Magazin für die pädagogische Praxis
Junge Perspektiven

Lupe auf hellblauem Untergrund

„Alte Weiße Männer“

Was steckt hinter dem Ausdruck – ein Kolleginnengespräch

„Alte weiße Männer“ – ein Ausdruck mit Bums. Während sich einige, vor allem weiße cis Männer, von diesem Begriff angegriffen fühlen, stellt er für andere ein Stück gesellschaftlicher Realität dar, die in persönlichen Erlebnissen und Begegnungen immer wieder greifbar wird. In diesem Kolleginnengespräch wird der Begriff analytisch unter die Lupe genommen: Wer ist damit eigentlich gemeint? Kann man hier von Diskriminierung sprechen und auf welchen Ebenen begegnet uns das Patriarchat im Alltag? Außerdem geht es um die Frage, wie Männer sich aktiv weiterbilden können, denn Feminismus ist kein Frauenthema, sondern betrifft uns alle.

Der Beitrag ist von der jungen Radioredaktion Kreativfunk, ein Projekt des jfc Medienzentrum.

Transkript

Privileg oder Provokation? – Ein Deep Dive zum Begriff „Alter weißer Mann“

Maike: Marie, wir hören den Begriff „alter weißer Mann“ ständig. Aber was bedeutet er eigentlich genau? Ist das eine Beleidigung oder eine Zustandsbeschreibung?

Marie: Es ist vor allem eine Beschreibung von Privilegien. Sophie Passmann sagt in ihrem Buch, dass es weniger um das biologische Alter geht, sondern um ein Verhalten: Wer seine Machtposition ausnutzt und den gesellschaftlichen Fortschritt blockiert, erfüllt dieses Klischee. Oft reagieren Männer darauf mit dem Vorwurf der Diskriminierung.

Strukturelle Diskriminierung vs. Befindlichkeit

Marie: Margarete Stokowski hat das im Spiegel gut analysiert. Diskriminierung ist ein strukturelles Problem. Da alte weiße Männer in unserer Gesellschaft die mächtigste Gruppe sind, können sie zwar persönlich beleidigt, aber nicht strukturell diskriminiert werden. Sie sind das Symbol des Patriarchats.

Maike: Ein Beispiel dafür ist die Medizin, die sich jahrelang nur am Mann orientiert hat. Das hat für Frauen heute noch reale Nachteile bei Diagnosen und Medikamenten.

Fakten zur Ungleichheit

Maike: Die Zahlen belegen das: Der Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei 17,7 %. Und in Führungspositionen sehen wir die „Leaky Pipeline“ – je höher die Karriereleiter, desto weniger Frauen. In Deutschland sind nur 28,9 % der Führungskräfte weiblich.

Backlash nach der US-Wahl

Marie: Aktuell ist es besonders beunruhigend. Nach der Wahl von Donald Trump trendete der Slogan „Your Body, My Choice“ – eine hasserfüllte Umkehrung des Rechts auf Selbstbestimmung. Die Nutzung stieg auf X um 4.600 % an einem Tag. Das ist kein reines Internetphänomen, sondern führt zu realer Belästigung von Mädchen an Schulen.

Was alte weiße Männer tun können

Maike: Wir wollen keinen Sündenbock suchen, sondern ein Gespräch. Männer sollten zuhören und ihre Privilegien reflektieren. Es gibt tolle Ansätze wie Männer-Workshops der Heinrich-Böll-Stiftung oder die Antifeminismus-Ausstellung im NS-DOK in Köln.

Marie: Feminismus ist für alle da – er macht die Welt für jeden Menschen ein Stück gerechter.