Magazin für die pädagogische Praxis
Junge Perspektiven

Alter weißer Mann im Büro schaut kritisch aus dem Fenster

Glosse: Alte weiße Männer

Wie das Klischee des alten weißen Mannes weiterlebt

Wer kennt es nicht das Klischee vom „alten weißen Mann“: Graues Haar, maßgeschneiderter Anzug, eine beachtliche Summe auf dem Konto und zahlreiche Privilegien, die er oft selbstverständlich genießt und sich dessen nicht einmal bewusst ist. Frauen in seinem Umfeld nennt er „junges Fräulein“. Diese Glosse soll keinesfalls eine Abrechnung mit dem männlichen Geschlecht sein, sondern vielmehr durch eine Prise Humor und Sarkasmus die Augen öffnen, wie viel bittere Realität noch in diesem Klischee steckt, ausgehend von Beispielen wie Donald Trump, Elon Musk und Till Lindemann, Frontsänger der Band Rammstein. Welches Ausmaß patriarchalische Strukturen annehmen können und wie sie geschickt genutzt werden, verdeutlicht dieser Beitrag.  

Der Beitrag ist von der jungen Radioredaktion Kreativfunk, ein Projekt des jfc Medienzentrum.

Transkript

Der „Alte weiße Mann“ – Phänomen, Feindbild oder Realität? Eine Glosse

Einleitung: Das Bild im Kopf

Wenn ich den Ausdruck „alte weiße Männer“ höre, habe ich direkt ein konkretes Bild im Kopf: Hans-Peter Jürgen im schicken Anzug mit weißen Sneakern. Er sitzt mit Kollegen in seiner Stammkneipe, nachdem er sich im Chefbüro den Hintern plattgesessen hat. Trotz Verbot zündet er sich eine Zigarre an und ruft die gestresste Kellnerin als „junges Fräulein“ an den Tisch.

Das ist fiktiv und subjektiv. Aber bitte verwechseln Sie Sarkasmus nicht mit Diskriminierung. Wer jetzt meint, hier würde das Patriarchat unterdrückt, sollte die Definition von Feminismus noch einmal lesen. Doch wer ist dieser „alte weiße Mann“ eigentlich? Ein fiktives Feindbild oder bittere Realität?

Typus 1: Der Politiker

Ein schmerzhafter Blick in die USA zeigt uns das Paradebeispiel: Donald Trump. Vom Reality-TV-Moderator zum zweiten Mal ins Präsidentenamt – und das als mehrfach verurteilter Straftäter. Finanzbetrug, Schweigegeldzahlungen, sexuelle Übergriffe und Verleumdung stehen in seiner Akte.

Trump zeigt, wie man sich mit Geld, Macht und einer gleichgesinnten Anhängerschaft in einer privilegierten Stellung durch das System bewegt und Einfluss auf die Justiz nimmt. Sein Sieg zeigt das tiefgreifende patriarchale System: Ein sexistischer Mann wird Präsident, während eine Frau, die für Demokratie kämpft, unterliegt.

Typus 2: Der Geschäftsmann

Hier treffen wir auf Tech-Milliardär Elon Musk. Er ist der reichste Mann der Welt, schießt Raketen ins All und verbreitet Verschwörungstheorien. Er nutzt seine Plattform „X“ für transphobe Äußerungen und schoss sogar öffentlich gegen seine eigene transsexuelle Tochter.

Auch er verkörpert den Typus, der mit provokanten Worten um sich werfen kann, weil sein Platz im System durch Geld und Einfluss gesichert ist. Grenzen zu respektieren, scheint ihm völlig fremd – vor allem gegenüber Frauen.

Typus 3: Der Rockstar

Der Skandal um Rammstein-Sänger Till Lindemann zeigt die harte Realität. Junge Frauen berichteten von der „Row Zero“ und davon, wie sie als „Deko“ für den Backstage-Bereich rekrutiert wurden. Zwar wurden die Verfahren mangels Beweisen eingestellt, doch es bleibt eine ethisch-moralische Debatte über Machtstrukturen.

Auffällig ist die digitale Macht: Suchmaschinen zeigen bei Lindemann Erfolge, bei den betroffenen Frauen jedoch den Skandal. Das ist die Macht des alten weißen Mannes: Er rettet sich durch Einfluss, während Frauen, die sich wehren, den Strukturen oft schutzlos ausgeliefert sind.

Fazit: Ein Zustand, kein Alter

Ein „alter weißer Mann“ ist nicht automatisch jeder Senior. Es kann auch der 25-jährige Student Justus sein, der gerade die Karriereleiter im väterlichen Betrieb erklimmt. Der Begriff beschreibt vielmehr einen Zustand des Mannseins in Bezug auf Verhalten und den Platz in der Gesellschaft.

Es geht um Männer, die ihre Privilegien gezielt nutzen, um einen gesellschaftlichen Wandel zu verhindern. Falls Sie den Drang verspüren, sich dagegen zu wehren, fragen Sie sich einfach: Warum? Vielleicht trifft die Beschreibung ja genau auf Sie zu.