Magazin für die pädagogische Praxis

Fachbeiträge

Nahaufnahme eines geöffneten Munds einer Person, die die Zunge nach links oben streckt.

Zwischen Hochglanzsex und Amateur-Pornografie

Dimensionen von Körperlichkeit und Sexualität in den Medien

Sexualität, Intimität und Pornografie sind heute medial allgegenwärtig. Während Sex in der Welt der Werbung und TV-Serien vielerorts kulissenhaft mit Bildern perfekter Körper und Verführungskunst zelebriert wird, steht im Internet die möglichst authentische Selbstinszenierung im Vordergrund. In den sozialen Netzwerken posen Jugendliche sexy wie ihre Vorbilder aus der Pop-, Konsum- und Medienwelt − und loten dabei ihre sexuelle Identität aus.

In den letzten Jahren lässt sich eine zunehmende Bezugnahme auf pornografische Elemente in den Medien und der Alltagskultur beobachten.1 Immer häufiger und dem Anschein nach selbstverständlicher werden in den Medien intime körperliche, sexualisierte Handlungen dargestellt und kommuniziert – in Talk- und Castingshows, im Reality-TV, in Serien, in Werbekampagnen oder Musikclips. Auch inszenieren sich Menschen vermehrt selbst über Anleihen an das Pornografische wie z.B. auf Profilbildern in sozialen Netzwerken oder direkt in der Amateur-Pornografie.

Es finden sich Hinweise dafür, dass im Zuge der medialen Popularisierung des Sexuellen die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit vermehrt in Frage gestellt und neu verhandelt werden. Ehemals intime Darstellungen und Praktiken oder körperliche Nähe bzw. körperliche und/oder emotionale Berührungen werden öffentlich gemacht und inszeniert. Statt ausschließlich ausgewählter und vertrauter Personen partizipiert nun eine weitgehend anonyme Masse am Akt der Darstellung.

In welcher Form das Intime und Körperliche in den Medien an Bedeutung gewinnt, möchten wir anhand verschiedener Dimensionen von Pornografisierung und Intimisierung in den Medien diskutieren. Im Fokus steht der sexualisierte Körper – im aktiven Medienhandeln von Jugendlichen in sozialen Netzwerken, in Amateur-Pornografien von Erwachsenen und in seriellen Formen im so genannten US-Qualitätsfernsehen.

„Authentische“ Körper

In den Anfängen des Internets beschäftigte sich die Forschung vor allem mit den Rahmenbedingungen und Folgen der computervermittelten Kommunikation für das Individuum und die Gesellschaft. Da die Kommunikation zunächst vor allem textbasiert war, konnte ein Höchstmaß an Anonymität bewahrt werden. Sämtliche personenbezogenen Merkmale, die Auskunft über Gruppenzugehörigkeit, ethnische Herkunft, Alter, Geschlecht etc. geben, waren frei wählbar, so dass der Körper als Träger sozial interpretierbarer Merkmale zunächst nicht mehr in Erscheinung trat. Allerdings wurde alsbald deutlich, dass die Vorstellung eines Körpers auch für die Kommunikation im Internet unverzichtbar ist. In Chatrooms wurde man oder frau gleich zu Beginn aufgefordert, das Geschlecht zu nennen und/oder sich zu beschreiben, nahezu jeder Blog oder jedes Profil in sozialen Netzwerken ist mit Fotos bestückt und in digitalen Spielen schafft man und frau sich einen Avatar.

Die anfängliche Faszination einer anonymen Existenz im Internet hat somit ihren Reiz verloren. Stattdessen steht heute die Selbstdarstellung bzw. -inszenierung im Vordergrund – mit dem Anspruch auf „Authentizität“. Die Menschen zeigen, wer sie sind oder sein wollen, präsentieren eigene Stärken und Schwächen – und das vor einem globalen, damit auch weitgehend unbekannten Publikum. Von diesen neuen Optionen machen auch Jugendliche Gebrauch, indem sie sich auf ihren Selbstportraits in sozialen Netzwerken präsentieren. Laut einer Studie aus der Schweiz, in der über 300 Profilbilder von 12 bis 24-Jährigen auf sozialen Netzwerkseiten analysiert wurden2, kristallisieren sich spezifische Profiltypen bzw. Selbstinszenierungs- und -Vermarktungsstrategien heraus. Am häufigsten inszenieren sich Jugendliche mit einer spezifischen Körperpose bzw. -haltung. Sie orientieren sich dabei an symbolischen Codes der Markt-, Jugend- und Konsumkultur sowie des Werbe- und Starsystems. Auffällig ist, dass Mädchen sich häufiger als Jungen in einer „Flirt-“ oder „Modelpose“ darstellen, sich dementsprechend lasziv in Szene setzen und dabei Verführungsszenen andeuten. Jungen präsentieren sich häufiger in „Denker-“ und „Gruß-Posen“.3

Über die Profilbilder bzw. den Körper verhandeln Jugendliche grundlegende Fragen der Entwicklung. Sie treten aus dem Schutz der engeren Familie heraus und lernen sich selbst im Austausch mit Freunden und Freundinnen kennen, erlangen Anerkennung für die eigene Person mit allen Stärken und Schwächen und entwickeln auf diese Weise ein realistisches Selbstbild. Diese Entwicklungsaufgaben bewältigen sie unter spezifischen kulturellen Bedingungen. So sind die symbolischen Codes der Markt- und Konsumkultur sowie des Werbe- und Starsystems heute hoch sexualisiert. Beide Geschlechter sind – von unterschiedlichen Positionen ausgehend – aufgefordert, sich von den medialen Inszenierungen zu distanzieren, um ihren individuellen Weg zu finden. Die Körperposen auf den Profilbildern sind ein Zeugnis dieser Suche; die Jugendlichen stellen hier ihre (medialen) Vorbilder zur Diskussion und setzen sich reflexiv dazu in Beziehung. Problematisch ist, dass sie mit ihren Portraits leichtfertig an die Öffentlichkeit gehen. Von den Betreiberinnen und Betreibern sozialer Netzwerke werden sie nur versteckt darauf hingewiesen, dass ihre Inszenierungen bzw. Daten global sichtbar sind, weiterverwendet und verkauft werden – sie auf diese Weise indirekt zur „Ware“ werden.

Der Körper als Autonomieprojekt

Ein weiteres Beispiel zeigen die Verschiebungen im Umgang mit Öffentlichkeit und Privatheit: Auch die Amateur-Pornografie liefert Hinweise dafür, dass es zu einer Veralltäglichung des Sexuellen und Pornografischen kommt. Linda Williams hat die Pornografie vor einiger Zeit als ein „Körpergenre“ definiert, da die Rezeption des Genres teils mit heftigen Körperempfindungen wie Erregung, Angst etc. verbunden und das Genre selbst mit spezifischen Bildern des Körpers, akustischen Äußerungen und Säften des Körpers (genitale Flüssigkeiten) geprägt ist und ihm eine spezifische Phantasie (Sadismus) zugrunde liegt, die sich stets am Körper der Frau als lüsterner, weinender oder leidender Figur manifestiere.4 Mit der Amateur-Pornografie könnte sich dies nun ändern.

Heute werben Videoplattformen, Blogs, kommerzielle Websites mit „authentischem“ Porno-Material in Form von Fotos und insbesondere auch Filmen. Körperliche Nähe und körperbezogene intime Praktiken werden scheinbar selbstverständlich öffentlich inszeniert oder auch verkauft. Produziert wird diese Art der Pornografie von Laien, die – darauf wird gern hingewiesen – ihr authentisches Begehren unabhängig vom Diktat kommerzieller Industrien vor der Kamera inszenieren. Laut Döring gehören zu typischen Merkmalen der visuellen Amateur-Pornografie „natürlich aussehende Individuen und Paare unterschiedlichen Alters und Körperbaus, ungekünstelte und improvisierte Situationen, eine Ästhetik des Nicht-Perfekten und eine stärkere Betonung von eigenwilligen Vorlieben sowie von Intimität und Zärtlichkeit.“5 Da die Inszenierungen im Hinblick auf Inhalte, Darstellungs- und Produktionsweisen allerdings weiterhin sehr unterschiedlich sind, bietet es sich an, von Amateur-Pornografien im Plural zu sprechen.

Das Phänomen schürt Hoffnungen, zum einen dahingehend, dass sich eine DIY (Do-it-yourself)-Culture etabliert, in der subversive sexuelle Begegnungen über die heterosexuelle Norm hinaus möglich werden.6 Zudem werden damit Einblicke in tatsächlich gelebte Praktiken möglich und alle Bevölkerungsschichten und deren Praktiken sichtbar. Auf diese Weise könnten eindeutige Zuordnungen und somit Stereotype über Geschlechter, ethnische Herkunft, Alter subversiv unterwandert werden und sich das Spektrum lebbarer Sexualitäten erweitern – unter Wahrung der Menschenrechte und -würde.

Damit würde das Private politisch, wie es die zweite Frauenbewegung forderte. Der weibliche Körper, der lange Zeit als wesentlicher Teil der Frauenunterdrückung gesehen wurde (z.B. im Kontext von Gewalt gegen Frauen, der Kontrolle über Gebärfähigkeit, der Erniedrigung von Frauen in der Pornografie – PorNo), wird nun zu einem „Autonomieprojekt“, d.h. die Frauen nehmen ihren Körper selbst in die Hand, entscheiden selbst, wie sie sich in Szene setzen. Darin liegen durchaus Ermächtigungspotentiale, wie auch die PorYes-Aktivitäten rund um Laura Méritt zeigen.7 Offen bleibt allerdings, inwieweit die öffentliche Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und Körperlichkeit und die „lebensnahen“ Inszenierungen den Orientierungsrahmen tatsächlich erweitern und zur Akzeptanz sexueller Vielfalt beitragen können. Zu beachten ist dabei, dass die inszenierten Körper und Sexualitäten weiterhin einer globalen Öffentlichkeit feilgeboten werden, die relativ frei über die Videos und Bilder verfügen kann. Mit der Veröffentlichung körperlicher und intimer Darstellungen und Praktiken gehen damit gleichermaßen Entmächtigungsprozesse einher.

Sofern sich die eigene Sexualität allerdings ausschließlich an sexueller Lust orientiert, ist sie, so Sven Lewandowski, autonom geworden.8 Die Forderung nach freier Sexualität ist ihm zufolge weitgehend verwirklicht. „Inzwischen werden gar sexuelle Verhältnisse als illegitim angesehen, wenn sie sich nicht am Primat sexueller Lust orientieren“.9 Damit erweitern sich seiner Ansicht nach auch die Funktionen und Effekte zeitgenössischer Pornografie. „Pornografische Inszenierungen ermöglichen es – ganz ähnlich wie Selbsthilfebücher, Coming-out-Erzählungen und psychopathologische Fallgeschichten –, das eigene Begehren sowohl zu spiegeln als auch zu formen.“10 Insbesondere Amateur-Pornografien bieten (und nutzen) seiner Ansicht nach die Möglichkeit zur Selbstversicherung sexueller Identitäten. „Während der Videorekorder Pornografie in die eigenen vier Wände brachte, bietet das Internet nun die Möglichkeit, die sich in den eigenen vier Wänden abspielende Sexualität in die Pornografie zu bringen.“11 Damit kann die weite Verbreitung und populärkulturelle Normalisierung von Pornografie als Ausdruck eines kollektiven wie individuellen sexuellen Selbstreflexionsbedürfnisses gedeutet werden. Mit Foucault gesprochen, wäre Pornografie dann „Ausdruck eines spezifisch sexuellen Willens zum Wissen als auch eines Willens zur Lust.“12

Spartacus: Spiel mit Sex und Gewalt

Doch nicht nur im Web 2.0 und in der Amateur-Pornografie wird Sexualität öffentlich zur Schau gestellt, Intimität und Körperlichkeit werden auch vermehrt in den so genannten US-amerikanischen Qualitätsserien in Szene gesetzt. Zu diesen Quality-TV13 Dramaserien gehören u.a. The Sopranos, Dexter, True Blood14, The Walking Dead und auch Spartacus. Es handelt sich dabei um teuer produzierte Serien, die sich durch komplexe Erzählstrukturen15 und ausdifferenzierte Charakter- bzw. Figurenentwicklungen über mehrere Episoden oder ganze Staffeln hinweg auszeichnen. Ein weiteres Merkmal dieser Serien ist das Auflösen von Genrekonventionen bzw. die „Hybridität der Serienformen“16. Beispielsweise werden in der Serie The Sopranos „Strukturen des Gangsterfilms, der Soap Opera, der Sitcom, der Familienserie und der Psychotherapie im Film verarbeitet“17. Diese Serien werden zumeist von den amerikanischen Pay-TV Sendern wie HBO, Showtime und Starz (Sender: groß, fett?) produziert. Als amerikanische Global Player entwickeln sie Formate, die international vermarktet und vor allem von einem höher gebildeten und kulturell bewanderten Publikum geschaut werden.18

Um erfolgreich zu sein, spielen sie mit den Gewohnheiten der Zuschauenden und verhandeln immer wieder kontroverse Themen, indem sie gesellschaftliche Grenzen auszuloten suchen und neu verhandeln. Häufig werden explizite Sexszenen gezeigt und Gewaltorgien inszeniert.

Ein eindrückliches Beispiel ist hierfür die Serie Spartacus des US Premium Pay-TV Kanals Starz, welche in Deutschland auf Pro7 ausgestrahlt wurde. Die Serie wurde von der historischen Figur des Spartacus, einem thrakischen Gladiator, inspiriert, der von 73 bis 71 v. Chr. einen bedeutenden Sklavenaufstand gegen das Römische Reich anführte. Die Produzenten fokussieren die fiktive Serie auf wichtige Ereignisse im Leben des Spartacus. Sie beginnt mit seinem frühen Leben, erzählt seine Ausbildung in der Gladiatorenschule zu einem der besten Gladiatoren seiner Zeit und anschließend den Aufstand gegen die Römer bis zu seinem Untergang.

Spartacus hat wie eine Reihe anderer Serien – zu nennen sind hier abermals The Sopranos, jüngst aber auch The Walking Dead – zu heftigen Kontroversen und Entrüstungen geführt. Auslöser sind die ausgeprägten Gewaltexzesse und Tötungsszenarien, die expliziten, teils erniedrigenden Sexualakte und eine grobe, häufig sexualisierte und gewalttätige Sprache. Hierbei wird mit den Grenzen bisher etablierter Fernsehstandards gespielt.

Auf Grund dieser expliziten Darstellungen wird die erste Staffel der Serie Spartacus: Blood and Sand auch scharf angegriffen: „Historien-Serien wie ‚Spartacus: Blood and Sand’ treiben sämtliche Zutaten in ihrer Deutlichkeit und Drastik auf die Spitze. […] Wurde etwa ‚Spartacus – Blood and Sand’ in den USA vor allem wegen sexueller Aspekte als Tabubruch empfunden (in erster Linie die frontale Nacktheit bei Mann und Frau), ist es hierzulande die fast schon obszöne[…] Ausbreitung der Gräueltaten in den Gladiatoren-Arenen, die Anstoß erregt.“19 Angedeutet wird hier zudem, dass es kulturellkodierte Unterschiede in der Zumutbarkeit für ein potentielles Publikum von Sex und Gewalt gibt.

Während in den USA sexuelle Darstellungen häufig klar sanktioniert werden, vor allem im Broadcast TV (in öffentlichen Nicht-Bezahlsendern), wird die Schnittschere in Deutschland vor allem bei exzessiven Gewaltszenen angesetzt.

Sex als Kulisse

Was macht nun aber den Sprengstoff und gleichzeitig die Faszination dieser Serie aus? Dieser Frage widmete sich die Autorin Schuegraf in  einem Kurs mit Studierenden der Medienwissenschaft in einem Seminar an der Universität Paderborn. Analysiert und diskutiert wurde u.a. der Aspekt der Sexualität vor dem Hintergrund einer ästhetischen, dramaturgischen und historischen Kontextualisierung.

Durch die anfänglichen Diskussionen im Seminar wurde deutlich, dass viele der Szenen in Spartacus häufig Gemälden in Ausstellungen ähneln, da sie wie ein Arrangement aus Stil, Farbe und Form wirken. Dies zeigt sich insbesondere auch in der Bildästhetik nackter bzw. sextreibender Körper. Präsentiert werden langsame und detailreiche Darstellungen, die meist mit Nahaufnahmen auf Körperteile und -praktiken vorgeführt werden. Nacktheit beider Geschlechter wird offen zur Schau gestellt und, dem Anschein nach, zum Genuss der Partnerinnen bzw. Partner in der Serie, aber auch der Zuschauenden inszeniert. Die Szenen sind eine Komposition aus der Position der Körper zueinander und aus der Wahl der Farbe und des Lichtes in der Szenerie.

Zu sehen sind dem heutigen Schönheitsideal entsprechend „schöne Körper“, die kaum behaart sind (auch nicht die männlichen Körper) und häufig durch Öle oder Wasser zum Glänzen gebracht werden. Vorgeführt wird ein hochstilisierter, makelloser Körper, der „Hochglanzsex“ vollzieht, welcher wiederum extrem sauber und artifiziell erscheint. Diese Sexpraktiken wirken auch deshalb so künstlich, weil sie in Abgrenzung zu schmutzigen Arenen, verdreckten Städten und durch Hunger und Elend versehrten Körpern der Armenwelt stattfinden. Man kann hier – unbeachtet der Tatsache, dass es sich natürlich um Schauspielerei handelt –  von einer Art „Performancesex“ sprechen. Sex ist also nicht (mehr) Ausdruck von Liebesgefühlen, und es geht auch nicht um Prostitution, sondern er markiert die u.U. vorhandenen Gefühle füreinander. (Widerspruch!, siehe Anfang des Satzes!)  Eva Illouz drückt dies so aus: „Der Sex stellt die Verpackung dar, in der sich die Liebesgeschichte verbirgt“.20

Der Performancecharakter sexueller Akte wird dann noch auf die Spitze getrieben, wenn er rein zur Befriedigung und zum Vergnügen anderer als Kulisse verwendet wird. In Zusammenkünften und bei Festen der Senatoren, der Patrizier und anderer reicher Römer in der Serie werden die Sklavinnen und Sklaven häufig dazu angehalten, miteinander sexuell zu verkehren. Die sextreibenden Körper werden hier wie Gemälde inszeniert und dienen der (Hintergrund-)Unterhaltung während geschäftlicher Aktivitäten der Patrizier und/oder der Anregung und Weckung sexueller Begierden. Hier zeigt sich eine klare Trennung von innen und außen, Gefühl und sexuellem Akt. Der praktizierte Sex kann hier als Stilmittel betrachtet werden, der Übergänge in der filmischen Narration schafft oder im Hintergrund gezeigt wird, vor dem sich die eigentliche Handlung abspielt.

Lust und Unterhaltung

Sex oder auch Sexualität als Performance in der (Serien-)Präsentation geht einher mit der Lust des Zurschaustellens von sexuellen Akten wie z.B. in pornografischen Amateurvideos. Im Vordergrund steht der sexuelle  Akt entkoppelt von Fortpflanzungsideologien, aber auch von jeglichen Gefühlen, die durch Liebe und Zuneigung inspiriert sind. Sex dient hier der Lust und der reinen Unterhaltung. Vorgeführt werden hierbei sexuelle Praktiken, die sich in die Entwicklung heutiger Sexualität nahtlos integrieren lassen. Die historische Folie von Spartacus kontextualisiert die sexuellen Aktivitäten vor einem geschichtlichen Hintergrund und versucht damit die Darstellung zu legitimieren. Die Form der Darstellung ist jedoch uneingeschränkt an aktuelle Vorstellungen moderner Sexualität und Liebe und einer daran geknüpften Identitätssuche gebunden. Illouz fasst dies auch auf „als eine Praxis, bei der der Körper öffentlich und privat zur Schau gestellt wird, [hier] stellt die moderne Sexualität folglich eine zentrale Arena für die Identitätsfindung des Konsumenten dar, der durch seine Fähigkeit definiert ist, zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu wählen, seine eigenen Interessen zu verfolgen und sich lustvollen Betätigungen hinzugeben.“21 Im Mittelpunkt steht dabei die Suche nach sich selbst. Diese Suche findet auf öffentlichen Bühnen statt und ist an die reflexive Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, der eigenen Sexualität und eigenen Intimität gebunden.

Heranwachsende können bei ihrer Suche nach einem realistischen Selbstbild, das zwischen Hochglanzansprüchen und authentischen Gefühlen balancieren muss, leicht überfordert sein. Dennoch gehört es zu den aktuellen Entwicklungsaufgaben Jugendlicher, mit sexualisierten und pornografisierten Medieninhalten umgehen zu lernen. Hierbei können sie, wenngleich sie die Vertriebswege und Inhalte oft besser kennen als die Erwachsenen, weiterhin Unterstützung gebrauchen. Schutzräume, in denen sie ihre Gefühle erleben, ausdrücken und reflektieren können, ohne den Körper gleich global zu Markte zu tragen, sind notwendig um eine positive Identitätsfindung zu ermöglichen. Pädagoginnen und Pädagogen sollten sich verstärkt mit pornografischen Medienangeboten auseinandersetzen und mit Jugendlichen in die aktive Auseinandersetzung über Normen und Werte gehen. Das heißt jedoch gleichzeitig, die Medienkompetenzen und die (sexuellen) Medienerfahrungen der Jugendlichen anzuerkennen und eine fragende Erziehungshaltung einzunehmen22.


Anmerkungen
  1. 1. Schuegraf, Martina/Tillmann, Angela (Hrsg.) (2012): Pornografisierung von Gesellschaft. Konstanz und München.
  2. 2. Vgl. Astheimer, Jan/Neumann-Braun, Klaus/Schmidt, Axel (2011): MyFace: Die Portraitfotografie im Social Web, in: Neumann-Braun, Klaus/Autenrieth, Ulla P. (Hrsg.): Freundschaft und Gemeinschaft im Social Web. Bildbezogenes Handeln und Peergroup-Kommunikation auf Facebook & Co., Baden-Baden, S. 81.
  3. 3. Ebd. Zu gendertheoretischen Interpretationen der Posen vgl. Tillmann, Angela (2012): MyBody – MySelf: Körper- und Geschlechterkonstruktionen in sozialen Netzwerken, in: Schuegraf/ Tillmann, S. 159-168.
  4. 4. Vgl. William, Linda (1991): Film Bodies. Gender, Genre, and Excess, in: Film Quarterly 44,4, 1991, S. 2-13.
  5. 5. Döring, Nicola (2011): Pornografie im Internet: Fakten und Fiktionen, in: tv diskurs. Verantwortung in audiovisuellen Medien, 15. Jg., 3/2011, S. 33ff.
  6. 6. Vgl. Jacobs, Katrien (2007): Netporn: DIY Web Culture and Sexual Politics, Lanham.
  7. 7. Méritt, Laura (2012): PorYes! Feministische Pornos und die sex-positive Bewegung, in: Schuegraf/ Tillmann, S. 371-380.
  8. 8. Vgl. Lewandowski, Sven (2012): Porno, Pop und moderne Sexualität, in: Spex – Magazin für Popkultur. Online-Dokument, URL: www.spex.de/2012/11/05/porno-pop-und-moderne-sexualitat/ (Zugriff: 21.07.2013).
  9. 9. Ebd. H.i.O.
  10. 10. Ebd.
  11. 11. Ebd.
  12. 12. Foucault zitiert nach Levandowski (2012). Foucault, Michel (1978): Dispositive der Macht: Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin.
  13. 13. Der Begriff „Quality TV“ soll sich laut Robert Blanchetin Abgrenzung zum Reality-TV und den Casting-Shows etc. entwickelt haben , Blanchet, Robert (2011): Quality-TV: Eine kurze Einführung in die Geschichte und Ästhetik neuer amerikanischer TV-Serien. In: Blanchet, Robert/Köhler, Kristina/Smid, Tereza/Zutavern, Julia (Hrsg.): Serielle Formen. Von den frühen Film-Serials zu aktuellen Quality-TV- und Online-Serien. Marburg, S. 38.
  14. 14. Zur Körperlichkeit und Sexualität in „True Blood“ vgl. Schuegraf 2012.
  15. 15. Mikos, Lothar (2012): Von den Sopranos zu den Mad Men. Die Faszination amerikanischer Fernsehserien, in: tv diskurs. Fortsetzung mit Folgen. Warum Serien faszinieren. 16. Jg., 4/2012,Ausgabe 62.
  16. 16. ebd., S.47.
  17. 17. Vgl. Winter (2011), S. 163f., zit. nach Mikos (2012), S. 47
  18. 18. Blanchet, Robert (2011): Quality-TV: Eine kurze Einführung in die Geschichte und Ästhetik neuer amerikanischer TV-Serien, In: Blanchet u.a.: Serielle Formen. Von den frühen Film-Serials zu aktuellen Quality-TV- und Online-Serien, Marburg, S. 52.
  19. 19. Vgl. Gerle, Jörg (2012): Grenzüberschreitungen. Gewalt- und Sexszenen am Rande des Zeigbaren, in: film-dienst 16/2012, S.18.
  20. 20. Vgl. Illouz, Eva (2013): Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey. Berlin, S. 36.
  21. 21. Ebd., S. 38.
  22. 22. Vgl. Wanielik, Reiner (2009): Medienkompetenz und Jugendschutz. Überlegungen zur sexualpädagogischen Arbeit mit Pornografie. BZgA Forum. Sexualaufklärung und Familienplanung (Hg.): Medien. Nr.1/2009. Köln 2009, S. 33-37