Magazin für die pädagogische Praxis

Fachbeiträge

Ein Mädchen mit Superheldenumhang vor Sonnenuntergang

Wenn der Heroismus nicht mehr en vogue ist…

Brauchen wir heute noch Helden? – Acht Statements

„Ein echter Held ist nur ein Besoffener oder ein Idiot.“, sagte einmal Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Wenn alte Heldenbilder überkommen sind und neue (Medien)Helden oft nur eine sehr kurze Halbwertszeit haben, drängen sich Fragen auf, ob und vor allem welche Art von Helden und Heldinnen wir heute brauchen. Wir baten acht Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten, diese Fragen im Kontext der Leitbilddiskussion zu beantworten.

Tausend Gestalten als Held (Christian Exner)

Heldenmut – woran denken wir dabei in Deutschland? Natürlich an zwei Weltkriege, in denen von Soldaten verlangt wurde, sich für ihr Land aufzuopfern. Das führt unmittelbar zu Bert Brecht und seinem viel zitierten Satz: „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.“ Oh ja! Wie unermesslich groß war doch das Unglück des industriellen Massentötens und der sinnlosen Opfer. Aktuell blicken wir ein halbes Jahrhundert zurück auf die Rebellion einer Generation, die in ihrem Protest gegen den Militarismus, den Nationalismus und das Obrigkeitsdenken ihrer Elterngeneration einen alternativen Mythos erschuf: Die legendären „68er“ als Bewegung von Hippie-esken Anti-Helden und von anarchischen Großstadtindianern. In einer wirklich demokratischen Gesellschaft sollten Helden und auch ihre Antipoden obsolet sein. Glücklich das Land, das keine Helden und keine Antihelden nötig hat. Es sei denn, es müssen Kinder aus einer Höhle gerettet werden.

Zur Zivilcourage und zur Partizipation von Vielen, dahin müssen wir uns entwickeln. Doch wohin geht der gesellschaftspolitische Trend? Zu Autokraten von höchst zweifelhaftem Charakter, die sich als Leitfiguren in Szene setzen, – zu politischen Zombies, die Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und kulturelle Vielfalt massiv entwerten! Nach Joseph Campbell ist Der Heros in tausend Gestalten seit jeher der Schlüssel zu Epen und Mythen. Wie wäre es, wenn man es umkehrt und „tausend Gestalten“ im Sinne von Diversität und Liberalität zum Leitbild erhebt? Also Vorsicht in den Spurrillen der tradierten Heldenerzählungen. Nun heißt es umlenken. Ich denke dabei an Wes Anderson und seinen letzten Film Isle of Dogs – den erfolgreichen Aufstand der Underdogs gegen ein Regime, das an George Orwells 1984 oder an Charly Chaplins Der große Diktator erinnert. Andersons Weg könnte der richtige sein. Selbst heute, da Ironie nicht mehr viel wert ist, weil sie permanent von einer unfassbaren Realsatire übertroffen wird, sollten wir nicht auf einen tiefgründigen Humor und auf filigranen Spielwitz verzichten. Die dramaturgischen Paradigmen müssen sich ändern und der Humor muss sich wieder seines tragischen Untergrunds bewusst werden. Die Zeiten der zynischen Distanzierung sind vorbei, denn zynisch sind die Mächtigen.

Etwas anstoßen und zum Bessern wenden (Dilek Güngör)

Die Frage klingt, als bräuchten wir heute andere Helden als früher. Als käme man den Schwierigkeiten, mit denen wir es zu tun haben, erst mit neuen oder besseren Helden bei. Helden sind in der Tat wandlungsfähig, wir kennen nicht mehr nur Götter, Krieger und Märtyrer. Wir kennen heute Heldinnen und verehren Whistleblower oder Seenotretter. Die Schauplätze haben sich verändert und auch die Widerstände, die sie überwinden müssen, aber nach wie vor messen wir Helden an ihrem Mut, ihrer Entschlossenheit, an der Kraft ihrer Vision. Heroisch ist, wer die Gefahr nicht scheut und erst recht diejenigen, die bereit sind, für das Wohl anderer die eigenen Lebensumstände, wenn nicht gar das eigene Leben für ihre Überzeugungen aufzugeben.

Allzu viel Pathos aber ertragen wir nicht gut, der eine oder andere zieht schon beim Wort Held den Kopf ein. Niemand soll sich für uns opfern müssen, und wir wollen nicht aufschauen müssen zu einem Reiterstandbild, einem Porträt in der Amtsstube oder auf dem Geldschein. Wir wollen nicht bewundern und nicht Ehrfurcht zollen müssen. Nicht das Publikum sein, das den einen zum Auserkorenen erhebt.

 Dem Heldentum zu entkommen ist nicht einfach. Uns ist nicht bloß der Maßstab geblieben, den wir an Helden anlegen. Uns ist auch der Hunger geblieben, ungestillt ist das Bedürfnis nach Anleitung und Orientierung. Nach Menschen, die uns inspirieren und Mut machen. Darum braucht es aber keine neuen Helden, es braucht etwas anderes: Das Vertrauen und die Kraft, selbst etwas anstoßen zu können, etwas zum Besseren wenden zu wollen, für uns selbst und für andere. Wir müssen die Aufgabe zum Glück nicht alleine schultern. Gemeinsam sind wir mehr als genug.

Humanität und Güte für Schwache (Thomas Krüger)

Helden verkörpern vorbildhafte Idealvorstellungen. Helden handeln mutig, folgen ihrem Gewissen und setzen sich für eine Sache ein, ohne persönlich davon profitieren zu wollen. Durch ihre Existenz fühlen wir uns sicher.

Wer als Heldin oder Held gefeiert wird, hängt auch davon ab, wessen Geschichte erzählt wird und wie. Medien haben darin eine Gatekeeper-Funktion. Sie entscheiden, wer zu Wort kommt und wer nicht, was als glaubwürdig oder lächerlich betrachtet wird und welche Assoziationen bei den Lesenden geweckt werden. Auf diese Weise werden in der täglichen Berichterstattung und den Sozialen Medien genauso wie in Filmen, Literatur und Games Bilder entworfen und reproduziert, die große Macht entfalten. Wie durch das Erzählen von Geschichten Widerstand gegen diskriminierende Strukturen aussehen kann, verdeutlicht zum Beispiel die popkulturelle Strömung Afrofuturismus: Anders als in anderen Superheldenfilmen sind die Protagonisten im Film Black Panther fast alle schwarz. Sie liefern mithilfe des Science-Fiction-Genres einen Gegenentwurf zu einer weiß dominierten Zukunft und bieten eine positive Identifikationsfläche für People of Color.

Am wichtigsten ist aber: Um Held oder Heldin zu sein, oder anders gesagt, vorbildhaft zu handeln, braucht man keine Superkräfte. Schon die kleinen Dinge im Alltag machen einen Unterschied. Denn Heldentum bedeutet heute Mut zur Humanität und Güte für die Schwächeren zu beweisen. Deswegen brauchen wir mehr Menschen, die in ihrem persönlichen Umfeld fremdenfeindlichen Weltbildern widersprechen. Menschen, die unsere Gemeinsamkeiten herausstellen und sich die Hand reichen anstatt auszugrenzen. Menschen, die Verschiedenheit wertschätzen. Und wir brauchen Medienschaffende, die dieses Engagement sichtbar machen.

Der Gesellschaft den Spiegel vorhalten (Christine Pepersack)

Was wir unter „Held“ verstehen, scheint mit der Zeit einen Wandel durchlaufen zu haben. Das ist ganz natürlich – das Heldenbild steht in einem engen Zusammenhang mit der Zeit, in der wir leben. Die Helden meiner Kindheit hießen Kalle Blomquist oder stammten aus der Feder von Enid Blyton. Heute kennt die nur noch ein Bruchteil der Kinder und Jugendlichen: In Zeiten von YouTube, in denen sich Popularität mit Klickzahlen kaufen lässt und sogenannte Influencer gerne als Stars, Vorbilder und letztlich auch Helden wahrgenommen werden, ist die Definition des Heldenbegriffs leider zunehmend diffus geworden.

Wenn heute jeder das Zeug zum Helden hat, wofür brauchen wir dann noch Helden der Literatur, des Kinos oder der Serie? Woran orientieren sich Kinder und Jugendliche heute, im Spannungsfeld zwischen allzu alltäglichen YouTubern und übermenschlichen Marvel-Helden? Dabei haben wir gerade heute unbedingt Helden nötig – und zwar solche, die über sich hinauswachsen, um Ziele zu erreichen, die kritisch auf das Weltgeschehen blicken, die sich trauen aus der Masse herauszustechen. Kann und darf es schon alles sein, wenn im gefühlt hundertsten Marvelabenteuer noch einmal dieselbe Geschichte wiedergekäut wird? Brauchen wir anstatt der fantastischen Superhelden, die auf ihrem Weg mehr zerstören als zusammenfügen, nicht mehr Geschichten wie die von Katniss Aberdeen (The Hunger Games), Geschichten von Helden, denen ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten durchaus bewusst sind, und die im Zusammenspiel mit Mentoren und Unterstützern lernen, den Kampf für eine bessere Welt aufzunehmen? Die lernen, sich in einer unsicheren, zuweilen feindlichen Welt zu behaupten?

Ich plädiere für und wünsche mir Helden, die mehr sind als nur die Summe ihrer Kräfte, Helden, die Ecken und Kanten haben, die nicht rund und perfekt sind, die mir Welten (und vor allem Innenwelten) aufzeigen, an denen ich mich, mein Leben und meine Persönlichkeit messen und weiterentwickeln kann. Wo finden wir die Charaktere, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten − denn das sind die Helden, die wir heute brauchen: Wir leben längst nicht mehr in einer Welt, die auch nur ansatzweise in Ordnung wäre, mitnichten perfekt, und schon gar nicht irrelevant. Als Geschichtenerzählerin halte ich es für unsere Aufgabe, die nächste Generation mit Geschichten und kritischen Helden − im Kino, im TV, und auch auf YouTube – zu Menschen zu erziehen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen und diese zu einem besseren Ort machen möchten.

Heldinnen der Jugendlichen gestern und heute (Prof. Hans Joachim von Gottberg)

Die Heldin meiner Jugend war die Jugendbuchautorin Enid Blyton. Im Mittelpunkt stand immer eine Gruppe mit vier oder fünf Jugendlichen, gleich viele Mädchen und Jungen, außerdem wirkte in der Regel ein Tier mit, ein Hund oder ein Papagei. Geheimnis und ein gestohlenes Bild war das erste Buch, das ich von Blyton ungefähr 1960 gelesen habe. Der Anführer der vier hieß Dicky und war tatsächlich nicht besonders schlank, aber dafür sehr klug und mutig. Er konnte sich gut verkleiden, so dass auch Erwachsene darauf hineinfielen. Als Gegenspieler fungierte der Dorfpolizist Herr Grimm, der ebenso ehrgeizig wie unfähig war.

An den Büchern faszinierte mich, dass – im Gegensatz zu meinem normalen Leben – die Jugendlichen immer schlauer und erfolgreicher waren als die Erwachsenen. Sie hielten zusammen, stritten, fanden aber immer wieder zusammen. Ihr Verhalten war meist moralisch, abgesehen davon, dass sie den größten Teil ihrer Aktionen ohne das Wissen und die Zustimmung ihrer Eltern unternahmen.

Zu meinem 14. Geburtstag wünschte ich mir Das Schiff der Abenteuer. Doch ich hatte meinen Geburtstagswunsch ohne die Intervention einer übereifrigen Buchhändlerin gemacht. Sie erklärte meiner Mutter, diese Romane seien nach Schema F produziert und würden eine völlig unkritische heile Welt verbreiten und zur Trivialliteratur hinleiten. Ich bekam stattdessen ein Buch, das ich aus Protest nicht anfasste und deshalb nicht weiß, ob es mir gefallen hätte.

 Mit 17 Jahren begann ich dann trotzdem, Brecht, Dürrenmatt und Frisch zu lesen. Später studierte ich Deutsch für das Lehramt. In einem Seminar über Trivialliteratur wählte ich für ein Referat das Thema Enid Blyton. Mit großem Genuss las ich noch mal alle Bücher von ihr, nun im Auftrag der Literaturwissenschaft. Ein bisschen peinlich war mir der heimliche Genuss schon, zumal ich die Schriftstellerin anschließend mit den Kriterien von Malte Dahrendorf und Klaus Doderer als Kitschliteratur auseinandernahm und für die Schule eine Behandlung nach der Methode des kritischen Lesens aus dem Bremer Kollektiv vorschlug. Immerhin hatte Malte Dahrendorf ein gewisses Verständnis dafür, dass Kinder und Jugendliche auch mal Schund und Comics lesen.

 Kinder suchen sich die Helden, die sie benötigen, um ihr Leben in einem bestimmten Alter zu meistern. Zahlreiche Entwicklungsphasen können Eltern oder Lehrer nicht verstehen, und so haben sie keinen Zugang dazu. Die Helden meiner 16-jährigen Tochter sind heute Bianca Heinicke mit Bibis Beauty Palace, Dagi Bee sowie einige Rapper, deren Ausdrucks- und Lebensweisen so ungefähr das Gegenteil von dem darstellen, was ich mir das pädagogisch wünsche. Ich denke an Enid Blyton und hoffe, dass diese Phase vorbeigeht.

Heute reicht es Follower zu werden (Prof. Dr. Wolf D. Bukow)

Unsere Vorstellungen von Helden, Leitbildern und Vorbildern sind überholt. Sie stammen aus einer Zeit, in der der Alltag noch gut überschaubar war, sich das Leben nur allmählich veränderte und alle entscheidenden Dinge patriarchalisch organisiert waren. Helden, Vorbilder und Leitbilder waren damals für die gesellschaftliche Platzierung nützlich und wurden je nachdem gezielt eingesetzt. Und so funktionierte es: Jemand ist dabei, sich einen Platz in der Gesellschaft zu suchen und will dabei mehr erreichen als nur das, was in seiner Herkunftsfamilie oder in seinem Bekanntenkreis üblich ist. Dazu braucht er Impulse von außen, die ihm neue Möglichkeiten eröffnen und besondere Ideen oder Fertigkeiten bieten. Allerdings kommt es auch darauf an, auf welchem Gebiet man sich platzieren will, ob im Beruflichen, im Privaten, im Freundeskreis oder in der Öffentlichkeit. Wichtig ist dabei auch, ob man nur besser und erfolgreicher sein will oder ob man sich irgendwie anders und ungewöhnlich platziert, weil man sich berufen fühlt.

Tatsächlich haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen massiv verändert. Unser Alltag hat nichts mehr von einem träge dahinfließenden, seit je vertrauten und damit überschaubaren Strom an sich. Dank der modernen technischen, sozialen und ökonomischen Entwicklung, Dank der neuen Mobilität und Diversität ist er längst zu einem global geprägten Raum geworden. Eine gesellschaftliche Platzierung in einem derart komplex und vielfältig gewordenen Alltag lässt sich nicht mehr “handwerklich” organisieren. Überkommene Ideen, Vorbilder, Leitbilder oder was auch immer die Eltern, die Schule, die Pädagogik oder die Nachbarschaft bieten, haben eine extrem kurze Halbwertszeit. Womit man sich heute platzieren kann, das wird durch Bekannte, Freunde oder soziale Netze und vor allem durch die Medien vermittelt. Sie definieren das Handlungsfeld (Aktionen, Sport, Musik, Körper) und vermitteln das notwendige Ausstattungswissen. An die Stelle von Helden und Leitbilder sind wohlinszenierte und global präsente Gruppen, soziale Bewegungen und Mediengrößen getreten. Und es kommt auch nicht mehr darauf an, den Helden oder Vorbildern nachzueifern.  Es reicht aus, sich dazu zu zählen, entsprechend auszustatten und Fan oder Follower zu werden.

Inspiration auf Instagram (Prof. Dr. Martina Schuegraf)

Der Enkel von Nelson Mandela, Ndaba Mandela, erzählt in der Traumrubrik des ZEIT Magazins vom 28.06.2018, dass er in seiner Jugend von afroamerikanischen Superhelden wie den Black Panther träumte, die in Südafrika jedoch nicht gezeigt wurden. Jugendliche sollten sich nicht mit ihnen identifizieren können. Dennoch war er in seinen Tagträumen ein solcher Held.

Mit welchen Medienfiguren identifizieren sich heutige Jugendliche und junge Erwachsene; und welche medialen Kanäle sind hierbei von besonderer Relevanz? In Zeiten von Social Media sind dies häufig Personen, die soziale Netzwerke nutzen, über diese bekannt werden und Berühmtheit erlangen. In den letzten Jahren etablierte sich zusehends der Begriff der „Influencer“ für Personen, die mittels solcher Netzwerke, vor allem mithilfe von Instagram, große Aufmerksamkeit erlangen. „Influencing“ wird hier direkt mit „beeinflussen“ übersetzt. Weibliche und männliche Influencer sind demzufolge Personen, die eine große Reichweite erzielen und als Marken propagieren und Meinung machen.

 In einem Forschungsprojekt an der Filmuniversität Babelsberg haben wir uns gefragt: Was macht Instagram-Nutzende – abgesehen von der Reichweite und der Vermarktung von Produkten – zu Influencern? Wie sehen sie sich selbst und wie werden sie von anderen gesehen? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir Interviews mit sogenannten Influencern und Instagram-Nutzenden geführt.

 Als eine Erkenntnis haben sich drei relevante Aspekte herauskristallisiert: Um wahrgenommen zu werden, müssen Instagram-Influencer sichtbar und damit im Newsfeed präsent sein. Kontinuierliche Posts signalisieren dabei Verlässlichkeit. Zudem müssen die Themen, für die sie stehen und für die sie über Expertise verfügen, nahe am Alltag ihrer Follower anknüpfen. Häufig geht es hierbei um Sport, Ernährung, Tiere, Musik, Lifestyle, Fashion, Kunst etc., also Themen, die für ihre Gefolgschaft von Interesse sind und ihnen als Identifikationspotenzial sowie Angebot zur Empathie und Nachahmung dienen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn sie authentisch sind. Die Inszenierung muss nah an der Realität ihrer Follower sein und zugleich eine visuell ansprechende Ästhetik aufweisen. Auf einen Punkt gebracht ist Instagram: Realität gleich Digitalität, nur schöner!

Influencer können so zu Vorbildern ihrer Fans avancieren, die zur Unterstützung von Vorhaben herangezogen werden. Sie sollen zum Nachdenken anregen, einen Mehrwert bieten und vor allem inspirierend wirken – z.B. um die Entdeckung neuer Interessen, neuer Themen und auch Marken. Das reicht vom Ausprobieren eines neuen Produktes über Anregungen zum veganen Kochen bis zur Interaktion mit einer Influencerin, die ihre Krebserkrankung offengelegt hat. @kimspiriert ist (bis zu ihrem frühen Tod) auf diese Weise zu einer heldenhaften Lebensbegleiterin geworden, die vor allem ihre weiblichen Follower für Brustkrebs sensibilisiert hat. Influencer setzen so Themen, über die sie Haltungen propagieren und Botschaften vermitteln, die ihnen am Herzen liegen und die sich nicht zwangsläufig nur monetär auszahlen müssen. Häufig sind dies Influencer mit weniger Reichweite, aber großer Authentizität. Sie setzen sich für gesellschaftskritische oder auch nachhaltige Themen ein (wie z.B. Vreni Frost) und sehen sich eher als Blogger denn als Influencer. Unsere Studie hat sehr deutlich gezeigt, dass „influencing“ weniger „beeinflussen“ als „inspirieren“ meint. Influencer sind Inspirierende, die zu Vorbildern, Idolen, Stars und – im Falle Kims – auch zu Heldinnen und Helden avancieren können.