: Ideen zum Forschen und Entdecken“: www.haus-der-kleinen-forscher.de/de/praxisanregungen/experimente-themen/informatik
- Broschüre „Informatik entdecken – mit und ohne Computer“, 1. Auflage, Hrsg.: Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, Berlin 2017, online: www.haus-der-kleinen-forscher.de/fileadmin/Redaktion/1_Forschen/Themen-Broschueren/170731_Broschuere_Informatik_web.pdf
- Das Projekt „Hello Ruby“ von Linda Liukas regt ebenfalls dazu an, sich mit intelligenten Technologien und deren Programmierung auseinanderzusetzen: http://www.helloruby.com
Tablets in der medienpraktischen Arbeit
Aktuelle Kita-Gesetze (z.B. in NRW oder Niedersachsen) nehmen die Einrichtungen gerade auch zum Thema sprachliche Bildung wieder mehr in die Pflicht. Medien eröffnen schon lange die Möglichkeit, die Sprachentwicklung zu unterstützen. Mit Kassettenrekorder und Mikrofon oder den Easi-Speak-Mikros lassen sich Interviews führen, Gespräche, Stimmen, Lieder oder sogar kleine Hörgeschichten und Geräuschrätsel aufnehmen und abspielen. Die einfache Handhabung und die sofort verfügbaren Ergebnisse motivieren die Kinder zum Sprechen. Der Einsatz eines Tablets vereinfacht durch seine Handlichkeit und leichte Bedienung das spontane, situationsorientierte Agieren. Die Geräte sind leicht, flexibel, wenig störanfällig, haben passable Akkulaufzeiten und sind mit einer guten Schutzhülle versehen auch stoßsicher geschützt. Die Multifunktionalität ermöglicht zudem, Ton und Bild ohne großen Aufwand zu verbinden, denn in dem Gerät stecken auch ein Fotoapparat, eine Videokamera und eine Fülle von kreativen Werkzeugen und Anwendungsmöglichkeiten. Diese machen es möglich, digitale Malereien, Bilder- und Geräuscherätsel, Fotogeschichten und -collagen, Trickfilme u.v.m. zu erstellen. Tablets eröffnen nunmehr so multimediale Optionen.
Bedacht werden muss, dass die Geräte gewartet werden müssen. Auch Zeit muss eingeplant werden, um Ergebnisse zu sichern, personenbezogene Daten zu schützen, Updates aufzuspielen oder nach neuen und altersgerechten Apps zu recherchieren und diese zu installieren. Wenn digitale Geräte eingesetzt werden, ist grundsätzlich auf den Datenschutz und den Schutz des Kindes zu achten. Insbesondere die Persönlichkeitsrechte der Kinder müssen geschützt werden. Foto- oder Audioaufnahmen und deren anschließende Präsentation setzen voraus, dass eine Einwilligungserklärung der Eltern vorliegt. Infos darüber, welche Daten in Kindertageseinrichtungen erhoben werden dürfen und was beim Datenschutz beachtet werden muss, finden sich in der Broschüre „Datenschutz in Kindertagesstätten zum Schutz des Kindes“.6
Praxistipp zur Arbeit mit Apps
- Orientierungshilfen und Empfehlungen zum Einsatz von Kreativ-Apps unter „BildungshAPPchen“: www.blickwechsel.org/medienpaedagogik/bildungshappchen
- Ein- und Überblick in das App-Angebot für Kinder in der Datenbank des Deutschen Jugendinstituts; gezieltes Recherchieren über Suchmaske, Impulse für den Praxiseinsatz: www.dji.de/ueber-uns/projekte/projekte/apps-fuer-kinder-angebote-und-trendanalysen/datenbank-apps-fuer-kinder.html
- Infos zu Kostenfallen in Apps und mobilen Netzen gibt es auf https://www.handysektor.de/artikel/in-app-kaeufe-und-app-billing-kostenfallen-einfach-erklaert
- Links zu Sicherheitseinstellungen und Datenschutz sind hier zu finden: https://blickwechsel.org/materialien/sicherheit-datenschutz-recht/
Vor dem Einsatz sollten die Apps getestet und ggfs. wieder vom Gerät gelöscht werden. Beachten Sie dabei:
1. Vorzugsweise Apps nutzen, die ohne Internetzugang auskommen, so kann das WLAN beim Einsatz der Geräte ausgeschaltet bleiben. Berechtigungen nach der Nutzung (oder wenn sie nicht benötigt werden) abschalten.
2. Apps nutzen, die ohne Cloud auskommen, solange diese nicht akzeptable Datenschutzrichtlinien gewährleisten kann. Die erstellten Produkte (Fotobücher, Zeichnungen, Trickfilme, Collagen …) stattdessen im Speicher der Geräte und nach dem Projekt auf einer externen Festplatte speichern und vom Gerät löschen. Es kann passieren, dass nach einem Geräte-Update eine App in seiner Funktion eingeschränkt oder gar nicht mehr zu nutzen ist, solange der Anbieter der App diese nicht an das neue System angepasst hat. Solches muss bei der Projektplanung geprüft werden.
3. Kostenfreie Apps können nach Aktualisierungen kostenpflichtig werden, daher sollte die Funktion „Automatische Updates“ ausgeschaltet sein.
Fazit
Kinder haben ein Recht auf Zugang, Bildung und Partizipation und auf Schutz in der digitalen Welt. Die Kita als Bildungsinstitution muss sich diesen Herausforderungen stellen und sich dabei auf ihre pädagogischen Grundprinzipien besinnen. Technologien sollte niemals kopflos hinterher gehechelt werden, sondern die Chancen sollten genutzt und die Risiken müssen präventiv, durch intelligentes Risikomanagement7 erkannt und, so gut es geht, ausgeschlossen werden.
Das setzt natürlich voraus, dass entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Neben einer praktikablen Ausstattung (für Kinder und das pädagogische Team) mit hohen Qualitätsmaßstäben (z.B. ausgewählte Apps, einer Bildungscloud, die auch den Fachkräften einen rechtsicheren Raum ermöglicht) und einem guten Support bedarf es auch Beratungsangeboten, Aus- und Weiterbildungen und kontinuierlichen auf die Einrichtungen zugeschnittenen Fortbildungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang sollte es auch Qualitätsstandards von medienpädagogischen Angeboten geben.
Plattformen mit Open Educational Resources (OER)8und Open Access9, die kostenlose, barrierefreie Zugangsmöglichkeiten zu Informationen und Wissen liefern, sollten ebenso gefördert werden wie Formate zur Weiterbildung in Form von Online-Kursen, Webinaren oder Blended Learning-Kursen, die Lernen, Interaktion, Austausch und Kollaboration ermöglichen. Neben Onlineangeboten sollten Kitas kontinuierliche und zuverlässige Unterstützung und Beratung vor Ort erhalten können.
Kitas und Träger sowie Fachschulen für Sozialpädagogik, medienpädagogische Anbieter u.a. sollten ihre Kooperationsmöglichkeiten auf- und ausbauen und sich miteinander vernetzen.
Kitas benötigen eine Pädagogik, die sich den neuen Herausforderungen stellt, und einen Weg findet, die Bildungschancen in den neuen Technologien gut abzuwägen und maß- und sinnvoll zu nutzen. Erkenntnisse dazu können aus aktuellen Modellversuchen wie z.B. „Medien-Kids“ in Bremen, „Digitale Medien in der frühkindlichen Bildung“ in NRW oder „Medienkompetenz in der Frühpädagogik stärken“ in Bayern gewonnen werden.
Die Kita ist und bleibt ein geschützter Ort, in dem Kinder sich ausprobieren und selbst bilden sowie in allen Bildungsbereichen Erfahrungen sammeln und Kompetenzen erwerben können. Schauen wir das Eingangsbeispiel an, den fiktiven, aber durchaus nicht unrealistischen Tagesablauf eines Kindes in der heutigen Zeit, dann ist Medienbildung von Anfang an als gesellschaftliche Forderung zwingend.