Magazin für die pädagogische Praxis

Fachbeiträge

Mehrere Kinder, die über einem Stadtplan hocken und diesen genau inspizieren

Mission Mitmischen

Politische Partizipation im (medien-)pädagogischen Alltag

In der 1992 auch von der BRD ratifizierten UN-Konvention „Rechte des Kindes“ wird die altersgerechte Beteiligung Jugendlicher und Kinder an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen gefordert. Schließlich sind junge Menschen in vielen Bereichen – gerade wenn es ihren Lebensalltag betrifft – kompetent und haben eine ernstzunehmende Meinung. Dieser eine eigene öffentliche „Stimme“ zu geben, junge Menschen exemplarisch parlamentarisches Handeln erleben zu lassen oder ihnen eine Chance zur aktiven Medienproduktion zu politischen Themen zu eröffnen – politische Partizipation präsentiert sich im pädagogischen Alltag überaus vielfältig. Vom Großevent bis zur Eigeninitiative Jugendlicher:  Stichproben lokaler, regionaler und bundesweiter Beteiligungsprojekte.

„Rettet die Wahlen“’ heißt das aktuelle Motto des Initiativenpreises des Paritätischen Jugendwerks NRW. Dieser Titel macht deutlich, dass die Wahlbeteiligung keine Selbstverständlichkeit ist – in keiner Altersgruppe. Die deutschen Parteien twittern, bloggen, pod- und vodcasten, um im Superwahljahr 2009 beim Wähler präsent zu sein. Sie nutzen die „neuen” Möglichkeiten des Internets, um ihre Inhalte zu transportieren. Schließlich wollen sie ihre potenziellen Wähler nicht nur informieren, sondern gewinnen und binden. Und in Zeiten sinkender Wahlbeteiligungen gibt es eine Menge zu tun, zumal herkömmliche Wahlkampfstrategien größtenteils auf die Möglichkeiten des Web 2.0 bloß übertragen werden. Fraglich ist, ob „Yes We Can!” in der Bundesrepublik funktioniert hätte, ob alte Taktiken und Inhalte aufgepimpt mit den neuen Verbreitungswegen via Internet greifen können. Eine wichtige Adressatengruppe für die PR-Strategen der Parteien sind die Erstwähler, die ebenso selbstverständlich mit der deutschen Einheit wie mit dem Internet aufgewachsen sind. Online eine für Jugendliche attraktive Form der Ansprache, Informationsvermittlung und Beteiligung zu finden, muss Politik noch (mühsam) lernen. So twittert die SPD munter URLs, die keinen aktuellen Bezug haben, und weisen damit lediglich auf ihre Online-Präsenz hin. Bundeskanzlerin Merkel vodcastet wöchentlich, aber in einem stilvollen Ambiente ähnlich der Neujahrsansprache. Diese Nachrichten erreichen in erster Linie informierte Bürger, die nicht mehr überzeugt werden müssen. Sie vermitteln Erstwählern weder, dass Wählen ein wichtiger Akt in einer Demokratie ist, noch geben sie ihnen Argumente an die Hand für ihre Entscheidung, welche Partei sie wählen sollen.

Von Jugendlichen für Jugendliche

In der pädagogischen Praxis hat der Begriff ‘Partizipation’ seit einigen Jahren Hochkonjunktur. Mit Hilfe von Beteiligungsprojekten soll die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen gestärkt werden. Mitgestaltet wird auf vielen Ebenen, mit unterschiedlichen Reichweiten, Schwerpunkten, Vorgehensweisen und Zielgruppen, wobei stets die „Nachhaltigkeit“ das verbindende Anliegen aller pädagogischen Bemühungen ist. Kinder und Jugendliche sollen in Schule und Jugendarbeit fit gemacht werden zur Wahrnehmung ihrer Bürgerrechte, die sich zumeist in der aktiven Ausgestaltung ihrer Lebenswelt niederschlägt. Politische Partizipation jedoch wird in den seltensten Fällen konkret angestrebt, vielmehr geht es darum, Bewusstsein für demokratische Prozesse zu schaffen und Beteiligung bei Entscheidungen in ihrem konkreten Umfeld zu praktizieren. Partizipation geht dabei häufig einher mit politischer Information und Bildung.  Im Folgenden werden Beispiele politischer Projekte/Aktionen vorgestellt, die die verschiedenen Aspekte und Zielsetzungen partizipatorischer Prozesse aufzeigen. Verstärkt werden Projekte mit Medieneinsatz berücksichtigt.

Grundsätzlich verfolgen alle Ansätze, die sich das Thema Partizipation auf die Fahne schreiben, das Ziel, das Selbstvertrauen der Jugendlichen zu stärken, um ihnen so Rüstzeug zur eigenen Meinungsbildung und -äußerung mitzugeben. So werden im pädagogischen Alltag Entscheidungen von den Jugendarbeitern nicht vorgegeben, sondern gemeinsam erarbeitet und neben dem Aushandeln von Gruppenprozessen individuelle Förderung praktiziert. Dabei wird im Rahmen pädagogischer Arbeit versucht, vielfältige Bezüge zur Lebenswelt der Jugendlichen herzustellen.

Bei den ca. 100 Videoproduktionen, die alljährlich beim Medienprojekt Wuppertal entstehen, erarbeiten die jungen FilmemacherInnen ihren Stoff in Eigenregie, arrangieren die Drehs und verantworten den Schnitt. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14-28 Jahren werden produktorientiert bei ihren eigenen Videoarbeiten unterstützt. Nach dem Motto „Jugendliche klären am besten Jugendliche auf“ werden die Ergebnisse seit Anfang der 90er regelmäßig im Kino einem großen Jugendpublikum vorgestellt und die Hälfte der Videos bundesweit über eine eigene Edition und über diverse Verlage als Bildungs- und Aufklärungsmedien vertrieben. Der Ansatz, Video als Sprachrohr für die Anliegen Jugendlicher zu nutzen, geht bereits auf die 70er Jahre zurück, als der Jugendfilmclub Köln (heute jfc Medienzentrum) Videobeiträge aus Kölner Jugendeinrichtungen im Jugendvideomagazin Lurens zusammenführte, deren Ausgaben dann regelmäßig in Kölner Einrichtungen vorgeführt und diskutiert wurden. Heute mischen Jugendliche aus Jugendeinrichtungen in Köln im Internet mit. Seit 2008 engagieren sie sich in unterschiedlichen Zusammenhängen bei der Fortschreibung des kommunalen Kinder- und Jugendförderplans. Die Internetplattform Mitmischen in Köln (AdR: Nicht mehr online) dokumentiert ihre Perspektiven, Wünsche und Vorschläge.

Du hast die Wahl

Diese drei Projekte seien nur beispielhaft für eine breite Palette mediengestützter Partizipationsprojekte erwähnt, die Öffentlichkeit für die Sichtweisen und Meinungen von Jugendlichen schaffen. Im Superwahljahr 2009 versuchen nun zahlreiche Projekte, die Ergebnisse jugendlicher Sichtweisen auch an die Politik weiterzuleiten und richten Plattformen ein, auf denen Jugendliche sich informieren, aber auch ihre Meinung öffentlich Ausdruck geben können. Dein Köln – Deine Wahl titelt der Kölner Jugendring z.B. sein Angebot zur aktiven Mitgestaltung im Vorfeld der Kommunalwahl. On- wie offline können Jugendliche Themen aufwerfen und konkrete Fragen an die lokale Politik formulieren. Ein Wahl-o-Mat, wie ihn die Bundeszentrale für die Europawahl angeboten hat, wird auf der Themengrundlage vom Kölner Jugendring aufgebaut, der insbesondere Erstwähler zur Wahlteilnahme motivieren und gleichzeitig Entscheidungshilfe bieten soll. Auch die Plattform Deine Stimme im Jugendnetz Baden-Württemberg bietet den Jugendlichen – gerade auch im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2009 – die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge zu machen. Die Initiative U18 – Die Wahl für Kinder und Jugendliche, die das Ziel verfolgt,junge Menschen dabei zu unterstützen, Politik zu verstehen, Unterschiede zu erkennen und Versprechen zu hinterfragen“, bietet dies in ähnlicher Form auf Bundesebene.

Inwieweit die Lebenswelt der Zielgruppe berücksichtigt wird, ist dabei vielerorts von den beteiligten Institutionen abhängig. Die Lokalpolitik wird auf jeden Fall von den Ergebnissen auf diesen Internetplattformen, bei denen Information und Partizipation gepaart sind, Notiz nehmen müssen, denn sie ist direkter Adressat. Inwieweit ein dauerhaftes Engagement auf beiden Seiten angeregt wird, darüber kann nur spekuliert werden.

Aktiver Blick in die Geschichte

Andere Aktionen, Projekte und Angebote wollen Partizipation verstärkt durch aktive Bildung und Aufklärung anstoßen. Durch den Blick zurück in die Geschichte oder über Grenzen in andere Länder und Kulturen wird individuelles Engagement geweckt. Jugendliche aus den neuen Bundesländern erforschen z.B. im Rahmen des Projektes Zeitensprünge spannende Geschichten zu historischen Ereignissen in ihrer unmittelbaren Umgebung. In fester Kooperation mit Schulen spüren die Videokids Zeitzeugen nach und erarbeiten sich so selbst grundlegendes Wissen jenseits der Geschichtsbücher.

Weiße Flecken  – Unsere Zeitung füllt journalistische Lücken aus der NS-Zeit!“ heißt das aktuelle Motto von Step21. Die Initiative für Toleranz und Verantwortung setzt mit ihrem medienpädagogischen Programm verstärkt darauf, Kinder und Jugendliche durch aktive Auseinandersetzung und Beteiligung an gesellschaftlicher Meinungsäußerung dabei zu unterstützen, Rückgrat zu entwickeln und gegen Unrecht, Diskriminierung und Gewalt aufzustehen. Für die dritte Zeitungsausgabe spürten 16 Teams aus vier Ländern (Polen, Tschechien, Österreich, Deutschland) seit Oktober 2008 Falschmeldungen und Unterlassungen der lokalen Presse bei der Berichterstattung aus der NS- Zeit bzw. der deutschen Besatzungszeit auf. Bundeskanzlerin Merkel las am 30.06.2009 exklusiv die Erstausgabe.

Mitmischen im Alltag

Neben der schon seit den 70er Jahren praktizierten Wahl eines Jugendrates im Jugendzentrum (noch längst nicht überall üblich und gewollt), gibt es seit den 90er Jahren auch die Arbeit in Kinder- und Jugendforen oder -räten und -parlamenten auf kommunaler und auf Landesebene. In welcher Farbe soll der Jugendraum gestrichen werden, wie soll der Spielplatz vor dem Haus gestaltet sein, welche Bands spielen beim nächsten Jugendfestival – das sind Fragestellungen, die in diesen Gremien diskutiert und beschlossen werden. Dieser Ansatz der Partizipationsarbeit im pädagogischen Alltag setzt auf Information über politische Strukturen und vor allem Gremienarbeit.

In Jugendinitiativen und Verbänden ist die Beteiligung der Jugendlichen an internen Prozessen jedoch struktureller Bestandteil.1 Der nordrhein-westfälische Landesverband der Volkshochschulen startete 2008 in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW ein Modellprojekt, in dem Jugendliche über die politischen Strukturen informiert werden und eigene Aktionen zur Veränderung ihres Umfeldes in der Gruppe umsetzen. Am Ende des 30-stündigen Kurses steht eine Prüfung mit Zertifikat, von dem sich eine Anerkennung bei zukünftigen Arbeitgebern erhofft wird.

Das Einbringen der Ergebnisse in (jugend-)politische Zusammenhänge gestaltet sich – zumindest im Projektzeitraum – allerdings größtenteils schwerfällig.

Jungpolitiker und Nachwuchsjournalisten

Insbesondere Angebote von Seiten der Politik sollen politische Prozesse für Jugendliche erlebbar machen. So wird beispielsweise unter Leitung der Stadt Köln jährlich eine Ratssitzung mit drei Schulklassen unter Beteiligung des Oberbürgermeisters simuliert. Im Vorfeld werden Anträge erarbeitet, Fraktionen gebildet, Abstimmungsprozesse erläutert und Argumente abgewogen. Am Tag der Jugend im Rathaus zeigt sich dann, wer gut vorbereitet ist und überzeugen kann. Ebenso breit ist der Jugend-Landtag NRW angelegt, der Jugendlichen ermöglicht, ihren Politikern über die Schulter zu schauen. Unabhängig davon gibt es ein Jugendangebot im Netz, das mittels Quiz, Erfahrungsberichten etc. die Arbeitsweise des nordrhein-westfälischen Landesparlaments transparent machen will.

Das Onlinemagazin schekker.de wird vom Bundespresseamt verantwortet. Jugendliche ReporterInnen berichten mit Unterstützung von Redakteuren des Jugendmagazins Spiesser über politische Themen. Auch die Website von Du machst (AdR: Nicht mehr online), dem Förderprojekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) für mehr Jugendbeteiligung, wird bis Mitte 2009 von einem jungen Redaktionsteam betreut. Die Jungjournalisten berichteten über politisches und soziales Engagement in Deutschland und der Welt.

Nicht nur Jugendliche, auch Kinder stehen im Fokus von Partizipationsprojekten, in denen ihre Meinungen, Wünsche und Kritik ernst genommen werden. Die Münchener Spiellandschaft Stadt erprobte schon früh das demokratische Potenzial des damals noch jungen Internets. Besucherinnen und Besucher der Aktivitäten des Spielmobils recherchierten in ihrem Umfeld und entwickelten Kriterien zur Bewertung ihrer Spielplätze. So entstand mit dem Kinderstadtplan München eine regionale Informationsplattform von Kindern für Kinder und weitere Interessierte, die auch für Stadtplaner aufschlussreiche Hinweise bieten dürfte.

Kinder kommen als Experten in eigener Sache auch beim Projekt spinxx.de – Onlinemedienkritik zu Wort. In diesem Projekt des jfc Medienzentrums setzen sich 10- bis 15-Jährige in Redaktionsgruppen in NRW und auch einzelne Redaktionen im ganzen Bundesgebiet mit Kinofilmen, Computerspielen oder TV-Soaps auseinander. Die Entwicklung eigener Kriterien, der Blick hinter die Kulissen, die Eigenproduktion elektronischer Medien und vor allem das eigene Bewerten auf der Online-Plattform sind wesentliche Bestandteile. Auf regelmäßig veranstalteten „Kritikergipfeln“ kommen die Kinder aus verschiedenen Redaktionen zusammen, um gemeinsam zu einem Thema zu diskutieren und zu produzieren (z.B. 2008 „Fake it- Manipulation in den Medien“ , 2009 „Wie, wo, was will Werbung – produzieren, kritisieren, reklamieren“)

Bleiben Jugendliche dran?

Der Freiburger Jugendgipfel bietet neben Information aktive Beteiligung, Gremienarbeit und politischen Diskurs mit dem Ziel „… allen Jugendlichen Freiburgs an diesem Tag die Chance zu geben, sich einzubringen, Gedanken, Wünsche und Meinungen auszutauschen“. Die Aktionsplattform Move it Freiburg (AdR: Nicht mehr online), die im Frühjahr 2009 Premiere feierte, entstand aus der Arbeit des Freiburger Jugendgremiums. Unter Federführung des Jugendbildungswerks Freiburg unterstützt es seit 2007 Jugendliche dabei, ihr Recht auf Beteiligung kontinuierlich wahrzunehmen.

Ein heikler Punkt bei Partizipationsprojekten ist die Kontinuität der Teilnahme der Jugendlichen. Auch in der alltäglichen Jugendarbeit wird häufig beklagt, dass junge Leute gerne punktuell, aber selten für langfristige Arbeit zu binden sind. Zudem ist die Motivation der Zielgruppe oft nur über Umwege zu gewinnen. Wie aber politische Arbeit fördern und die Ergebnisse legitimieren, wenn die Teilnehmenden häufig wechseln? Oft wird ein langer Atem benötigt, um Interessen durchzusetzen, werden Spielplatzplanungen erst, wenn überhaupt, umgesetzt, wenn die ehemals am Projekt beteiligten Kinder bereits volljährig sind. Eine feste Kooperation mit dem Sozialkundekurs der Stufe 11 einer Gesamtschule stellte in Freiburg sicher, dass sich ein arbeitsfähiges Team von ca. 20 jungen Menschen für die Umsetzung des Gipfels verantwortlich fühlte. Mit Spannung darf beobachtet werden, wie dieses noch junge Gremium und der Gipfel Fuß fassen.

Medienproduktion als Attraktion

Annäherung an Politik mit Mikrofon oder Kamera bietet das Projekt Zoom auf Politik in deiner Stadt unter Federführung des jfc Medienzentrums seit 2008. Die Förderung durch das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW ermöglicht acht Redaktionsgruppen, Aspekte lokaler Politik zu erarbeiten. Bei der Bewerbung der Mitarbeit vor Ort war es nach Aussagen der beteiligten Fachkräfte ganz wichtig, dass die Aussicht auf Radio- und Videoarbeit im Mittelpunkt stand und nicht das trockene und untransparente Feld der Politik. Gleichwohl setzten und setzen sich die Beteiligten damit intensiv auseinander. Kann die Bürgerinitiative den heißersehnten Bau der Disco gefährden? Wie wird man Bürgermeisterin? Welche politische Meinungsvielfalt besteht zum Thema Kinderbetreuungsplätze? Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie auf einer gemeinsamen, eigens für das Projekt entwickelten Plattform. Das Content-Management-System (CMS) ermöglicht ihnen einen selbstständigen Umgang. Die Anziehungskraft der eigenen Medienproduktion ist nicht zu unterschätzen, wenn es darum geht Jugendliche zu binden. Die Auseinandersetzung mit (lokal)politischen Themen wurde so auf Umwegen für die Beteiligten attraktiv. Inwieweit die Ergebnisse in (jugend-)politischen Strukturen vor Ort berücksichtigt werden und ob mit dem Projekt Erstwähler gewonnen werden können, ist noch offen.

Eigeninitiative junger Leute

Großevents wie das Festival für junge Politik (berlin 08, berlin 05 von bpb, Bundesfamilienministerium und Bundesjugendring gefördert), das über drei Tage Politik und Kultur, Sport und Unterhaltung, Campen und Feiern anbietet,regen auf breiter Basis Beteiligung an. Sie bieten den im Vorfeld geförderten Projekten eine breite Öffentlichkeit und laden zum Mitgestalten ein. „Wer, wenn nicht wir! Wo, wenn nicht hier!“ lautet folgerichtig das Motto des Jugendfestivals Prora 06, das sich jugend- und landesrelevanten Themen in Mecklenburg-Vorpommern widmet. Inwiefern sich die Besucherinnen und Besucher anschließend nachhaltig engagieren, ist nicht zu eruieren, ebenso wenig, was den Ausschlag zum Besuch der Veranstaltung gab: der Inhalt der Workshops, das Motto oder die Band. Für viele Projekte ist das Festival aber sicherlich anregend, um neue Kontakte zu knüpfen sowie Ideen und Pläne zu entwickeln. Der frisch im April 2009 gegründete Verein yoin! e.V. holte sich dort z.B. den letzten Anstoß, aktiv zu werden. Bereits Jahre zuvor hatten die 17-19-jährigen Initiatoren die Idee zu einem unabhängigen politischen Jugendwebmagazin. Über das Internet wurden Interessenten aus dem ganzen Bundesgebiet auf die Idee aufmerksam. Bis jetzt haben ca. 70 ReporterIinnen ihre Mitwirkung angekündigt. Ergänzend zur aktuellen Berichterstattung wird eine aktuelle politische Fragestellung, relevant für den deutschsprachigen Raum, pro und contra diskutiert. Die Suche nach Fördermitteln bestimmt derzeit ihre Aktivitäten, denn durch Werbung wollen sie ihre Plattform nicht finanziert wissen.

Fazit

Medienpädagogische Partizipationsprojekte sind im Web 2.0 angekommen und nutzen dessen demokratisches Potenzial für ihre Arbeit. Welche Zielgruppen bei den verschiedenen Angeboten jedoch erreicht werden, ist fraglich. Stellen die aktuellen KIM- und JIM-Studien auch eine flächendeckende Versorgung mit Computern in Privathaushalten fest, so ist deren Nutzungsqualität doch sehr unterschiedlich. Der digital divide ist und bleibt eine Herausforderung für den Bildungsbereich, gerade auch im Hinblick auf bildungsbenachteiligte Jugendliche.

Sind die technischen Voraussetzungen für eine zielgruppengerechte politische Partizipation vorhanden, so gibt es doch noch wenig Projekte langfristiger Arbeit mit jungen Leuten, die in real erfahrbare Resultate im konkreten Umfeld der Beteiligten münden. Sicherlich ist es wichtig, Jugendliche an parteipolitisches Handeln heran zu führen, vor allem sind Jugendliche aber über die Auseinandersetzung mit ihrer persönlichen Lebenswelt und konkreter Veränderung ihrer Lebensbedingungen zu gewinnen – und dies nicht nur punktuell oder zu Wahlkampfzeiten, wenn Angebote politischer Bildung vermehrt gefördert werden.

Jugendliche kontinuierlich jenseits von Schule an politisches Denken und Handeln heranzuführen, ist sicherlich schwierig; Medien – insbesondere die Medienproduktion – bieten hier einen attraktiven Anreiz, sich auch mit sperrigeren Themen zu beschäftigen. Auch die Vernetzung von realer und virtueller Welt ist als pädagogisches Element bei der Planung von Partizipationsprojekten mit einzubeziehen. Internetkontakte wie auch gemeinsames Erleben in einer Peer Group mit Gleichgesinnter bildet gerade bei Jugendlichen einen wesentlichen Motivationsfaktor für Engagement und macht sich nachhaltig bemerkbar.


Anmerkungen
  1. 1. Siehe: Mitwirkung mit Wirkung - Positionsbeschreibung zur Partizipation, in: Partizipation in Verbänden, Deutscher Bundesjugendring, Aktionsprogramm für mehr Jugendbeteiligung, Berlin 2008, S. 8/9, www.dbjr.de.