Magazin für die pädagogische Praxis

Fachbeiträge

ein Ausschnitt von einem bunten Filmstreifen

Vom Aufbrechen und Ankommen

Filme zum Thema Migration

Mehr als 60 Mio. Menschen befinden sich derzeit weltweit auf der Flucht, mehr als jemals zuvor seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Thema Migration beschäftigt die Deutschen und mit ihnen die europäischen Nationen zurzeit auf besondere Weise. Vergessen wird dabei manchmal, dass die Themen Migration und Integration über die Jahrzehnte hinweg immer aktuell geblieben sind und auch schon in früheren Jahrhunderten eine Rolle spielten. Die nach verschiedenen Aspekten ausgewählten Filme zum Thema aus einer Gesamtliste von weit über 100 derzeit auf DVD oder als Blu-ray im Handel verfügbaren Titeln möchten für jede Form von filmkultureller Arbeit und eine Vielzahl von möglichen Zugängen anregen. Zugleich setzen sie ein Zeichen für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Migration sowie den Herausforderungen und Chancen, die damit auch für Deutschland verknüpft sind. Ganz aktuelle Kinofilme, wie der gerade erst in den Kinos gestartete Preisträgerfilm der Berlinale 2016 Seefeuer (Fuocoammare) sind in der folgenden Empfehlungsliste nicht berücksichtigt.

Almanya – Willkommen in Deutschland

D 2011, Regie: Yasemin Samdereli, mit Fahri Yardim, Vedat Erincin, Demet Gül, Lilay Huser, Aylin Tezel, Denis Moschitto u.a., 97 Min., FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren

Vor dem sich abzeichnenden tiefen Riss in der türkischen Gesellschaft ein gutes Beispiel für Integration trotz aller Identitätsprobleme.

Der sechsjährige Cenk ist unglücklich. Die türkischen Kinder wollen nicht mit ihm spielen, weil er deutsch sei und die deutschen nicht, weil er türkisch sei. Seine Familie kam bereits in den 1960er-Jahren nach Deutschland. Als Gastarbeiter wollten sie nur kurze Zeit bleiben, doch keiner ist in die Türkei zurückgekehrt. Erst jetzt will Cenks Opa noch einmal die Reise zurück in seine Heimat antreten, in der er spontan ein Haus gekauft hat. So macht sich die gesamte Familie auf den Weg nach Anatolien und Cenk erfährt anhand vieler Geschichten, wie es seinen Eltern damals als Fremde in Deutschland ergangen ist und wohin er wirklich gehört. Das Drehbuch zum Film schrieb Regisseurin Yasemin Samdereli gemeinsam mit ihrer Schwester Nesrin nach autobiografischen Erinnerungen. Dank humorvoller Szenen und einer Fantasiesprache, die das Deutsche ersetzt, gelingt es ihnen, das Gefühl der Fremdheit in der anderen Kultur auf den Punkt zu bringen, ohne je in eine billige Klamotte abzurutschen. Ein berührender, ehrlicher und zutiefst menschlicher Film zum Thema Heimat, Fremdheit und Integration.

Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht

D / F 2013, Regie: Edgar Reitz, mit Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Marita Breuer u.a., 230 Min., FSK 6, empfohlen ab 12 Jahren

Das bildgewaltige Mammutwerk von „Heimat“-Regisseur Edgar Reitz erinnert daran, dass vor über 150 Jahren viele Menschen wegen Armut oder politischen Konflikten aus Deutschland auswandern mussten.

Mit seinen Filmzyklen über die Bewohner eines Hunsrückdorfes hat Edgar Reitz Filmgeschichte geschrieben. Bei seinen Recherchen entdeckte er, dass sich im 19. Jahrhundert viele Menschen gezwungen sahen, Deutschland zu verlassen, um in Südamerika und insbesondere in Brasilien eine neue Heimat zu finden. In der Hoffnung dass sich die Motive der heutigen Einwanderer durch diesen historischen Vergleich besser verstehen lassen, erzählt er in seinem neuen Film von den Bauernjungen Jakob und Gustav, die beide ein Auge auf die Tochter eines verarmten Edelsteinschleifers geworfen haben. Der belesene Jakob, ein visionärer Tagträumer, möchte mit ihr für ein besseres Leben auswandern, doch am Ende ist es sein tatkräftiger älterer Bruder, der diesen Plan ohne Skrupel in die Tat umsetzt. Der fast vierstündige Film fesselt über die gesamte Laufzeit und lässt mitfühlen an den anrührenden und in starken Bildern erzählten Schicksalen der Auswanderer und der Daheimgebliebenen.

Auf der anderen Seite

D / T 2007, Regie: Fatih Akin, mit Tuncel Kurtiz, Nursel Köse, Baki Davrak, Hanna Schygulla, 122 Min., FSK 12, empfohlen ab 14 Jahren

In seinem vielschichtigen Schlüsselwerk, das in Deutschland und der Türkei spielt, lässt Fatih Akin beide Kulturen gleichberechtigt nebeneinander bestehen und einander begegnen.

Der alte Witwer Ali lernt in einem Hamburger Bordell die Prostituierte Yeter kennen. Gegen den Widerstand seines Sohnes Nejat, einem Germanistikprofessor, lässt er sie bei sich einziehen. Nachdem Ali Yeter bei einem Streit erschlagen hat, reist Nejat in die Türkei, um Yeters Tochter Ayten zu suchen. Doch diese ist nach Deutschland geflüchtet, da sie in ihrem Heimatland als politische Aktivistin von der Polizei verfolgt wird. Dort taucht sie bei Lotte unter, einer jungen Studentin aus gutem Hause, die sich zur Bestürzung ihrer Mutter Susanne in Ayten verliebt. Mit diesem Film setzt Fatih Akin seine Trilogie um „Liebe, Tod und Teufel“ fort, die er mit GEGEN DIE WAND begonnen hatte. Er folgt dem Weg von sechs Menschen, die nicht viel miteinander zu tun haben, bis sich Verknüpfungen und Überschneidungen ergeben. Das ist kunstvoll und zugleich mitreißend erzählt und getragen von hervorragenden Schauspielern. Ein kleines Meisterwerk über Schmerz und Verlust, Abschied und Tod, aber auch Neuanfang und Heimkehr.

The Contest – In geheimer Mission

DK 2013, Regie: Martin Miehe-Renard, mit Sylvester Byder, Malika Sia Graff, Line Kruse, Lars Knutzon u.a., 93 Min., FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren

Manchmal sind es Einheimische, die sich erst „integrieren“ müssen und nicht Menschen mit Migrationshintergrund.

Mit diesem dramaturgischen Kunstgriff erzählt der erfahrene Autor, Regisseur und Musiker Martin Miehe-Renard die Geschichte einer alle Vorurteile überwindenden Freundschaft. Der auf dem Land aufgewachsene 12-jährige Karl, der mit seiner Mutter in die Großstadt Kopenhagen kam, fühlt sich dort fremd, bis er seine Mitschülerin kennenlernt: die türkischstämmige Muslimin Sawsan, die sich längst integriert fühlt. Gar zu gerne würde die begabte Sängerin beim Finale einer Fernseh-Castingshow dabei sein, doch ihre traditionsbewussten Eltern erlauben es nicht. Ihrer Meinung nach hat ein muslimisches Mädchen bei einer Fernsehshow nichts zu suchen. Da hilft nur noch eine geheime Mission, bei der Karl und Sawsan von zuhause abhauen und zum Austragungsort der Show reisen. Natürlich werden sie bald im ganzen Land gesucht und die Erwachsenen sehen sich gezwungen, ihre eigenen Vorstellungen und Vorurteile neu zu überdenken. Eine mit viel Humor und Schwung inszenierte Geschichte mit humanistischer Botschaft und echtem musikalischem Drive.

Deine Schönheit ist nichts wert

AU 2013, Regie: Hüseyin Tabak, mit Abdulkadir Tuncer, Nazmi Kirik, Lale Yavas, Yüsa Durak, Milica Paucic u.a., 81 Min., FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren

Was fühlt ein Kind, das sich ohne Kenntnis der Sprache und ohne Unterstützung durch die Erwachsenen in einem fremden Land findet?

Ganz aus Augenhöhe des kleinen Veysel erzählt der in Deutschland aufgewachsene kurdischstämmige Regisseur Hüseyin Tabak, der in Österreich bei Michael Haneke Film studierte, in seinem Debütspielfilm von einer solchen existenziellen Situation. Vor wenigen Monaten erst ist Veysel mit seinen kurdisch-türkischen Eltern und dem älteren Bruder nach Österreich geflohen. Die Familie beantragt Asyl, denn Veysels Vater saß als kurdischer Guerilla-Kämpfer jahrelang im türkischen Gefängnis und fühlt sich nach der Entlassung weiterhin verfolgt. Der Zusammenhalt der Familie ist auch in Wien bedroht. Veysels Bruder rebelliert gegen den Vater und gleitet ins Drogenmilieu ab, während Veysel sich in der Schule durch die fremde Sprache überfordert sieht. Einziger Lichtblick ist seine von der Abschiebung bedrohte bosnische Klassenkameradin Ana, der er seine Gefühle lange nicht vermitteln kann. Die elliptisch erzählte Straßenbahn-Sequenz, in der ihm das gelingt, gehört zu den schönsten des Films, der gerade aufgrund seiner ungeschönten Realität Verständnis und Empathie weckt.

Fightgirl

DK 2007, Regie: Natasha Arthy, mit Semra Turan, Cyron Mleville, Xian Gao, Behruz Banisi u.a., 101 Min., FSK 6, empfohlen ab 14 Jahren

Ein mitreißender Coming of Age-Film mit einer Kampfsportart als Dreh- und Angelpunkt vor dem Hintergrund einer Emanzipationsgeschichte aus der islamischen Kultur.

Die Schule hat die türkischstämmige Dänin Ayse beinahe abgeschrieben, obwohl der Vater sie als angehende Medizinstudentin sieht. Ayse hingegen trainiert viel lieber Kung-Fu, und Meister Sifu zufolge hat sie großes Talent. Er stellt Ayse einen seiner besten Schüler als Partner zur Seite. Die Sache hat nur einen Haken, denn für Ayses konservativen Vater ist es undenkbar, dass sie zusammen mit jungen Männern trainiert. Als ihr Geheimnis auffliegt, droht die Familie zu zerbrechen, bis Ayse einen Weg findet, ihre Träume doch noch zu verwirklichen. Die Mischung aus Sozialdrama und asiatischem Kung-Fu-Film besticht neben der überragenden Hauptdarstellerin durch seine dynamische Bildsprache, die neben der äußeren Action auch die inneren Konflikte der Protagonisten zu visualisieren weiß. Für die Choreografie zeichnete Xian Gao (als Meister Sifu) verantwortlich, der mit Ang Lees TIGER UND DAGON international bekannt wurde.

Geh und lebe

F / ISR 2005, Regie: Radu Mihaileanu, mit Yaël Abecassis, Roschdy Zem, Moshe Agazai, Mosche Abebe u.a., 144 Min., FSK und empfohlen ab 12 Jahren

Die Themen Migration und Religion werden oft fahrlässig oder gar unzulässig miteinander vermischt, wie dieser Film aus dem klassischen Einwanderungsland Israel eindrucksvoll vor Augen führt.

1984 in einem Flüchtlingslager im Sudan: Eine katholisch getaufte Mutter gibt in ihrer Verzweiflung den neunjährigen Sohn als jüdisches Waisenkind aus, damit ihn eine Hilfsorganisation nach Israel bringt. Schlomo, wie man den Jungen dort nennt, wird einer französisch-sephardischen Adoptivfamilie aus dem gehobenen Mittelstand zugewiesen und wächst bei ihr wohlbehütet auf. Er lebt aber auch in ständiger Angst, seine wahre religiöse Identität könne aufgedeckt werden. Gegen die Widerstände und Vorurteile der israelischen Gesellschaft wehrt er sich, indem er zum Musterschüler wird und sich als Jugendlicher in die Tochter eines ultraorthodoxen Juden verliebt. Vor dem kritisch reflektierten Hintergrund des 1984 unter dem Namen „Operation Moses“ bekannt gewordenen Hilfsprojekts in Äthiopien erzählt der rumänischstämmige Regisseur Radu Mihaileanu mit viel Humor ein Flüchtlingsschicksal aus der subjektiven Sicht des Jungen und liefert ein eindringliches Plädoyer gegen Vorurteile, Doppelmoral und für mehr Toleranz.

Hoppet – Der große Sprung ins Glück

SV / N / D 2007, Regie: Peter Naess, mit Ali Ali, Ronas Gemici, Peter Stormare, Kajsa Bergqvist u.a., 84 Min., FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren

Eine der ersten europäischen Produktionen, die das Thema Flüchtlingskinder zielgruppengerecht für Kinder aufgegriffen haben.

Azad aus den kurdischen Gebieten im Irak möchte einmal genauso gut werden wie die schwedische Leichtathletin Kajsa Bergqvist. Nachdem er sie im Fernsehen gesehen hat, übt er mit seinem älteren Bruder Tigris regelmäßig Hochsprung. Als das Dorf bombardiert wird, verliert Tigris durch den Schock seine Sprache. Einige Jahre später möchte die Familie das vom Bürgerkrieg gebeutelte Land mit Hilfe von Schleppern verlassen. Vorab sollen die Kinder zu ihrem Onkel nach Frankfurt am Main kommen. Sie stranden jedoch in Stockholm und schließen sich einer mitgereisten Flüchtlingsfamilie an, der eine Sozialwohnung zugeteilt wird. Erst nachdem Azads Schule zu einem Wettkampf nach Berlin eingeladen wird, sieht er eine Chance, die Eltern wiederzufinden. Bewusst klammert der norwegische Regisseur Peter Naess die Verfolgung der Kurden durch das Regime von Saddam Hussein aus, um sich ganz auf die Perspektive seiner beiden Protagonisten zu konzentrieren, die in einem fremden Land zu überleben versuchen. Dank ihrer engen Beziehung zueinander meistern sie am Ende alle Herausforderungen.

Mediterranea – Refugees Welcome?

I / F 2015, Regie: Jonas Carpignano, mit Koudous Seihon, Alassane Sy, Pio Amato, Davide Schipilliti, Adam Gnegne u.a., 107 Min., FSK 12, empfohlen ab 14 Jahren

Zwei afrikanische Flüchtlinge mit „Lust auf Europa“ werden in Süditalien gnadenlos ausgebeutet und von einem aufgebrachten Mob mit dem Leben bedroht.

Der aus Burkina Faso stammende Ayiva möchte seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen. Gemeinsam mit seinem Freund Abas bricht er unter lebensgefährlichen Fluchtbedingungen Richtung Europa auf. In der kalabrischen Kleinstadt Rosarno entpuppt sich ihr Traum von einer besseren Zukunft schon bald als Trugschluss. Den Neuankömmlingen schlägt offene Ablehnung entgegen und die Arbeitsbedingungen auf den Obstplantagen sind alles andere als zufriedenstellend. Schon bald eskalieren die Auseinandersetzungen zwischen den einheimischen Arbeitslosen und den Flüchtlingen. Nach wahren Begebenheiten der gewaltsamen Unruhen von 2010 in Rosarno liefert Regisseur Carpignano die fiktive Vorgeschichte zu diesen Ereignissen. Gedreht mit rastloser Handkamera und authentischen Laiendarstellern mit eigenen Fluchterfahrungen entwirft er ein differenziertes Bild zwischen offenem Rassismus und versteckter Fremdenfeindlichkeit in seinem Land.

Neuland

CH 2013, Regie: Anna Thommen, mit Christian Zingg und den SchülerInnen seiner Integrationsklasse, 93 Min., FSK 0, empfohlen ab 14 Jahren

Welchen Herausforderungen muss sich ein Lehrer stellen, der jugendlichen Flüchtlingen helfen möchte, sich in ihrer neuen Heimat zu integrieren?

Einen Lehrer wie Christian Zingg aus Basel kann sich jeder Jugendliche nur wünschen. Aus Leidenschaft und Überzeugung arbeitet er in einer Integrationsklasse, nicht etwa des Geldes wegen und schon gar nicht aus Bequemlichkeit. Täglich wird der Lehrer mit der Vergangenheit der Jugendlichen, ihren Traumata und den familiären Konstellationen und Einschränkungen konfrontiert und zugleich möchte er ihnen Hilfestellung leisten, wie sie ihre Träume in der neuen Heimat dennoch leben können, ohne bloßen Illusionen aufzuliegen. Hat man sich als Zuschauer erst an das Schwyzerdütsch und die Sprechweise des Lehrers gewöhnt, packen die Einzelschicksale der Jugendlichen, denen Enttäuschungen nicht erspart bleiben, obwohl der Lehrer sein Bestes gibt. Abwechslungsreich in seinen Bildern und Schauplätzen, gelingt es dem Dokumentarfilm, wertvolle Anregungen für ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis mit und ohne Migrationshintergrund zu vermitteln.

Paddington

GB / F 2014, Regie: Paul Kling, mit Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Nicole Kidman, Madeleine Harris u.a., 91 Min., FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren

Ein eindringlicheres Plädoyer als „Bitte kümmern Sie sich um diesen Bären“ kann es, übertragen auf einen Flüchtling, kaum geben.

Denn in der Kombination aus Real- und CGI-Film reist hier ein junger Braunbär aus Peru, dessen Onkel und Tante einst die Bekanntschaft mit einem berühmten britischen Wissenschaftler gemacht haben, nach einer Naturkatastrophe nach Großbritannien. Dort erhofft er sich Hilfe und freundliche Aufnahme. Am Bahnhof Paddington angekommen, kümmert sich niemand um ihn, mit Ausnahme von Mrs. Brown. Gegen den anfänglichen Widerstand ihrer Familie schließt sie ihn sofort in ihr Herz und benennt ihn nach der Station. Bis er in der Familie aber eine neue Heimat findet, müssen alle noch große Abenteuer bestehen und sich gegen eine Tierpräparatorin zur Wehr setzen, die es auf Paddington abgesehen hat, um ihn auszustopfen. Michael Bond schrieb im Jahr 1958 diese Geschichte, nachdem er sich von unzähligen Einwanderern inspiriert sah, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Großbritannien kamen. Eine zeitlose Geschichte also über den Zusammenprall zweier Kulturen, technisch perfekt für die Leinwand adaptiert, die zu gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz und zur Mitverantwortung ermuntert.

Die Piroge

SEN / F / D 2012, Regie: Moussa Touré, mit Souleymane Seye Ndiaye, Laïty Fall, Malaminé Dramé, Balla Diarra u.a., 87 Min., FSK 12, empfohlen ab 14 Jahren

Einer der wenigen Filme über Bootsflüchtlinge aus Afrika, die von einem afrikanischen Regisseur sehr authentisch gedreht wurden.

Viele Menschen aus dem Ort des Fischers Baye Laye haben den Senegal bereits verlassen, um anderswo ein besseres Leben zu finden. Und sogar sein jüngerer Bruder Abou träumt davon, in Frankreich Karriere als Musiker zu machen. Zusammen mit etwa 30 Männern aus verschiedenen ethnischen Gruppen, die sich dem Schlepper Lansana anvertrauen, soll er in einer nicht hochseetauglichen Piroge die Überfahrt zu den Kanarischen Inseln wagen. Baye Laye weiß um die Gefahren bei diesem Unternehmen und zögert lange mit der Zusage. Zunächst verläuft dennoch alles nach Plan, bis ethnische Spannungen aufbrechen und der Motor streikt. Dicht und dennoch unspektakulär verbleibt die Kamera bei den Figuren, die hautnah erleben, dass ihnen kaum eine Chance zum Überleben bleibt. Dabei vermeidet der Film einfache Klischees und regt über die bloße Betroffenheit hinaus zum Nachdenken an.

Kinder- und Jugendfilme zum Thema Migration

www.migration-im-film.de

Knapp 100 Filme, die für Kinder und Jugendliche geeignet sind, sowie zusätzliche Hinweise zu Filmklassikern, Kurzfilmkompilationen und aktuell im Kino startenden Filmen präsentiert das Deutsche Kinder- und Jugendfilmzentrum auf seiner neuen Microsite, einem speziellen Angebot für die Filmbildung und für den Einsatz in der filmkulturellen Arbeit. Neben den für die Filmbildung relevanten Filmempfehlungen bietet die Website auch einen Überblick an Projekten, Links zu didaktischen Materialien sowie Hintergrundinformationen, wie etwa Literaturtipps und Adressen von Filmanbietern.

Für eine differenzierte und vertiefende Auseinandersetzung mit dem Themenfeld sind die Filme nach mehreren Aspekten aufgefächert wie „Begegnung der Kulturen“, „Fluchterfahrungen“, „Auswanderung“ (gestern und heute), „Menschenrechte“, „Asyl“ oder „Xenophobie“. Denn zwischen existenzieller Not und der Sehnsucht nach einem besseren Leben gibt es ein breites Erzählspektrum, das die aktuelle politische Auseinandersetzung um kulturelle und pädagogische Dimensionen erweitert. Die Website basiert auf den Filmempfehlungen des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums (KJF), das kontinuierlich über aktuelle Kinder- und Jugendfilme im Kino und auf Video informiert.