Für viele Entscheider in Politik und Gesellschaft ist Medienkompetenz vor allem eine technische Kompetenz und eigentlich Sache der Eltern. Dabei ist gerade die Vermittlung von sozialen und inhalt-kritischen Aspekten des Mediengebrauchs unabdingbar und gehört in die Schule. Am besten als Schulfach, denn das „Sehen können“ ist heute eine wesentliche Kulturtechnik. Im Rahmen der Filmbildung als wichtiger Teil der Medienkompetenz sollten die Schüler nicht nur Filmkunde und Filmsprache in Theorie und Praxis kennen lernen, sondern Filme auch als künstlerische Kommunikationsprozesse durchschauen können.
Medienforum NRW, Köln im Juni 2011: Auf zahlreichen Panels wird über die Ökonomie, Technik und Ästhetik der neuesten audiovisuellen Medienentwicklungen diskutiert. Web 2.0, iPhone-Apps, Erzählen im Zeitalter von Cross-Media etc. Am Rande all dieser Keynotes zur schönen neuen Medienwelt findet auch ein Panel zum Thema: „Medienkompetenz fördern // Standards setzen?“ statt. Anlass ist u.a. die gute Idee der nordrhein-westfälischen Landesregierung, einen „Medienpass“, eine Art Medienkompetenz-Führerschein für Kinder und Jugendliche, einzuführen, der schon in der Erprobungsphase in Kooperation mit Schulen im Lande durchgeführt werden soll. Eltern sollen einbezogen werden. Ziel: Stärkung von Ansätzen der Medienerziehung in Schule und Elternhaus.
Auf dem Podium mit Experten, Medienpädagogen, Journalisten und Politikern geht es schnell um Grundsätzliches. Der Autor und Publizist Dr. Joachim Weiner kritisiert, dass es mit Medienpädagogik und Filmbildung in Deutschland nicht wirklich vorangehe. Es mangele an Medienpädagogen, die operativ in Schule und Jugendarbeit aktiv werden könnten, es gebe keine Voraussetzungen in der Gesellschaft, Medienerziehung und Filmbildung wirklich als Aufgabe z.B. in der Lehrerausbildung ernst zu nehmen. Außerdem würden gerade Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten, die in ihrem Lebensumfeld oft besonders stark mit unreflektiertem Medienkonsum konfrontiert werden, durch medienerzieherische Angebote kaum erreicht.
Mehr Medien – mehr Kompetenz?
Für mich war die einstündige Diskussion ein Déjà Vu. Als ich Mitte der 1980er Jahre meine berufliche Karriere mit einem zweijährigen medienpädagogischen Projekt mit Schülern einer Kieler Grundschule begann, verlief die Debatte schon ähnlich. Damals ging es nicht um Computerspiele, Web 2.0, soziale Netzwerke, Cyber Mobbing oder Internetsucht, sondern um TV-Konsum und Gewaltvideos und wie man Kindern und Jugendlichen, etwa durch „learning by doing“-Angebote, einen reflektierten und kompetenteren Fernseh- und Videokonsum vermitteln könne. Schon damals war die Vision einer „lebendigen Filmbildung“ und Medienerziehung in der Schule in Deutschland nicht die Realität, sondern frommer Wunsch, der von engagierten Lehrern und Pädagogen in schulischen und außerschulischen Projekten und Initiativen hochgehalten wurde.
Man kann nicht sagen, dass seitdem nichts geschehen wäre, aber es ist angesichts einer Zeitspanne von mehr als 20 Jahren zu wenig. Schon damals wurde gewarnt, dass die Gewalt aus den Videos hinabsteigen könnte in die deutsche Realität, dass junge Wirrköpfe nachahmen könnten, was sie gesehen haben. Mittlerweile hat sich die Gewaltdarstellung in der Kombination aus Filmen und Computerspielen potenziert, sie ist interaktiv geworden. Und die Nachahmung findet statt. Brutale Straßengewalt Jugendlicher in U- und S-Bahnhöfen sind in Großstädten fast schon an der Tagesordnung, Amokläufe bleiben zum Glück Ausnahmefälle. Nach jeder Tat rauscht es durch den Blätterwald der Presse, geht ein starkes Flimmern über die Bildschirme, äußern sich Kommentatoren und Experten im Fernsehen. Dann kehrt schnell wieder Ruhe ein. Die nächste Weltsensation will berichtet sein.
Nachhaltigkeit ist hier gefragt, die pädagogische Vermittlung von sozialer Kompetenz im Mediengebrauch von Jugendlichen unabdingbar, ja – um das Unwort des Jahres zu benutzen – alternativlos. Da ist es gut und richtig, dass z.B. Filmbildung als Teil umfassender Medienbildung mittlerweile in den Kernlehrplänen fast aller Bundesländer verankert ist, doch de facto – und darin liegt eines der Kernprobleme – ist Film, sind alte und neue Medien von einem Großteil der bildungsnahen Schichten, die in Deutschland mehrheitlich die Ausbildung junger Menschen auf allen Ebenen und Stufen tragen, (noch) immer nicht als Bildungsgut anerkannt.
Medienbildung = Schulfach
Im besten Falle sehen viele Entscheider in Politik und Gesellschaft – das zeigte auch die Diskussion beim Medienforum wieder deutlich – Medienkompetenz in erster Linie als eine Aneignung von technischer Kompetenz, als die Fähigkeit von Kindern und Jugendlichen, schon früh die technischen Mittler beherrschen zu lernen, um möglichst hoch qualifiziert auf den Arbeitsmarkt entlassen zu werden. Doch wo bleibt die soziale Kompetenz, mit Medien umzugehen, wo die inhaltliche medienkritische Auseinandersetzung mit den Welt- und Wirklichkeitsbildern, die uns das Fernsehen, das Kino und das Internet vermitteln?
Um all diese Kompetenzfelder in der Medienbildung ausreichend an Kinder und Jugendliche vermitteln zu können, muss Medienbildung in den deutschen Schulen endlich als reguläres Schulfach mit dem klaren Lernziel der Vermittlung einer sowohl technischen, sozialen wie inhaltlich-kritischen Medienkompetenz eingerichtet werden.
Um dieses Ziel nach mehr als 20-jähriger Medienkompetenz-Diskussion zu erreichen, muss ein Umdenken gegenüber dem Status und Stellenwert der audiovisuellen Medien in Politik und Gesellschaft einsetzen. Die Vorstellung, Medienkompetenzerwerb und -vermittlung sei in erster Linie Aufgabe des Elternhauses oder gebe den Gegenstand für ein attraktives Angebot für eine schulische Projektwoche oder für die außerschulische Jugendarbeit her, gehöre jedenfalls nicht in erster Linie in den Ausbildungskanon der öffentlichen Schulen in Deutschland, ist m.E. ein Irrweg. So werden Kinder und Jugendliche in letzter Konsequenz immer nur punktuell von engagierten und medienkundigen Pädagogen in Schule und außerschulischer Bildung, nicht aber systematisch in der Ausbildung für den Umgang mit den Medien geschult.
Medienbildung als Schulfach würde im übrigen das Lamento um die fehlenden Medienpädagogen und medienpädagogisch geschulten Lehrer mit einem Schlag beenden, denn nun entstünde Zugzwang seitens der Politik, dass die Hochschulen noch verstärkter Medien-Studiengänge für zukünftige Lehrer als Adressaten anbieten müssten.
Die Realisierung dieser Vision flächendeckender Medienausbildung in der Schule setzt voraus, dass der Umgang mit den klassischen audiovisuellen Medien wie Film und Fernsehen ebenso wie der mit Computern und elektronischen Netzwerken in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und öffentlichen Diskussion als modernes Gut unserer Allgemeinbildung akzeptiert und als Kulturtechnik ernst genommen wird.
Film = Kunst = Bildung
Doch um Bildung zu werden, muss zunächst einmal wenigstens die Urform der Audiovision, der Film, als Kunst anerkannt sein. Und da tut sich dieses künstlerische Medium seit Anbeginn und bis heute in Deutschland schwer. „Wir fordern Einlass in den Tempel der Musen“, forderte Béla Balázs schon 1923 im Vorwort zu einer der ersten Ästhetiken des Films überhaupt, zu Der sichtbare Mensch1. Dort begründete Balász den Kunstanspruch des Films darin, dass der Film − wie kein anderes künstlerisches Medium sonst – den Menschen in seinen Verhaltensweisen, seiner Mimik und Gestik unmittelbar darstellen könne. Der Film schaffe − auch und gerade durch die Erfindung der Großaufnahme – die Darstellbarkeit einer weltumspannenden Körpersprache, mit der menschlichen Gefühlen Ausdruck verliehen werden kann.
Doch Film galt damals den gebildeten Schichten als Jahrmarktsspektakel, Zirkusnummer oder Vaudeville-Variéte-Vergnügen. Es galt das Wort Thomas Manns „Im Kino gewesen, geweint.“ Kino war Gefühlsmaschinerie, Unterhaltung.
Wenn ich sehe, wie schwer sich Deutschland etwa im Unterschied zu Frankreich mit einem Bündnis Kino-Schule und der Etablierung von Filmbildung im Unterricht tut, dann hat das wohl offenbar damit zu tun, dass sich das Ressentiment, Film sei in erster Linie Unterhaltung, in der Geschichte des deutschen Films mit einem zweiten, Film sei Propaganda, verband.Und es ist ja richtig: Kaum war der Film 1895 im Berliner „Wintergarten“ geboren, da nutzte Kaiser Wilhelm II. jede Gelegenheit öffentlicher Auftritte, um sich als erster deutscher Medienstar vor der Kurbelkamera zu inszenieren.
Die Geschichte der Indienstnahme der deutschen Filmindustrie durch die Propagandamaschine der Nazis ist hinlänglich bekannt. Sie diskreditierte die emotionalen Ästhetiken des Films, ließen das Medium generell unter „Ideologieverdacht“ fallen, zumal es in der DDR direkt wieder politisch dienstbar gemacht wurde und sich in den Westzonen mit der systematischen Produktion handwerklich sauberen „Schunds“ im Kino der 50er Jahre begnügte. So waren es die Kinder der von der Filmkunst entwöhnten Bürger, die mit dem „Autorenkino“ in der Bundesrepublik Film wieder hoffähig machten. Ihr Einfallstor war die Literatur und die Literaturverfilmung. Die Nähe zwischen literarischem und filmischem Erzählen wurde beschworen, die Regisseure und ihre Mitarbeiter zu Autorenteams erhoben.
Es ist unbestreitbar, dass die Filmbildung der Kinozuschauer in der Auseinandersetzung mit den Filmen von Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Volker Schlöndorff, Reinhard Hauff oder Werner Herzog im Kino der 70er Jahre gewachsen ist; auch fand Kino nun erstmals systematisch Zugang zu Schule und Hochschule, wurde dort aber oftmals aufgrund einer falschen Vorstellung des Autorenkinos als Form von Literatur begriffen und auf den „Content“ reduziert: auf Handlung, Charaktere, Dialoge. Auch in den sich zumeist aus der Literaturwissenschaft herausgebildeten Medien- und Filmwissenschaften wird Film bis heute gern als „Text“ behandelt, wobei Filme dann in der Tat wie Hörspiele oder Theaterstücke in bloßer Reduktion auf das gesprochene Wort analysiert werden, das eigentliche Vokabular der Filmästhetik, die filmsprachlichen Gestaltungsmittel im Verhältnis zur erzählten Geschichte oder dokumentierten Handlung, aber nur am Rande oder überhaupt nicht wahrgenommen werden.
Auch wird noch weitgehend gänzlich verkannt, dass sich im kontinuierlichen Bilder-Flow der Permanent-Ausstrahlung des Fernsehens besonders im Seriellen neue künstlerische Erzählformen entwickelt haben, die heute die Jahrhundertromane von Dostojewski oder Stendal ersetzt haben, etwa US-Serien wie Six Feet Under von Autor/Produzent Alan Ball oder Mike Nichols Miniserie Angels in America nach dem Theaterstück von Tony Kushner.
Angesichts eines solchen „Erbes“ ist das Hineinschreiben von Filmbildung in Kernlehrpläne ein hoffnungsvolles Signal, um endlich zu einer Neubestimmung einer ästhetischen Erziehung mit Film auch in der Schule zu kommen. Ihre Basis ist aus meiner Sicht die Vermittlung und die Beherrschung von Filmsprache als Kulturtechnik.
Filmsprache = Kulturtechnik
Ohne hier mit aktuellen statischem Material hantieren zu können oder zu wollen, ist doch offensichtlich, dass Kino, Fernsehen und Internet die zentralen Bewegtbildmedien im Leben von Kindern und Jugendlichen sind. Sie gehen im Kino, vor dem Fernseher oder dem Computer bewusst oder unbewusst mit einer visuellen Alltagssprache um, in der die filmsprachlichen Mittel des bewegten Bildes und der Montage von Bild, Wort, Musik, Geräusch konventionalisiert und für das jeweilige Medium modifiziert sind. Diese Gestaltungsformen sind zum größten Teil aus der Kinogeschichte ererbt. Dieses visuelle Grundvokabular der Filmästhetik zu vermitteln, gehört meiner Ansicht nach unbedingt in den Schulunterricht.
Es handelt sich dabei um den gängigen Kanon filmischer Mittel, wie sie in vielen Handbüchern zur Filmanalyse2 nachzulesen sind:
- Formen der Mise en scène, also der Komposition der Objekte und Figuren im Bild,
- Proportionen im Bild oder Graphik & Linienführung des Bildes,
- Formen der Kamera, wie Einstellungsgrößen, Kameraperspektiven,
- Formen der Montage, wie Parallelmontagen.
Auch in der Schule können Lehrer durch praktische Videoübungen den Schülern, z.B. im Abfilmen einfacher Vorgänge in verschiedenen Einstellungsgrößen, verdeutlichen, in welcher Bildgröße der gefilmte Vorgang adäquat dargestellt werden kann oder welche weiteren Bilder in der Montage benötigt werden, um den Vorgang darstellbar zu machen. So lernen die Schüler spielend im „learning by doing“-Prinzip die Grundregeln der Filmsprache und werden – das ist meine Erfahrung – Filme plötzlich anders sehen können.
In dem von Horst Niesyto, Jan Schmolling und mir herausgegebenen Handbuch Jugend: Film: Kultur – Grundlagen und Praxishilfen für die Filmbildung3 finden sich zahlreiche Konzepte und Handreichungen sowohl für die Lehrerausbildung wie für die praktische Medienarbeit. Doch schon um diese Aufgabe bewältigen zu können, diesen Teilaspekt von Medienkompetenz vermitteln zu können, müssen Lehrer und Pädagogen Einsichten in die technischen Mittler, Kamera, Optiken etc. besitzen. Und sie müssen bereit sein, sich diese technischen Kenntnisse anzueignen.
Da ist meine Erfahrung aus meiner früheren Tätigkeit als Medienpädagoge, dass es bei vielen Lehrern Berührungsängste mit neuen Techniken gibt und dann schnell gesagt wird, Film in der Schule – gar durch praktische Videoübungen vermittelt – sei nicht ihr Auftrag. Dann wird darauf verwiesen, dass Kino und Fernsehen ja Freizeitaktivitäten der Schüler seien. Da seien die Eltern gefordert.
Nein, die Schule ist hier auch gefordert, denn Sehen zu können, Medienkompetenz zu erwerben ist mittlerweile eine ebenso wichtige Kulturtechnik wie das Schreiben und das Lesen!
Filmbildung = Querschnittsfach
Um die Lehrer entsprechend zu befähigen, diesen „Sehunterricht“ auch durchführen zu können, müssen Lehrangebote zur praktischen Medienarbeit ebenso wie zur Filmkunde fester Bestandteil der Lehreraus- und -weiterbildung werden: Kurse zur Filmkunde, also zur Filmgeschichte, zu Filmgenres und Regiestilen, deshalb, weil es eine umfassende Filmbildung nicht bei der Vermittlung einer bloßen technischen Anwendung der Filmsprache als Vokabular der Filmästhetik belassen darf. Dies sensibilisiert zwar den kritischen Blick des Betrachters, schafft Medienkompetenz auch für die Rezeption von TV und Internet, eröffnet ihm aber noch keine tieferen Einsichten in die Filmästhetik als Kunstphilosophie des Films.
Auch der Film als Kunst zeichnet sich dadurch aus, dass seine Urheber, in der Regel das Team bestehend aus Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Kameramann/-frau, durch die individuelle künstlerische Anwendung der filmsprachlichen Mittel zu ihrem Publikum sprechen, um hinter der Oberfläche des Erzählten auf ein (sozialkritisches) Konzept von Welt oder auf tiefere Einsichten zwischenmenschlicher Verhaltensweisen oder auch einfach auf einen überbordenden Quell an menschlicher Phantasie und der Zurschaustellung menschlichen Wagemuts zu verweisen. Filmbildung muss Schüler befähigen, diesen künstlerischen Kommunikationsprozess zu durchschauen und Film als Medium ästhetischer Erkenntnis im Hinblick auf die eigene Lebenswirklichkeit wahrzunehmen.
Dies setzt allerdings auch das (möglichst mehrmalige) Erlebnis des Films im Kino voraus. Die Ästhetik eines Films ist nur auf der großen Kinoleinwand angemessen wahrzunehmen und zu beurteilen. Filmbildung in der Schule braucht also Bündnisse „vor Ort“ zwischen Kinobesitzern und Lehrern. Die DVD ist demgegenüber hilfreiches „Nachschlagewerk“ für die detaillierte Filmanalyse. Ergänzend sind auch hier wieder praktische Videoübungen, in denen z.B. Filmszenen nachgespielt und von den Schülern neu „aufgelöst“ werden, zur Vertiefung hilfreich.
Um die historischen Wurzeln filmischer Ästhetiken offen zu legen, sollte in einem weiteren Analyseschritt – aber wohl eher in höheren Klassen – das filmische Werk und die spezifische Sprache, in der es spricht, in kino- und kunsthistorische Traditionszusammenhänge eingeordnet werden. So lernen die Schüler am je konkreten Film Verbindungen zwischen Film und anderen Künsten (z.B. zwischen Filmbildern und Gemälden der Malerei) kennen. Außerdem werden ihnen Kenntnisse der Filmgeschichte nahegebracht, z.B. die Geschichte filmischer Gestaltungsmittel, die sich u.a. durch die Stile einzelner Regisseure, aber auch durch die erzählerischen Anforderungen des Genrekinos oder die ökonomischen Rahmenbedingungen der Filmproduktion ausdifferenzierten.
Filmbildung als Teilaspekt von Medienbildung in der Schule würde hier also zu einem Querschnittsfach mit Kunst, nimmt, z.B. in der Beschäftigung mit ästhetischen Handschriften auch Fragen nach Philosophie und Weltsicht einzelner Filmkünstler in den Blick, würde sich also auch zum Fach Philosophie/Ethik verlinken lassen.
Auf keinen Fall sollte das populäre Kino, dessen zentrale Rezipienten Jugendliche sind, ausgeklammert werden. Medien – im Hinblick auf Filmbildung – müssen gerade an den Medienerfahrungen der Jugendlichen ansetzen und sie befähigen, filmästhetische Strukturen als das zu erkennen, was sie im Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse und Erfahrungen repräsentieren können.
Psychosoziale Funktionen:
- fiktionale Erfüllung von Wünschen und Phantasien,
- Ableitung und Kompensation von Ängsten,
- Unterhaltungs- und Zerstreuungsbedürfnis,
- Allmachtsphantasie,
- Flucht- oder Befreiungsstrategie aus frustrierender Wirklichkeit.
Filmbildung wird sie dadurch sensibel machen, den eigenen Konsum von Mainstream-Produkten der Filmindustrie stets kritisch zu prüfen. Wer kompetent handelt, beherrscht nicht nur seine Handlungsweisen, er vermag auf über ihre Beweggründe zu reflektieren.
Filmbildung als ein wesentlicher Aspekt von Medienbildung gibt Jugendlichen damit das Fundament, Kino (aber auch das Fernsehen und das Internet) als sinnvollen Bestandteil ihrer Kultur zu erleben.
Denn: Die Menschen sind zum Sehen geboren, nicht zum Schauen bestellt!