Magazin für die pädagogische Praxis
Junge Perspektiven

Zwei rosa Arme, die in der Mitte des Bildes zwei Handys nebeneinander halten, sodass die Bildschirme sich zu einem roten Herz ergänzen

Online Dating

Zwischen Wissenschaft und Glücksspiel – Interview mit Dating-Expertin

Im digitalen Zeitalter findet auch das Liebesleben schon längst online statt. Plattformen wie „Tinder“, „Bumble“ oder auch „Parship“ versprechen, mit wenigen Swipes, die richtige Person zu finden. Doch wie behält man im Chaos aus Swipen, Liken und dem wiederkehrenden Phänomen des „Ghosting“ noch den Überblick? Dafür haben wir mit Professorin Dr. Wera Aretz gesprochen. Die Diplom Psychologin ist wissenschaftliche Expertin im Online und Offline Dating. Sie erklärt, ob die Online-Suche tatsächlich eine Wissenschaft ist oder doch nur ein Glücksspiel. Welche Plattform zu wem passt und welche Herausforderungen Dating-Apps mit sich bringen, klärt dieser Beitrag. 

Der Beitrag ist von der jungen Radioredaktion Kreativfunk, ein Projekt des jfc Medienzentrum.

Transkript

Liebe per Klick – Psychologie und Strategien im Online-Dating

Moderatorin (Sarah): Wir sprechen heute mit Wera Aretz. Sie ist Diplompsychologin, Professorin für Wirtschaftspsychologie und Expertin für Online-Dating. Schön, dass Sie da sind! Wie wird man eigentlich Expertin für dieses Gebiet?

Wera Aretz: Das kam vor 15 Jahren eher zufällig durch eine Studie. Damals war Online-Dating noch stigmatisiert. Wir konnten widerlegen, dass dort nur Menschen mit geringen Chancen unterwegs sind. Seitdem erforsche ich, wie wir uns digital präsentieren und Partner finden.

Plattformen und Motivationen

Sarah: Es gibt unzählige Portale. Ist jede App für jeden geeignet?

Wera Aretz: Je niederschwelliger und kostenloser eine App ist (wie Tinder), desto spielerischer wird sie genutzt – oft nur, um den Marktwert zu testen. Kostenpflichtige Portale mit langen Tests ziehen eher Menschen an, die eine feste, exklusive Beziehung suchen. Die Investition wirkt hier als Filter.

Das Geheimnis eines guten Profils

Sarah: Was macht ein Profil erfolgreich? Bilder oder Text?

Wera Aretz: Die Bilder sind der Türöffner. Sie sollten facettenreich sein und Persönlichkeit zeigen, etwa durch Hobbys. Der Text in der Bio sollte positiv sein und neugierig machen. Unsere Studien zeigen: Männer schauen zuerst auf Bilder, Frauen analysieren Texte oft genauer, um Rückschlüsse auf das Bildungsniveau oder die politische Einstellung zu ziehen.

Ghosting und Tinder-Burnout

Sarah: Viele leiden unter Ablehnung oder Ghosting. Wie geht man damit um?

Wera Aretz: Ghosting ist oft eine bequeme Exit-Strategie. Man sollte das nicht auf sich beziehen, sondern als Unvermögen des anderen sehen. Wenn das Daten zur Belastung wird, sprechen wir vom „Tinder-Burnout“. Man fühlt sich emotional erschöpft. Hier hilft nur: Auf die Bremse drücken, feste Zeiten für die Apps festlegen und weniger Personen gleichzeitig daten.

Fazit

Sarah: Sie bieten auch Workshops an, um Menschen zu unterstützen. Gibt es da Erfolgsmeldungen?

Wera Aretz: Ja, absolut. Oft hilft ein Perspektivwechsel, um zu verstehen, warum man immer wieder an die falschen Personen gerät. Die Reflexion über die eigene Darstellung bewirkt oft sehr positive Veränderungen im Dating-Leben.